Weltcupsieger Marcel Hirscher "um hundert Kilo leichter"

18.03.2012 | 12:22 |   (DiePresse.com)

"Ich wäre ein Trottel, würde ich es nicht genießen", meinte der frischgebackene Gewinner der großen Kristallkugel. Im Sommer wird er ein weiteres Ziel verfolgen: "Nichteinfäden üben"

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Der letzte Arbeitstag von Skirennläufer Marcel Hirscher im Winter 2011/2012 ist nach einem Einfädler im Slalom auf der Piste kurz nach neun Uhr am Sonntag beendet gewesen. Danach begann für den alpinen Ski-Gesamtweltcupsieger jedoch der letzte Interview-Marathon des Winters. "So lange es spannende Fragen sind, beantworte ich sie gerne", kam beim 23-Jährigen noch keine Müdigkeit auf. Mit der großen Kugel und der kleinen für die Riesentorlauf-Wertung im Gepäck wird er Schladming verlassen und irgendwann auch Freizeit genießen.

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Hirscher hatte noch die Chance auf die Slalom-Wertung, riskierte und fädelte nach der Hälfte des Laufes ein. "Klar hätte ich bei der Entscheidung gerne eine größere Rolle gespielt. Aber wir haben beide gewusst, wir müssen riskieren. Das haben wir auch gemacht - und beide zu viel riskiert. So hoch ist der gegenseitige Respekt. Wir wussten, wenn einem was aufgeht, ist es gelaufen. Aber ich konnte es noch nie so locker verkraften", erklärte Hirscher. Der Kroate Ivica Kostelic stieg nach einem Fehler am fünften Tor zurück und musste abwarten, wie sich der Schwede Andre Myhrer im Finale schlug.

Hirschers Hausaufgabe für den Sommer

Doch für den Annaberger Hirscher konnte der Tag trotzdem nicht schöner sein. "Ich wäre ein Trottel, würde ich es nicht genießen." Er habe in dieser Saison auch oft Glück gehabt und sei ein paar Mal schon fast auf der 'Papp'n' gelegen, aber weitergekommen. Dieses Mal ging es daneben. "Nun habe ich für den Sommer eine Aufgabe: Nichteinfädeln üben!" Er hofft jedenfalls, irgendwann einmal auch die Slalom-Kugel zu holen. "Dafür darf ich nicht so oft einfädeln und muss den gleichen Speed beibehalten."

Am Samstagabend, als feststand, dass der Schweizer Gesamtweltcup-Kontrahent Beat Feuz im Slalom nicht starten und Hirscher die große Kristallkugel auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen sein wird, gingen dem aktuell erfolgreichsten Alpinskiläufer tausend Gedanken durch den Kopf. In der Nacht spukte hingegen nichts. "Wahnsinn, ich habe so gut geschlafen. Kennt ihr das, wenn du so tust (schnippt mit Finger/Anm.) und wieder munter bist. Wow, ist das geil! Echt, das habe ich schon lange nicht mehr gehabt", plauderte Hirscher drauflos.

Beim Fahren in der Früh war er dann richtig locker. "Es klingt blöd, aber ich hatte heute so einen Spaß. Skifahren ist geil, wenn es um nichts geht. Sonst ist jeder Einfahrlauf schon wichtig. Geschätzte fünfzig bis hundert Kilo drücken ja jeden Tag drauf, und wenn die mal weg sind, fühlt es sich gleich einmal leichter an." Nun freue er sich "extrem" auf den Sommer. "Bisserl Campen, Kajak fahren, Motocross fahren. Cool!" Und Hirscher gestand: "Von den Temperaturen her war es ein zäher Winter. Das zehrt einfach brutal, viel ist nicht mehr da, nur noch der harte Kern."

Mit großer Freude beobachtete auch ÖSV-Sportdirektor Hans Pum das Geschehen in Schladming. "Marcel war heuer der Überdrüber-Läufer, das ist etwas Besonderes." Vor der Saison habe man ja nicht unbedingt daran geglaubt, dass man um die große Kugel mitfahren könne. "Ich habe aber gesagt, dass man mit zwei Disziplinen den Weltcup gewinnen kann, es kommt halt drauf an, wie stark man fährt und was die Konkurrenz macht. Wie nehmen sich die gegenseitig die Punkte weg. Und das ist alles zugetroffen, Gott sei Dank. Mit Marcel und Marlies Schild hatten wir Seriensieger."

>>> Alle Infos im Weltcup-Special

(APA)

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