Ski-WM: Svindal fährt zu Abfahrts-Gold, Kröll Vierter

09.02.2013 | 12:17 |  von WOLFGANG WIEDERSTEIN (Schladming) (Die Presse)

Der Norweger Aksel Lund Svindal holte sich nach 2007 zum zweiten Mal den WM-Titel in der Abfahrt und ließ Österreich erstummen. Klaus Kröll wurde als bester ÖSV-Läufer Vierter.

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Er wusste sofort, was es geschlagen hatte. Selten zuvor hat man Aksel Lund Svindal so emotional erlebt wie im Zielraum von Schladming. Der Norweger ballte zuerst die Faust, dann reckte er seinen Arm in die Höhe, streckte den Zeigefinger in Richtung Himmel. Der 30-Jährige hatte auf der WM-Strecke der Planai eine fantastische Fahrt erwischt, dieses Gefühl war auch nicht trügerisch. „Ich habe gewusst, besser kann ich es nicht machen“, sagte er später. „Und darum war ich auch stolz auf mich und meine Leistung.“

Eine Leistung, an die kein anderer mehr herankommen sollte. Damit kürte sich Svindal, der Dominator der schnellen Bewerbe in diesem Winter, zum zweiten Mal nach 2007 in Aare zum Abfahrts-Weltmeister. Das hat vor ihm nur Bernhard Russi geschafft.

Svindal ist längst in die Fußstapfen seiner großen Vorbilder wie Kjetil Andre Aamodt oder Lasse Kjus gestiegen. Er hat es bis jetzt auf elf Medaillen bei Großereignissen gebracht, drei bei Olympia, acht bei Weltmeisterschaften. Er war Gesamtweltcupsieger und hält bei 20 Weltcuperfolgen. Damit zählt er längst zum Kreis der absoluten Alpin-Elite. Den Aamodt-Rekord von 20 Medaillen, wird er aber wohl nicht mehr erreichen.

Mit Radetzkymarsch. 30.000 Fans waren zur Planai gekommen, verwandelten das Zielstadion in einen Hexenkessel. Immer wieder wurde der Radetzkymarsch angestimmt, dazu die Fahnen im Rhythmus geschwenkt. Aber am Ende verstummte Österreich. Es reicht eben nicht aus, zeitweise in Innsbruck zu leben und einen österreichischen Sponsor zu haben, um aus Aksel Lund Svindal einen halben ÖSV-Läufer zu machen. Flügel verleiht sich der mit Julia Mancuso liierte Speedpilot selbst. „So eine Stimmung wie hier“, lobte der Norweger, „erlebt man als Rennläufer selten. Und dann noch Bestzeit zu haben, ist einfach großartig.“

Österreichs Skifahrer hingegen verstummten. Sie waren auch nicht von Fortuna gesegnet. Max Franz hatte sich beim frühmorgendlichen Training (Stichwort Terminchaos) leicht am Knie verletzt, er verließ die Planai als 23. – und humpelnd. Er war chancenlos. Hannes Reichelt konnte nur dank einer artistischen Einlage einen Sturz verhindern. Alles hatte mit einer leichten Kollision mit einem Tor begonnen, es folgte ein missglückter Sprung und der Ausfall. „Ich bin heute froh, dass ich gesund herunten bin“, sagte der Radstädter. „Es war wie auf einer Sprungschanze. Ich habe die Wellen nicht gesehen, aber vielleicht muss ich auch zum Augenarzt. Es ist halt so, dass es ein paar Mal klappt, ein paar Mal nicht.“ Unterm Strich blieb eine wertlose Trainingsbestzeit. Und ein vierter Platz im Super G.

