Damenabfahrt: "Was kommt noch?"

09.02.2013 | 18:20 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Der Kreis der Anwärterinnen auf WM-Gold bei der Damenabfahrt ist groß. Läuferinnen und Trainer haben Tina Maze in ihrem Ranking ganz oben.

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Sie hat sich zurückgezogen, genießt das Privatleben, kümmert sich um ihr beiden kleinen Töchter. Aber sie wird immer noch gern als „Speed Queen“ bezeichnet, weil sie eine Vielzahl an Siegen gefeiert und Rekorde aufgestellt hat. Einer davon steht immer noch, weil bislang keine andere die Marke von 198 Top-Ten-Platzierungen geknackt hat. Lange hat sie auch die Bestmarke im Super-G gehalten, bis Lindsey Vonn gekommen ist – und mehr als 17 Siege in dieser Disziplin zustande gebracht hat. Auch was Erfolge an einem Ort betrifft, da hat die bei der WM in Schladming so schwer gestürzte US-Amerikanerin einen neuen Maßstab gesetzt. Vonn hat in Lake Louise die Zahl an Siegesfahrten auf elf geschraubt. Renate Götschl, wie gesagt Österreichs ehemalige „Speed Queen“, ist in Cortina d'Ampezzo zehn Mal auf dem obersten Podest gestanden.

Ein Akt der Nächstenliebe. Lindsey Vonn hat das Karriere-Ende der Obdacherin in Wahrheit beschleunigt, mit der immer weiter wachsenden Stärke des Ausnahmetalents aus Übersee schwand der unbedingte Siegeswille der Österreicherin. Zum Schluss hat es dann nur noch zu einem Podestplatz gereicht. Spätestens da wusste Götschl, dass die Zeit reif war, um dem Weltcupzirkus Adieu zu sagen. Bereut hat sie es nicht. Schon gar nicht, wenn sie beispielsweise Bilder wie vom Sturz von Lindsey Vonn sieht. Die US-Amerikanerin ist übrigens am Freitag via Salzburg in die Heimat nach Vail geflogen. Tiger Woods war so freundlich, seinen Learjet zur Verfügung zu stellen. Offiziell aber läuft da natürlich nichts. Rein gar nichts. Offenbar ein reiner Akt der Nächstenliebe des Golfsuperstars...

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Die Steirerin Renate Götschl war dreimal Weltmeisterin, dazu kommen viermal Silber und zweimal Bronze. Nur zur Olympiasiegerin hat sie es nicht gebracht. Dafür hat es zu 46 Weltcup-Erfolgen in vier verschiedenen Disziplinen gereicht. Sie bildete gemeinsam mit Michaela Dorfmeister und Alexandra Meissnitzer, die heute für den ORF die Rennen kommentiert, die Riege der „Golden Girls“. Wobei Renate Götschl einen ganz eigenen Siegertipp hat. Sie glaubt an die Stärke der Deutschen Maria Höfl-Riesch, die sich die Super-Kombination geschnappt hat.

Läuferinnen und Trainer haben Tina Maze in ihrem Ranking ganz oben, die Slowenin hat bereits Gold und Silber bei dieser Weltmeisterschaft eingesackt, könnte an die heutige Abfahrt relativ gelassen herangehen. Sie schottet sich immer wieder geschickt ab, um die Akkus erneut aufzuladen. Auch den Medienandrang bewältigt die 29-Jährige, weil sie sich dementsprechend rar macht. Am Freitag in den Abendstunden twitterte sie: „Gold und Silber, zwei Rennen, zwei Medaillen! Das ist großartig! Was kommt als Nächstes? Wer weiß? Ist das Leben nicht aufregender, wenn du im Moment und nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft lebst?“

Tina Maze will also mehr, der Rekord von Anja Pärson ist auch noch immer möglich. Aber daran denkt sie nicht – auch wenn sie täglich darauf angesprochen wird. Auch Renate Götschl hält das für durchaus realistisch. Weil sie der Slowenin auch in der Abfahrt Edelmetall zutraut. Allerdings nur Bronze. Die Österreicherinnen spielen in der Gedankenwelt der Steirerin nicht die ganz große Rolle. Mit Ausnahme von Anna Fenninger. Ein Goldtipp ist sie ihrer Meinung nach aber nicht.

Anna Fenninger wird die von ihr gewünschten Abfahrt wohl bekommen: eisig, technisch anspruchsvoll – schlichtweg schwer. „Leichte Pisten kann jeder bezwingen, aber diese Abfahrt wird eine echte Herausforderung.“ Und sie ist froh, dass sie viel Zeit in das Training auf spiegelglatten Strecken investiert hat. „Ich habe mich entwickelt“, sagt die Salzburgerin. „Ich darf das Negative nicht so dramatisch sehen, ich muss das Positive und Gute mitnehmen. Und da war bisher auch sehr viel dabei“, sagt sie. Aber unter dem Strich hat Fenninger bei dieser WM noch kein Ergebnis zu Buche stehen. Im Super-G ist sie an einem Tor vorbeigefahren, in der Super-Kombination ist sie im Slalom ausgeschieden. Zuvor hat die 23-Jährige allerdings eine starke Leistung in der Abfahrt (zeitgleich mit Maze) geliefert.


Zwei Bestzeiten. Zwei Bestzeiten hat auf der Planai Regina Sterz hingeknallt. Für viele überraschend, weil die 27-Jährige als beste Weltcup-Platzierung einen fünften Rang (in Cortina) vorzuweisen hat. Dementsprechend zurückhaltend ist sie mit ihren Aussagen. „Favoriten sind doch ganz andere“, sagt die Tirolerin, die für den Skiklub Erpfendorf Wald fährt. Vor zwei Jahren in Garmisch-Partenkirchen war sie in der WM-Abfahrt 23.

Als Titelverteidigerin steht heute Elisabeth Görgl am Start. Die Steirerin hat ihre goldenen WM-Momente bereits hinter sich, aber zuletzt hat sie wieder aufsteigende Form gezeigt. „Gas geben“, lautet ihre Devise. „Ich will ganz locker reingehen“, sagt sie. „Zu den Favoritinnen gehören die Amerikanerinnen, die Schweizerinnen– und Tina Maze.“

Gut gelaunt bleibt Damen-Cheftrainer Herbert Mandl. „Die Abfahrtsleistung war in der Super-Kombination von allen Mädels sehr gut, Lizz Görgl hat wieder den Anschluss gefunden. Andrea Fischbacher wird unsere fünfte Starterin. Sie hat auch Chancen!“

Mandl war einer der begeisterten Zuhörer auf dem „Medal Place“, wo die Hardrock-Band Nazareth rockte. Die Altstars um Frontmann Dan McCafferty und Bassist Pete Agnew heizten den Besuchern ordentlich ein. Möglich, dass der Hit „Dream on“ heute nach der Abfahrt erneut aktuell ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2013)

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