Sportförderung? Abschaffen!

18.03.2012 | 18:35 |  JOHANN SKOCEK (Die Presse)

Das Sparpaket ist die letzte Chance, den Subventionsdschungel in Österreichs Sportbürokratie zu beenden. Eine zentrale Förderstelle für Bundesmittel muss eingerichtet werden.

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Im Sportausschuss des Parlaments legen sie das Fundament für die Hirschers, Jukics, Rogans, Schlagers und wie die nationalen Sportheroen alle heißen. Und keine Sau kümmert sich darum. Vergangene Woche wollten die BZÖ-Abgeordneten Peter Westenthaler und Stefan Markowitz wissen, wann die Szene mit der von Sportminister Norbert Darabos vor mehr als zweieinhalb Jahren angekündigten Reform der Sportförderung rechnen könne. In vier Wochen kommt ein Entwurf, kündigte Darabos an. Dann wurde der Antrag der BZÖler vertagt.

Der Sportsprecher der Grünen, Dieter Brosz, hat im Juni 2009 beantragt, die Auszahlung von Bundesmitteln auszusetzen, sollten sich geförderte Institutionen einer unabhängigen Kontrolle verweigern. Die Maßnahme erscheint nicht nur als Konsequenz diverser Skandale im ÖOC als notwendig. Dem alten ÖOC-Regime Heinz Jungwirth/Leo Wallner werden diverse Malversationen vorgeworfen, die in Jungwirths Fall mittlerweile zu einer Anklage wegen Untreue geführt haben. Wallner richtete ein Verrechnungskonto im ÖOC ein, das neben der offiziellen Buchhaltung des Vereins geführt wurde und unter anderem zur Bezahlung eines Urlaubs des weißrussischen Menschenschinders Alexander Lukaschenko diente. Die Geldmittel kamen von interessierten Geschäftsleuten.

Die Prüfungen im Ressort Darabos haben dazu geführt, dass sich das ÖOC unter Wallners Nachfolger, Casinos-Generaldirektor Karl Stoss, mit einer Rückzahlungsforderung der Behörde von rund 320.000 Euro konfrontiert sieht. Der Verdacht besteht, dass das ÖOC (geraume Zeit nach Jungwirths Abgang) versucht haben soll, Belege von den Olympischen Spielen 2008 in Peking dem Staat doppelt zu verrechnen. Ob aus Schlamperei oder Berechnung, wird untersucht.
Die Abgeordneten im Sportausschuss entsprachen ihrer Sorgfaltspflicht für die Verwendung von Steuermitteln und vertagten Brosz‘ Antrag. So funktioniert eben das allseits beliebte System: Parlamentarier sind zugleich auch Vertreter der Partei-Interessen und der Verbände. Sie verlangen Reform und verteidigen in der nächsten Sekunde die Begehrlichkeiten ihrer Klientel. Ausschussmitglied Peter Wittmann (SP) ist Präsident des zentralen Sportverbandes Österreichs, der Bundessportorganisation und Präsident des BSO-Mitglieds Askö (SPÖ). Sein Kollege Peter Haubner (VP) präsidiert die Sportunion, den schwarzen Spiegel des roten Askö, und ist Generalsekretär des Wirtschaftsbundes, in dem die großen Sponsoren ihre Anliegen bündeln. Zu den offiziellen Sportpolitikern kommen ja noch offiziöse Sportmachthaber wie Stoss (ÖOC, Casinos), Peter Schröcksnadel (ÖSV, Partner von ORF, „Krone“, Raiffeisen) oder Paul Schauer (Schwimmverband, Werbeagentur Omni-Media im Dunstkreis der Stadt Wien).

Der Rechnungshof hat mehrmals und zuletzt auch im Jänner 2012 dezent auf die fehlende Kontrolle der österreichischen Sportförderung aufmerksam gemacht, auch in den Dachverbänden Askö und Sportunion. Das über Jahrzehnte perfektionierte System parteipolitisch-sportpolitischer Verfilzung hat noch jedem Sport-Staatssekretär oder -Minister mit erstaunlicher Leichtigkeit jede Reform abgedreht.

Norbert Darabos scheint nun an genau diesem toten Punkt zu stehen. Er will zwar eine Reform liefern, nach der das System lauthals verlangt, die vom System aber im selben Augenblick wieder abgedreht wird. Darabos‘ einzige Chance gegen das teuerste und ineffizienteste Sportfördersystem der Welt wäre die Information der Öffentlichkeit. Noch besser: die Bundessportförderung abschaffen, und wieder von vorn anfangen. Bis dahin gebt die 80 bis 100 Millionen Euro den Universitäten, den Asylanten und den Obdachlosen.

Weitere Artikel des Autors unter johannskocek.com

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2012)

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