Ted Ligety: Der Weltmeister der engsten Radien

Der beste Riesentorläufer der Saison sicherte sich auch Gold: Ted Ligety bescherte dem US-Herrenteam die erste Medaille. Silber ging an den routinierten Franzosen Cyprien Richard.

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(c) AP (Matthias Schrader)

Garmisch-partenkirchen. Er war in dieser Saison bislang die dominierende Erscheinung im Riesentorlauf, er führt die Disziplinenwertung im Weltcup an, war folglich einer der Topfavoriten für die Medaillenentscheidung am Freitag. Unglaubliche drei Siege in Serie hat er vor Weihnachten geschafft, nach dem Hattrick aber war sie auf einmal weg, diese absolute Bestform. Aber im entscheidenden Moment, da war sie wieder da. Ted Ligety setzte im entscheidenden zweiten Lauf alles auf eine Karte, und sein Angriffsgeist wurde belohnt. Der 26-Jährige schaffte dank goldrichtiger Dosierung den Sprung von Rang vier auf Platz eins, damit tritt er das Erbe des Schweizers Carlo Janka an und holte damit das erste Edelmetall für das US-Herrenteam in Garmisch-Partenkirchen.

Gegen Ligety war kein Kraut gewachsen, weil der Kombinations-Olympiasieger die schwierigen Verhältnisse auf der Kandahar-Piste wie kein anderer meisterte. Nicht nur den „Freien Fall“ bezwang er mit einer Furchtlosigkeit, sondern er beschleunigte als Meister der engeren Radien auch im flacheren Teilstück wie ein Weltmeister. Vor zwei Jahren in Val d'Isère hat sich der Techniker noch mit Bronze begnügen müssen, jetzt hat er sich zum neuen Riesentorlauf-Champion gekrönt. „Vielleicht“, meinte er lächelnd, „ist es besser, wenn man nicht in Führung liegt – dann kann man lockerer an die Sache herangehen. Diese Einstellung hat mich heute zum Sieger gemacht.“

Um nur acht Hundertstelsekunden musste sich der Franzose Cyprien Richard geschlagen geben. Der 32-Jährige, der mit der Mannschaft Gold im Teambewerb geholt hatte, wollte nicht noch einmal leer ausgehen. „Ich war schon einmal Vierter, darum hatte ich so Sehnsucht nach dem Podest!“ Über den so geringen Rückstand wollte er zunächst nicht nachdenken, „die Freude über Silber überwiegt“.

Zum großen Verlierer des Rennens wurde der Norweger Aksel Lund Svindal. Der Halbzeitführende kämpfte im zweiten Lauf zu verkrampft und fehlerhaft, verspielte seinen ganzen Vorsprung und wurde haarscharf nur Vierter. Zur Freude des Österreichers Philipp Schörghofer (0,43 zurück), der sich damit doch noch über Bronze freuen durfte.

Herren-RTL Garmisch

1.Ted LigetyUSA2:10,56
2.Cyprien RichardFRA+ 0,08

3.Philipp SchörghoferAUT+ 0,43
4.Aksel Lund SvindalNOR+ 0,49
5.Kjetil JansrudNOR+ 0,73
6.Thomas FanaraFRA+ 0,76

7.Carlo JankaSUI+ 0,92
8.Didier CucheSUI+ 0,93
9.Gauthier De TessieresFRA+ 0,94
10.Marcus SandellFIN+ 1,10
11.Romed BaumannAUT+ 1,21
12.Bode MillerUSA+ 1,27
13.Ivica KostelićKRO+ 1,34
Justin MurisierSUI+ 1,34

15.Fritz Dopfer GER+ 1,41

Weiters: 22. Sieber 2,06 23. Görgl (AUT) 2,09.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2011)

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