Schladming: Die Verkündung einer frohen Botschaft

Die Salzburgerin Marlies Schild fühlt sich fit genug, um am Samstag als Titelverteidigerin den WM-Slalom in Angriff zu nehmen. „Für mich ist es ein Geschenk.“

Verkuendung einer frohen Botschaft
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Verkuendung einer frohen Botschaft
c GEPA pictures GEPA pictures Andreas Pranter

[Schladming] Noch vor zwei Wochen hat es nicht allzu gut ausgesehen. Es bedeutete für den Österreichischen Skiverband daher auch kein Risiko, Marlies Schild für die WM in Schladming zu nominieren. Die Salzburgerin ist Titelverteidigerin, sie belastet kein Mannschaftskontingent. Am gestrigen WM-Ruhetag erfolgte dann die Verkündung der frohen Botschaft: Schild, 31, wird am Samstag den WM-Slalom unter die Skier nehmen.

Es grenzt an ein kleines medizinisches Wunder nach den Innenbandriss im rechten Knie, erlitten im schwedischen ?re. Bei einer Pressekonferenz im vergangenen Dezember in Innsbruck hat Österreichs im Weltcup erfolgreichste Slalomläuferin noch erklärt, dass die Saison vorbei sei. Sogar ihr Karriereende war damals nicht ganz ausgeschlossen . . .

Schmerzfrei, ein schönes Gefühl

Als Marlies Schild, die sich in jüngeren Jahren auch auf die Abfahrt getraut hat, 19 war, hatte die Stams-Absolventin schon fünf Eingriffe an den Knien hinter sich. Sie hat offenbar gelernt, mit Verletzungen umzugehen. Schild und Rückschläge, sie sind von Beginn an miteinander verbunden. In Sölden 2008 erlitt sie etwa einen Trümmerbruch von Schien- und Wadenbein. Auch dieses Comeback war irgendwann von Siegen gekrönt.

Nun saß sie also wieder da, die Weltmeisterin. In Dienten am Hochkönig, wo sie in den vergangenen sechs Tagen trainiert hat, wurde die Botschaft, wie schon die Einladung zu diesem Termin vermuten ließ, verkündet. „Ich hatte mit der WM schon abgeschlossen“, sagte die Lebensgefährtin von Benjamin Raich. „Aber in den letzten zwei Wochen hat sich irgendwie herauskristallisiert, dass es sich doch ausgehen könnte. Daher gilt mein Dank allen, die mir geholfen haben – Trainer, Betreuer, Ärzte, Therapeuten.“ Schild verspürt, wenn sie mit ihren Skischuhen in die Bindung steigt, keinerlei Schmerzen, auch beim Fahren nicht. „Ich habe das Gefühl“, sagte sie, „dass ich attackieren kann.“

Das Kniegelenk beschäftige sie nicht. Skifahren mache ihr Spaß, und der Wohlfühlfaktor ist für Rennläufer immer schon entscheidend gewesen. „Ich kann einfach drauflosfahren. Es ist ein Geschenk, dass ich dabei sein kann.“

Testfahrten gegen die Schwester

Über zwei Monate hat Schild keinen Wettkampf bestritten. Wo sie genau steht, kann sie nach eigenen Angaben nicht einordnen. So ganz stimmt es wohl allerdings nicht, sie hat sich bereits mit ihrer Schwester Bernadette sportlich gemessen. Es gibt keine Erwartung“, stellt Schild dennoch klar. „Ich hoffe, ihr freut euch – und die Zuschauer auf der Planai auch.“

Die Situation, in der sich die Titelverteidigerin befindet, ist ungewohnt. „Ich glaube, ich war noch nie so wenig unter Druck wie diesmal.“ Und sie erlebt ein Wechselbad der Gefühle, sie pendelt zwischen Nervosität und Freude. Wobei es sich eher um Aufgeregtheit handelt. Schließlich hat Schild bei Olympia drei Medaillen gewonnen, bei Weltmeisterschaften sieben. Obendrein hat sie 33 Weltcupsiege (Rekord Vreni Schneider 34) zu Buche und daheim vier Kristallpokale für den Gewinn des Slalomweltcups stehen.

„Es ist ein Versuch“

Vor zwei Monaten ist Schild noch auf Krücken gegangen, die Genesung aber erfolgte so rasch, dass sie davon selbst überrascht wurde. „Ich hatte das alles ja schon abgehakt“, unterstrich sie mehrmals. „Ich erwarte gar nichts – es ist ein Versuch.“ Eine Art Selbstversuch. Den wagt sie deshalb, weil sie volles Vertrauen in ihren Körper hat. Das Knie sei stabil, es sei „eine Kopfsache“. Und mental ist Schild eine der stärksten Fahrerinnen.

Die Salzburgerin strahlt Ruhe und Selbstsicherheit aus, sie verkörpert Zufriedenheit. Von dieser Lockerheit kann und will sie nicht nur in Schladming profitieren. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich eine Kämpferin bin.“

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