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Rodel-WM: Österreich, das Land der Doppelsitzer

10.02.2012 | 18:38 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Die Tiroler Brüder Andreas und Wolfgang Linger eroberten in Altenberg Gold im Doppelsitzerbewerb, Peter Penz und Georg Fischler gewannen Bronze. Sportdirektor Markus Prock ist von der Medaillenflut überwältigt.

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Altenberg/Wien. Die Tiroler Brüder Andreas und Wolfgang Linger geben seit vielen Jahren mit ihrer Rodel im Eiskanal das Tempo vor. Sie beherrschen den Pinguinschlag, so wird das Watscheln beim Start genannt, verstehen ihr Gefährt zu lenken, zu beschleunigen und finden nahezu blind die Ideallinie. Am Freitag fügten die Doppelolympiasieger ihrer Medaillensammlung ein neues Prunkstück hinzu. Sie gewannen bei der WM in Altenberg zum dritten Mal den Doppelsitzerbewerb.

Während die Lingers als Titelverteidiger ihre Favoritenrolle bestätigten, gelang dem zweiten ÖRV-Duo Peter Penz und Georg Fischler eine Überraschung. Die beiden sicherten sich die Bronzemedaille und erfüllten damit die Vorgabe von Sportdirektor Markus Prock, der sich für diese WM „mindestens zwei Medaillen“ gewünscht hatte. Der Doppelerfolg begeisterte Prock ungemein, vor allem sei Edelmetall die beste Ausgangslage, um für seine Sportart neue Sponsoren und noch höhere Förderungen zu ergattern. „Österreich ist nicht nur das Land der Doppelsitzer, Rodeln hat bei uns ja große Tradition. Jetzt wollen wir im Verband nachrüsten. Wir brauchen eine neue Werkstätte, aber auch eine neue Startrampe in Igls.“

Das Rodeln in einer Kunstbahn verlangt aber nicht nur penible Planung, sondern auch das nötige Geschick. Für Teamchef Rene Friedl ist es die Verbindung zwischen Mensch und Gerät, die den Weg zum Erfolg ebnet. „Der Schlitten allein gewinnt ja kein Rennen“, sagt er und lobt nicht nur seine Athleten, sondern auch den Servicemann. Der ehemalige Rodler Robert Manzenreiter ist für den Feinschliff der Kufen verantwortlich, er habe mit der richtigen Wahl somit großen Anteil an der Erfolgswelle. Aber auch in diesem Punkt muss der Verband „nachrüsten“. Manzenreiter gibt seine Abschlussvorstellung, er wird Bahnleiter in Igls.

Die 1387 Meter lange Bahn in Altenberg ist für ihre 17 Kurven berüchtigt. Eine Fahrt durch diesen Eiskanal ist alles, nur kein Selbstläufer. Doch just hier fühlen sich die Linger-Brüder besonders wohl, das untermauern vier Weltcupsiege des 30-jährigen Andreas und des 29-jährigen Wolfgang. Mit WM-Gold erreichten die Absamer das erste Saisonziel, der wahre Traum ist für sie aber der erste Triumph im Gesamtweltcup. Da liegen sie zwei Rennen vor Schluss 15 Punkte vor den deutschen Titelverteidigern Wendl/Arlt.

Damit für dieses Vorhaben genügend Schwung erhalten bleibt, wird Wolfgang Linger weiterhin an seinem Schlitten basteln. Er gilt als „Tüftler“, der nach Innovationen sucht. Für sich lehnt er Veränderungen allerdings kategorisch ab. Er verfolgt stets das gleiche Ritual: „Ich schlüpfe immer zuerst in den rechten Handschuh und dann in den linken Schuh.“ Solange das den Pinguinschlag nicht irritiert, besteht kein Grund zu Sorge.

43. Rodel-WM, Doppelsitzer: 1. A. u. W. Linger (AUT) 1:23,444 (41,727/41,717) 2. Eggert/Benecken (GER) 0,220 Sek. 3. Penz/Fischler (AUT) 0,232.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

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