Ski-WM: Svindal fährt zu Abfahrts-Gold, Kröll Vierter

Der Norweger Aksel Lund Svindal holte sich nach 2007 zum zweiten Mal den WM-Titel in der Abfahrt und ließ Österreich erstummen. Klaus Kröll wurde als bester ÖSV-Läufer Vierter.

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Aksel Lund Svindal – EPA/HERBERT NEUBAUER

Er wusste sofort, was es geschlagen hatte. Selten zuvor hat man Aksel Lund Svindal so emotional erlebt wie im Zielraum von Schladming. Der Norweger ballte zuerst die Faust, dann reckte er seinen Arm in die Höhe, streckte den Zeigefinger in Richtung Himmel. Der 30-Jährige hatte auf der WM-Strecke der Planai eine fantastische Fahrt erwischt, dieses Gefühl war auch nicht trügerisch. „Ich habe gewusst, besser kann ich es nicht machen“, sagte er später. „Und darum war ich auch stolz auf mich und meine Leistung.“

Eine Leistung, an die kein anderer mehr herankommen sollte. Damit kürte sich Svindal, der Dominator der schnellen Bewerbe in diesem Winter, zum zweiten Mal nach 2007 in Aare zum Abfahrts-Weltmeister. Das hat vor ihm nur Bernhard Russi geschafft.

Svindal ist längst in die Fußstapfen seiner großen Vorbilder wie Kjetil Andre Aamodt oder Lasse Kjus gestiegen. Er hat es bis jetzt auf elf Medaillen bei Großereignissen gebracht, drei bei Olympia, acht bei Weltmeisterschaften. Er war Gesamtweltcupsieger und hält bei 20 Weltcuperfolgen. Damit zählt er längst zum Kreis der absoluten Alpin-Elite. Den Aamodt-Rekord von 20 Medaillen, wird er aber wohl nicht mehr erreichen.

Mit Radetzkymarsch. 30.000 Fans waren zur Planai gekommen, verwandelten das Zielstadion in einen Hexenkessel. Immer wieder wurde der Radetzkymarsch angestimmt, dazu die Fahnen im Rhythmus geschwenkt. Aber am Ende verstummte Österreich. Es reicht eben nicht aus, zeitweise in Innsbruck zu leben und einen österreichischen Sponsor zu haben, um aus Aksel Lund Svindal einen halben ÖSV-Läufer zu machen. Flügel verleiht sich der mit Julia Mancuso liierte Speedpilot selbst. „So eine Stimmung wie hier“, lobte der Norweger, „erlebt man als Rennläufer selten. Und dann noch Bestzeit zu haben, ist einfach großartig.“

Österreichs Skifahrer hingegen verstummten. Sie waren auch nicht von Fortuna gesegnet. Max Franz hatte sich beim frühmorgendlichen Training (Stichwort Terminchaos) leicht am Knie verletzt, er verließ die Planai als 23. – und humpelnd. Er war chancenlos. Hannes Reichelt konnte nur dank einer artistischen Einlage einen Sturz verhindern. Alles hatte mit einer leichten Kollision mit einem Tor begonnen, es folgte ein missglückter Sprung und der Ausfall. „Ich bin heute froh, dass ich gesund herunten bin“, sagte der Radstädter. „Es war wie auf einer Sprungschanze. Ich habe die Wellen nicht gesehen, aber vielleicht muss ich auch zum Augenarzt. Es ist halt so, dass es ein paar Mal klappt, ein paar Mal nicht.“ Unterm Strich blieb eine wertlose Trainingsbestzeit. Und ein vierter Platz im Super G.

Der »Bulle von Öblarn«. Österreich verstummte. Endgültig, als die letzte Hoffnung geplatzt war. Klaus Kröll, der unweit der Planai in Öblarn daheim ist, landete auf dem undankbaren vierten Platz. 0,38 Sekunden fehlten zu seiner ersten WM-Medaille, für die erste der Herrenmannschaft. „Als ich im Ziel abgeschwungen habe“, gab der „Bulle von Öblarn“ aber zu, „habe ich geglaubt, ich bin von den Besten noch weiter weg.“ Der Steirer hat keinen flüssigen Lauf erwischt, die Sicht sei schlecht gewesen, die Unebenheiten unerhört tückisch. „Und dann habe ich gleich die erste Kurve verhaut, das wollte ich aufholen. Letztlich habe ich das unterschätzt, weil mir die Kraft ausgegangen ist. Ich hatte nicht mehr genug Power, um zu attackieren. Da musste ich richtig Milch geben. Ich konnte mich nur mehr ins Ziel durchschwindeln.“ Dass er zu Wochenbeginn von einer Erkältung gepackt worden war, wollte Kröll nicht als Ausrede gelten lassen. Eher sei es der verkürzten Vorbereitungszeit im Sommer aus Verletzungsgründen geschuldet.
Mathias Mayer hatte nach einem schweren Fahrfehler auch nichts mit der Entscheidung zu tun. „Ich wollte zu viel, habe Gas gegeben, aber der Schnee blieb auf der Brille picken. Man muss sagen, hier konnte nur der Härteste gewinnen.“

Wieder keine Medaille. Der Härteste war Aksel Lund Svindal. Und Österreich verstummte. Wobei der Norweger in Österreich große Sympathien genießt. Fünf Weltmeister-Titel hat er bereits errungen. „Ich glaube es werden mir alle zustimmen, dass wir hier die schwierigste Abfahrt seit langem erlebt haben. Es ist mir gelungen, um jede Hundertstel zu kämpfen. Als im Ziel war, war ich richtig fertig. Fertig und leer. Vor allem auch im Kopf. Dieses Rennen hat auch mir alles abverlangt.“ Und dann gestand er: „Nach dem Super G habe ich mich noch ein bisschen geärgert, dass es nur Bronze geworden ist. Und meinen Mannschaftskollegen Jansrud haben wir an diesem Tag auch verloren. Ich war also top motiviert.“ Österreich verstummte. Dafür feierte Südtirol Dominik Paris, Sieger in Bormio und in Kitzbühel, nun in Schladming mit Silber geschmückt. „Oben bin ich gemütlich gefahren, um Kraft für unten zu sparen. Ich war locker, konnte den Zug halten. Silber ist schon unglaublich.“ Auch Frankreich jubelte, David Poisson gewann Bronze. Nur Österreich hat keinen Grund zur Freude. Das Warten auf die erste Abfahrtsmedaille seit 2007 geht weiter.

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