Ein klein wenig Honig, umso mehr Salz

US-Siege schmerzen den ÖSV-Präsidenten besonders. Dafür lobt Ivica Kostelić die WM in Schladming über den grünen Klee.

Vor einem Jahr war Ivica Kostelić fast das Feindbild der Österreicher. Er hat es gewagt, Marcel Hirscher als Betrüger zu sehen, als üblen Einfädler und unfairen Sportsmann. Danach wurde offiziell versöhnt, Hände wurden geschüttelt. Nun, zwölf Monate später, schmierte er den Österreichern Honig ums Maul. Die Lobeshymnen waren Musik in den Ohren von Peter Schröcksnadel. „Für mich ist das die schönste Weltmeisterschaft. Tolle Pisten, Tradition, eine anspruchsvolle Abfahrt, ganz tolle Fans, irrsinnige Stimmung. Man merkt eben, dass wir in einem echten Alpinland sind.“

Der routinierte Kroate, der bei Weltmeisterschaften nun den kompletten Medaillensatz gewonnen hat, freute sich über Silber in der Super-Kombination wie ein kleines Kind. „Weil jeder weiß, wie ich über Kombinationen denke. Hier geht es um den kompletten Skifahrer. Es wäre schade, wenn man diese Tradition auslöscht.“

Der Slalomweltmeister von 2003, der es bisher auf 25 Weltcupsiege gebracht hat, wurde auch fast wehmütig. „Es ist mir eine besondere Ehre, hier sein zu dürfen. Ich war schon 1997 in Schladming. Ein besonderer Ort. Hier habe ich meine erste WM bestritten – die Junioren-WM. Und meine erste Medaille gewonnen.“ Es war Bronze – in der Kombination.

Ivica Kostelić lässt sich nicht herumreichen, der US-Amerikaner Ted Ligety hingegen feierte seine zweite Goldmedaille im Tirol-Berg, wo sich Vail und Beaver Creek als Veranstalter der WM 2015 präsentierten. Wenn Marcel Hirscher meint, das US-Team habe die Österreicher abgehängt, wird sein Präsident wohl widersprechen. Peter Schröcksnadel ist das US-Ski-Team („Wie Österreich II – unser Geld, unsere Trainer“) schon länger ein Dorn im Auge. Nicht verwunderlich, wenn man nicht verlieren kann. Aber das wird schon noch. Alles reine Gewöhnungssache.

 

E-Mails an: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2013)

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