Schladming: Hirscher spekuliert mit Kombination

30.01.2013 | 17:38 |  Von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Der 23-jährige Salzburger Marcel Hirscher will bei der Weltmeisterschaft in Schladming in vier Bewerben an den Start gehen. ÖSV-Mannschaft mit Slalomweltmeisterin Marlies Schild, jedoch ohne Reinfried Herbst.

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Wien. Große Streitfälle hat es bei der Zusammenstellung der österreichischen Mannschaft, die ab 5. Februar in Schladming um WM-Medaillen kämpfen soll, nicht gegeben. Das Präsidium ist dem Vorschlag der sportlichen Leitung gefolgt, das 27-köpfige Aufgebot umfasst 13 Damen und 14 Herren. Das Kontingent wird voll ausgeschöpft, mit dabei sind auch die drei Titelverteidigerinnen. Wobei Elisabeth Görgl, Weltmeisterin im Super-G und in der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen 2011, derzeit außer Form ist und sich selbst im Weg steht. Anna Fenninger ist zu einer verlässlichen Topläuferin geworden, auf der Liste findet sich aber auch Marlies Schild. Die Slalomweltmeisterin kämpft zwar nach ihrer Knieverletzung um ihr Comeback, ein Start in Schladming würde aber eher in die Kategorie „Sensation“ oder „medizinisches Wunder“ passen.

Aus dem ursprünglichen provisorischen Aufgebot ist Reinfried Herbst gefallen. Der Slalom-Routinier hat in Kitzbühel trotz seines Ausfalls noch Werbung in eigener Sache gemacht, die Trainer aber haben sich gegen den Olympia-Silbermedaillengewinner entschieden. Auch beim City-Event in Moskau konnte er das Ruder nicht herumreißen. Gesetzt sind Marcel Hirscher, Mario Matt, Manfred Pranger und Benjamin Raich. Der Pitztaler hat an die Planai triumphale Erinnerungen, in Kitzbühel hat er wieder den Sprung in die absolute Weltspitze geschafft.

Marcel Hirscher ist der große Star der Mannschaft, er hält nach seinem Moskau-Erfolg bei 18 Weltcupsiegen, allein in dieser Saison hat er bereits sechs Rennen für sich entschieden. Damit stehen die Chancen günstig, die kleine Kristallkugel zu erobern – und im Gesamtweltcup weiter Druck auf die Konkurrenz (Aksel Lund Svindal) auszuüben. Die Verteidigung der großen Kugel scheint jedenfalls keine Illusion zu sein.

Speed aufnehmen

Der 23-jährige Salzburger strotzt nur so vor Selbstvertrauen, er will sich bei der Weltmeisterschaft in Schladming aber nicht nur mit einem Start im Riesentorlauf und im Slalom zufriedengeben. Im Teambewerb will er auch dabei sein, weil Hirscher der Meinung ist, dass nur die Besten diesen Bewerb bestreiten sollten. Nun zieht der klein gewachsene Ausnahmekönner auch eine Teilnahme an der Super-Kombination in Erwägung. In Schladming stehen drei Abfahrtstrainingsläufe auf dem Programm, Hirscher müsste sozusagen drei Tage Technikperfektion opfern. Dies gilt es jetzt zu diskutieren und auf Machbarkeit zu prüfen. Eine Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet.

Der Hirscher-Express wird jedenfalls schon am Montag in Schladming einrauschen, vorerst aber nur, um einen Sponsortermin wahrzunehmen. Das gelbe Gibelkreuz ist auch im Ennstal stark vertreten. Einen Tag später würde dann auf den Salzburger das erste Abfahrtstraining warten. Beim Weltcupfinale im vergangenen März hat Hirscher mit einer sensationellen Leistung im Super-G verblüfft. Das werden auch die Trainer im Hinterkopf haben.

Herren-Super-G: Drei aus Sieben

Los geht es bei der WM am Dienstag mit dem Damen-Super-G. Görgl und Fenninger sind fix, um die drei weiteren Startplätze kämpfen Nicole Schmidhofer, Regina Sterz, Andrea Fischbacher und Stefanie Köhle.
Bei den Herren ist die Situation noch pikanter. Matthias Mayer hat sein Ticket, der Rest ist offen. Beim Training auf der Turracher Höhe (bis Freitag) soll eine Vorentscheidung fallen. Sieben Mann kämpfen um drei Plätze.

Österreichs WM-Aufgebot
Damen (13/inklusive drei Titelverteidigerinnen): Anna Fenninger, Elisabeth Görgl, Marlies Schild (alle drei sind Titelverteidigerinnen), Andrea Fischbacher, Nicole Hosp, Michaela Kirchgasser, Stefanie Köhle, Stefanie Moser, Bernadette Schild, Nicole Schmidhofer, Regina Sterz, Carmen Thalmann, Kathrin Zettel.
Herren (14/kein Titelverteidiger von der WM 2011): Romed Baumann, Max Franz, Marcel Hirscher, Klaus Kröll, Marcel Mathis, Mario Matt, Matthias Mayer, Manfred Pranger, Joachim Puchner, Benjamin Raich, Hannes Reichelt, Florian Scheiber, Philipp Schörghofer, Georg Streitberger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2013)

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9 Kommentare
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altes problem aber mit umgekehrten vorzeichen

früher war beim ösv immer das problem, dass bei großereignissen nicht alle topläufer fahren können. nun, nur einige jahre später, ist das problem, dass es nicht mal in jeder disziplin 4 potentielle podiumsfahrer gibt.
ich finde, dass das ein versäumniss vom ösv ist, da Mann sich zulange auf maier, eberharter, raich, walchhofer usw verlassen hat, anstatt junge läufer zu fokussiere.

genau die die

nichts reißen werden, Marlies Schild und Beni Raich.
Protektionskinder!!!

Re: genau die die

Marlies Schild ist(war vor ihrer knieoperation) die mit abstand beste slalomläuferin der Welt!!
Sie ist zwar verletzt aber auf jedenfall kein Sorgenkind!!
Das ist jedenfalls meine Meinung

Re: genau die die

Schild hat als Titelverteidigerin einen Fixplatz und belastet damit weder das Slalom noch das Gesamtkontingent.
Damit kann ihnen das genau egal sein - aber Hauptsache Aufregen...

Re: Re: genau die die

Steht Marlies mit Gipsfuß am Start oder nur bandagiert? Wenn Raich dabei ist warum nicht Franz Klammer, der hat ja auch sehr viel gewonnen. Wenn die Zeit vorbei ist sollte man aufhören und die Jungen ran lassen, nicht als Verlierer und geschlagen abdanken.
Ist so wie Sesselkeben...

warum sollte herbst in schladming dabei sein?

mit der leistung in dieser saison?

Warum nicht die ersten 30 der Weltrangliste?

Wenn es um eine "Weltmeisterschaft" geht, wäre es doch logisch, wenn die besten der Welt antreten dürften. Gerade bei Einzelsportarten ist dieses System mit 2, 3, oder 4 Vertretern pro Nation eigentlich sehr unfair.

Re: Warum nicht die ersten 30 der Weltrangliste?

das würde nichts daran ändern, dass er den anderen lediglich die jause nachbringen würde

Re: Re: Warum nicht die ersten 30 der Weltrangliste?

Mir gehts nicht um den Herbst. Aber es erwischt immer wieder Spitzenleute, egal ob beim Schifahren oder in der Leichtathletik - gut, dort sind keine Österreicher betroffen, aber sportlich unfair ist es trotzdem.

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