Marcel Hirscher: "Ich bin kein Schweizer Uhrwerk"

28.01.2013 | 18:48 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Kitzbühel-Sieger Hirscher will seine Erfolgsserie beim City-Event in Moskau fortsetzen, warnt aber davor, ihn als Goldbank bei der Weltmeisterschaft in Schladming zu sehen.

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Kitzbühel. Viel Zeit zum Ausrasten ist nicht geblieben, in Kitzbühel hat den Triumphator des Ganslernhanges nicht viel gehalten. Schon gestern Vormittag ging es von Salzburg aus weiter nach Moskau, wo heute nach München das nächste City-Event (ab 17 Uhr MEZ, live ORF eins) auf dem Programm steht. Marcel Hirscher gilt auch dort als einer der ganz großen Sieganwärter. Das Rennen auszulassen, daran hat der 23-jährige Salzburger nie gedacht, schließlich geht es auch um Weltcuppunkte. „Aber dann bin ich froh, wenn ich mich ein wenig erholen kann. Und endlich wieder einmal trainieren kann. Das Training ist in den vergangenen Wochen fast zu kurz gekommen.“

Marcel Hirscher verändert sich nicht, er nimmt sich Zeit für die Medien, er bleibt authentisch und nahbar. Und er ändert auch seine Sprache nicht, weil er einfach nur der Marcel bleiben will. Da kann es schon vorkommen, dass ihm ein „geil“, oder „saugeil“ über die Lippen kommt. „Ich probiere nicht, cool zu sein“, versichert er. „Vielleicht ist es das, was einen cool macht. Aber das sollen andere beantworten.“

Schön langsam verspürt Hirscher den Druck, der auf ihm lastet, der Salzburger betont allerdings im mer wieder, dass seine Erfolge keine Selbstverständlichkeit sind. „Ich bin auch nur ein Mensch“, hat er in Kitzbühel gesagt. „Und da gehört es dazu, dass man Fehler macht. Das ist menschlich. Das muss für jeden begreifbar sein, dass ich keine Maschine bin. Ich bin kein Schweizer Uhrwerk und ich bin auch kein Computerprogramm. Auch mir sind schon Fehler passiert – das hätte genauso gut in Kitzbühel passieren können. Es kann auch bei der WM in Schladming passieren. Dessen sollten sich die Skifans bewusst werden. Und mich nicht verdammen, wenn es einmal nicht so läuft oder ich ausscheiden sollte. Im Skisport kannst du nichts erzwingen, schon gar nicht im Slalom.“

Das Ziel von Hirscher in Moskau ist klar, er will „ein paar Runden“ weiterkommen, damit sich die Reise auch lohnt. Dass Felix Neureuther auch heute wieder sein schärfster Rivale sein wird, davon kann man getrost ausgehen. Der Deutsche hat in Wengen gewonnen, war in Kitzbühel Zweiter, hat in München einen Heimtriumph gefeiert. Im günstigsten Fall kann Hirscher den Gewinn der kleinen Kristallkugel (Vorsprung beträgt 134 Punkte) fixieren, dazu müsste Neureuther aber bereits in der ersten Runde ausscheiden. Somit wird die Entscheidung erst nach der WM in Kranjska Gora oder beim Finale in Lenzerheide fallen.

Der Internationale Ski-Verband treibt sein Konzept der Erneuerung weiter voran, City-Events sollen künftig auch in anderen Städten stattfinden. Von Rom ist bereits mehrmals die Rede gewesen, auch New York wird in diesem Zusammenhang oft genannt. Vor allem die Jugend soll damit angesprochen werden. Nach dem Motto: Wenn die Städter schon nicht zum Berg und zum Skilauf kommen, dann kommen eben die Skiprofis zu den Städtern.

 

Viele Absagen

Der Zeitpunkt des Rennens ist allerdings nicht ideal, Moskau kommt am ursprünglichen Schladming-Termin (Nachtslalom) zum Zug. Das Interesse der Topläufer hält sich in Grenzen. Der Norweger Aksel Lund Svindal fehlt, ebenso sein Landsmann Jansrud, der US-Amerikaner Ligety, Vorjahrssieger Pinturault. Auch die Österreicher Matt, Pranger und Reichelt pfeifen drauf. Bei den Damen sieht es nicht viel anders aus. Vonn ist nicht dabei, auch Mancuso (Vorjahressiegerin) nicht, Höfl-Riesch und Rebensburg glänzen durch Abwesenheit. Von den Österreicherinnen verzichten Zettel, Fenninger und Görgl.

Die FIS probiert viel Neues, würde aber Traditionen auslöschen, kritisiert Ivica Kostelić. „Die klassische Kombination in Kitzbühel zu streichen, das ist ein großer Fehler. Das ist der älteste Bewerb im Skisport, so etwas zu zerstören, ist unglaublich. Man kann heute alles bauen und kaufen – aber keine Tradition!“ Hirscher und Neureuther nicken artig dazu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2013)

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