Der »Bulle von Öblarn«. Österreich verstummte. Endgültig, als die letzte Hoffnung geplatzt war. Klaus Kröll, der unweit der Planai in Öblarn daheim ist, landete auf dem undankbaren vierten Platz. 0,38 Sekunden fehlten zu seiner ersten WM-Medaille, für die erste der Herrenmannschaft. „Als ich im Ziel abgeschwungen habe“, gab der „Bulle von Öblarn“ aber zu, „habe ich geglaubt, ich bin von den Besten noch weiter weg.“ Der Steirer hat keinen flüssigen Lauf erwischt, die Sicht sei schlecht gewesen, die Unebenheiten unerhört tückisch. „Und dann habe ich gleich die erste Kurve verhaut, das wollte ich aufholen. Letztlich habe ich das unterschätzt, weil mir die Kraft ausgegangen ist. Ich hatte nicht mehr genug Power, um zu attackieren. Da musste ich richtig Milch geben. Ich konnte mich nur mehr ins Ziel durchschwindeln.“ Dass er zu Wochenbeginn von einer Erkältung gepackt worden war, wollte Kröll nicht als Ausrede gelten lassen. Eher sei es der verkürzten Vorbereitungszeit im Sommer aus Verletzungsgründen geschuldet.
Mathias Mayer hatte nach einem schweren Fahrfehler auch nichts mit der Entscheidung zu tun. „Ich wollte zu viel, habe Gas gegeben, aber der Schnee blieb auf der Brille picken. Man muss sagen, hier konnte nur der Härteste gewinnen.“

Wieder keine Medaille. Der Härteste war Aksel Lund Svindal. Und Österreich verstummte. Wobei der Norweger in Österreich große Sympathien genießt. Fünf Weltmeister-Titel hat er bereits errungen. „Ich glaube es werden mir alle zustimmen, dass wir hier die schwierigste Abfahrt seit langem erlebt haben. Es ist mir gelungen, um jede Hundertstel zu kämpfen. Als im Ziel war, war ich richtig fertig. Fertig und leer. Vor allem auch im Kopf. Dieses Rennen hat auch mir alles abverlangt.“ Und dann gestand er: „Nach dem Super G habe ich mich noch ein bisschen geärgert, dass es nur Bronze geworden ist. Und meinen Mannschaftskollegen Jansrud haben wir an diesem Tag auch verloren. Ich war also top motiviert.“ Österreich verstummte. Dafür feierte Südtirol Dominik Paris, Sieger in Bormio und in Kitzbühel, nun in Schladming mit Silber geschmückt. „Oben bin ich gemütlich gefahren, um Kraft für unten zu sparen. Ich war locker, konnte den Zug halten. Silber ist schon unglaublich.“ Auch Frankreich jubelte, David Poisson gewann Bronze. Nur Österreich hat keinen Grund zur Freude. Das Warten auf die erste Abfahrtsmedaille seit 2007 geht weiter.

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61 Kommentare
 
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Kröll:-(

Dem "Bullen von Öblarn" ist lt. eigener Aussage die Kraft ausgegangen - vielleicht hat dieser Umstand auch mit seiner unprfessionellen Art zu tun. Im Frühling Risikosportarten betreiben und sich verletzen dann kein Schneetraining im Sommer und beim Saisonhöhepunkt zu sagen, ihm sei die Kraft ausgegangen ist wohl nur noch lächerlich.

die unfähigen Österreicher können heimfahren

selten so eine schwache Leistung der unsrigen gesehen.
eine Schande was die zeigen,,,

Der Club der alten Männer...

Wird Zeit, dass im ÖSV mal ein frisches Lüfterl weht.
Der Benni sollte den Schröcksnadel ablösen.


Staatstrauer

Bekommen wir jetzt Staatstrauer verordnet?

In jeder Generation

Man kann halt nicht in jeder Skifahrergeneration Leute wie einen Maier, Eberharter oder Walchhofer haben.Ausserdem sind die Läufer andererNationen ja auch keine Vollidioten.
Es ist aber ohnehin nur Sport.

