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Und einer flog über das Stadion

09.09.2012 | 18:17 |  JOHANN SKOCEK (Die Presse)

Die WM-Qualifikation 2014 beginnt mit dem Spiel gegen Deutschland. Da trifft es sich gut, dass sich Frank Stronach mit Politik und ÖBB beschäftigt und nicht mehr mit dem Fußball.

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Der Legende zufolge flog Frank Stronach eines Nachts im Jahr 1998 über das hell erleuchtete Wiener Stadion, in dem Österreichs Fußballnationalmannschaft einer Niederlage entgegenschlenderte: 0:3 gegen USA. Der damalige Präsident der Wiener Austria, Rudolf Streicher, neigte sich zu Stronachs Ohr und flüsterte: „Das alles kann dir gehören.“ Streicher meinte das Stadion, das Spiel, und die Herzen der Menschen, die dort unten mit ihren ballesternden Landsleuten litten. Streicher hatte dort oben im Flugzeug womöglich einen kleinen Hintergedanken, als er Stronach auf den Gedanken brachte, die von ÖFB und Nationalmannschaft im Stich gelassene Sehnsucht aufzusammeln. Der tüchtige Sozialdemokrat Streicher hatte die Austria als Präsident an den Rand der Insolvenz gemanagt und suchte eine Geldquelle, denn es drohte der Verlust der Lizenz. Stronach schloss schließlich mit der Wiener Austria einen Betriebsführungsvertrag um rund 25 Millionen Schilling (1,8 Mio Euro) pro Jahr. Viele Manager, Trainer und Spieler erhielten erhebliche Gehälter, Stronach jede Menge Spott. Schlussendlich verführte er die Präsidenten der Bundesligaklubs mit je zehn Millionen Schilling (750.000 Euro pro Verein), ihn zum Präsidenten zu wählen. Die Farce war komplett.

13 Jahre später wiederholt sie sich als Farce. „Das alles kann dir gehören“, murmelte Michael Spindelegger in Stronachs Ohr. Er meinte die ÖBB. Der inzwischen pensionierte und mehr denn je nach Anerkennung lechzende Milliardär fliegt in diesem Augenblick über die von Steuermitteln hell erleuchtete Parteienlandschaft und sieht die Sehnsüchte von viel mehr Menschen brachliegen, als damals im Stadion saßen. Mit dem Investment in den Fußball wollte sich Stronach beliebt machen. Jetzt verspricht er die ÖBB zu sanieren und dafür will er von den Wählern bei der Nationalratswahl mit vielen Sitzen im Parlament belohnt werden. Bei Stronach geht es stets um den Verkehr. Der erste Frank-Flüsterer Streicher war von 1986 bis 1992 Verkehrsminister und für die Bahn zuständig. Anschließend managte er die Steyr-Daimler-Puch-AG, die auch mit Fahrzeugen zu tun hat, bis Stronach sie ihm unter dem Hintern wegkaufte.

Wenn man eine Bilanz unter Stronachs Tätigkeit als Präsident der Bundesliga und der Austria zieht, kann man der Bahn nur wünschen, dass Franks Kelch an ihr vorüber gehe. Stronachs wichtigstes Managementinstrument, die endlose Infusion von Euroscheinen, wird bei der Bahn zu wenig sein. Die andere wichtige Maßnahme, Hire & Fire von ungeeigneten Managern, dürfte funktionieren.

Der ÖFB ist inzwischen fein heraußen. Zwei Jahre nach dem von Stronach vor zehn Jahren in Aussicht gestellten WM-Titel beginnt Österreichs Team am Dienstag im hell erleuchteten Happel-Stadion eine neue WM-Qualifikation. Die Endrunde in Rio 2014 winkt und außer Deutschland ist kein ernst zu nehmender Gegner in der Gruppe der Österreicher. Kasachstan und die Färöer sind für Männer wie Ivanschitz und Arnautović Jausengegner. Schweden und Irland arbeiteten zwar bei der Euro-Endrunde 2012, gewannen aber insgesamt nur ein Spiel. Bereits während der Euro verbreitete sich die Ansicht in Österreich, die beiden Quali-Kontrahenten seien, Ibrahimovic hin, Irlands Trainer Trapattoni her, zwei gemähte Wiesen. Das wird im hell erleuchteten Stadion zu beweisen sein. Was außerdem für den ÖFB spricht, ist Stronachs totales Desinteresse an ihm. Die ÖBB müssen halt womöglich dafür bluten. Für einen Sieg über Deutschland würden sich die Pendler sogar eine Erhöhung des Monatszugs-Abos gefallen lassen.

Und während der Quali sollte das Bundesheer eine Flugverbotszone über dem hell erleuchteten Wiener Stadion einrichten. Sicher ist sicher.

 

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2012)

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