Ich hoffe man stellt sich einmal die Frage,

was Leute wie Pum oder Berthold noch im ÖSV zu suchen haben - aus einer Spitzentruppe sind lauter gute, aber eben nicht sehr gute Punktefahrer geworden, die im entscheidenden Augenblick versagen. Ich denke, es ist kein Zufall, dass sich der derzeit beste ÖSV-Fahrer nicht der Trainerriege des ÖSV anvertraut!

Pum zehrt wohl noch von früheren Erfolgen, aber die Bilanz von Berthold sieht gar nicht gut aus.

Zeitenwende

Junge Fahrer wie Franz oder Mayer, dazu gute, aber nicht absolute Spitzenfahrer wie Reichelt, Baumann oder Streitberger und zuguterletzt der über dem Karrierezenit befindliche Kröll bringen es mit sich,daß Österreich in den Speeddisziplinen der Herren leer ausgeht.
Bis die neue Generation die Leistungsdichte der Gruppe Eberharter-Maier-Walchhofer ua. erringt ,werden noch einige Rennen vergehen müssen.

Zu viel heiße Luft

um unser Team. In keinem anderem Land wird so viel herumgeredet wie bei uns. Die ORF TV Moderatoren überbieten sich förmlich mit unerheblichen Geschwätz, ganz zu schweigen vom Co- Kommentator Assinger , der einem förmlich dazu zwingt den Ton am TV Gerät auf lautlos zu stellen. Der ÖSV Zampano gibt auch so viel unnötiges von sich dass es fast peinlich wirkt. Unsere Abfahrer versuchen zwar ihr Bestes zu geben dabei bleibt aber letztlich. Wir sind unter allen Anderen die wichtigtuerischte Skination, aber schon lange nicht mehr die Nr.1. dafür sind eben nun andere zuständig.

Re: Zu viel heiße Luft

da kann ich ihnen nur beipflichten. die Leistung der Österreicher einschließlich der Kommentatoren ist eine schande

armes Österreich

nach den Fußballpleiten nun auch bald auf der Piste no names
möglich das man sich immer wieder mal etwas zu wichtig nimmt und mit völlig überzogener Erwartungshaltung agiert

ösv

ösv brigarde wie pum und schröcksnadel, behängt voller sponsoren und werbetechnischen wunderdingen samt trainer und co trainer und technischen direktor, sowie sätliche experten als kommentatoren ...ein aufgbelähter, unnötiger haufen die schon endls im dienste stehen, ordentlch abcashen vn den sponsoren und uf leistung vergessen haben...unsere skifahrer tun mir leid, die riskieren täglich ihre gesundheit

Abgesehen vom Ergebnis,

War das wieder mal ein Rennen, welches sich gelohnt hat anzusehen.
Eine schwere Abfahrt, die zum Glück weniger synthetisch ist, wo es wirklich zur Sache geht...und der beste Mann hat gewonnen.

Schladming wird wohl

zu einer mittelmäßigen oder sogar darunterliegenden WM werden. Aber vorher das Maul groß aufreißen unsere "mittelmäßigen" Funktionäre (Schröcksnadel, ...). Bin schon gespannt, wie die Schladminger aus diesem Rausch aufwachen werden!

Re: Schladming wird wohl

es gibt halt nicht nur gröpaze in der österr. Fliegerei sondern auch beim Skifahren.

Achtung, Achtung, Achtung, liebe Wiener...

...wenn ihr auf die Idee kommen solltet nach Schladming zu reisen um euch ein paar Wettbewerbe anzusehen, dann muss ich euch leider mitteilen, dass eine Atemschutzmaske angebracht wäre, da unser Skiteam vom Markus Rogan-Virus befallen wurde. Sprich: Zu intelligent, um zu siegen.

Re: Achtung, Achtung, Achtung, liebe Wiener...

sie tun mir leid.
Die typische Zuchtburgäusserung.


ÖSV

Wieder einmal hat der ÖSV in "unserer" Königsdisziplin eine Blamage erreicht, trotz teuerster Organsiation der Ski-Welt. Super Betreuer, die einen Tag vor dem entscheidenden Renner Quali fahren lassen, was schon früher voll in der Hose ging. Wenn Trainer bisher nicht wissen, wem sie vertrauen sollen, dann sind sie unfähig! Verletzung von Franz war Pech. Anders ist es bei Reichelt und Kröll- die Medaillen gewinner wußten wie sie mit Hirn fahren mussten, unsere FAhrer und Betreuer nicht. Wozu holt man Berthold &Co bei diesen Saisonergebnissen. Nur mehr Punktefahrer, keine Siegläufer. Ö. ist wie Vonn richtig sagt, nicht mehr Nr. 1- bei den DAmen Slo, bei den Herren N. Schröcksi hat genug über den ÖSV mit seiner Firma verdient und kann mitsamt den Betreuerstab sich verabschieden. Dazu passt der Nichtsiegläufer Assinger als Kommentator, der allerdings nur bei SPitzenrennen seine trivialen "Flatulenzen" verbreitet

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Re: ÖSV

Sie könnten ja das Team verstärken...

SIEGEN MIT DEMUT - VERLIEREN MIT ERHOBENEM HAUPT

Deswegen ist aus meiner Sicht Mr. Aksel ein mehr als nur würdiger Weltmeister. Der vielleicht derzeit kompletteste und sympathischste Skifahrer hat sich diesen Titel ganz einfach verdient.
Unsere Niederlage (ein 4. Platz ist gar nicht mal so schlecht) war im Prinzip vorhersehbar und nährt meine Befürchtungen, dass wir bei dieser WM - zusammen mit den Schweizern - zu den großen Verlierern gehören werden. Immer gehts halt nicht und deswegen w.o. erwähnt..........
Kopf hoch, Mander!

Re: SIEGEN MIT DEMUT - VERLIEREN MIT ERHOBENEM HAUPT

lieber number4

von den Antworten weiter unten (auf die Sie so gereizt reagieren) war nichteinmal Eine für Sie bestimmt.
Im Gegenteil: Sie werden eh verteidigt (auf die "Linksbündigkeit" der Kommentare achten, dann wissen sie wer worauf antwortet)

in dem Sinne- mein Fav: die Antwort auf "WM" ("...bin schon zu alt, Sie Hirni...")
^^herrlich!

lg
und nichts für Ungut

Re: Re: SIEGEN MIT DEMUT - VERLIEREN MIT ERHOBENEM HAUPT

Stimmt. Alle Repliken waren für mich bestimmt. Aber der User hat köstlich anstatt mir geantwortet. ;-))

Re: SIEGEN MIT DEMUT - VERLIEREN MIT ERHOBENEM HAUPT

" (ein 4. Platz ist gar nicht mal so schlecht)" - Mit dieser Einstellung werden Sie ein Leben lang in Ihrer Mittelmäßigkeit dahinschmoren.

Re: Re: SIEGEN MIT DEMUT - VERLIEREN MIT ERHOBENEM HAUPT

sie sollten lieber schauen, dass ihre Kommentare zumindest mittelmässig werden. Die sind nämlich absolut unterklassig!

Re: Re: Re: SIEGEN MIT DEMUT - VERLIEREN MIT ERHOBENEM HAUPT

Wieder so einer, der wahrscheinlich im richtigen Leben seinen Mund nicht aufbringt.......

Re: Re: SIEGEN MIT DEMUT - VERLIEREN MIT ERHOBENEM HAUPT

und sie sind die personifizierte Anti-Weisheit - aber hauptsache Maul immer schön aufreißen... ist auch einfach, denn als dummer Mensch sind die Gedanken einfach schnell und greifbar zur Stelle, gell? ;)

Re: Re: Re: SIEGEN MIT DEMUT - VERLIEREN MIT ERHOBENEM HAUPT

Wer hier wohl der Depperte ist...? So einen Schmarrn können Sie an Ihrem Stammtisch in irgend einem Kellerloch verzapfen......

 
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