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Wer schon dopt, soll wenigstens zittern

06.05.2012 | 18:26 |  JOHANN SKOCEK (Die Presse)

Nada: Die Bundesländer bremsen bei der Neuordnung. Darabos weist Vorwurf der Einflussnahme zurück. Ministeriumsmitarbeiter wird Prokurist.

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Die Nationale Antidopingagentur will das „rechtspolitische Vakuum“, wie Sportminister Norbert Darabos sagt, beenden. Denn nach dem Skandal, den ein Mitschnitt des in erster Instanz verurteilten Dopingbetrügers Christian Hoffmann von einer Verhandlung erregte, hat Nada-Geschäftsführer Andreas Schwab die Rechtskommission entlassen. Begründung: „Um weiteren medialen Schaden zu vermeiden.“ Da jedoch nur die Kommission Sperren und Suspendierungen aussprechen kann, ist Eile geboten. Derzeit müssen mangels Dopingrechtssprechung positiv getestete Sportler für die Olympischen Sommerspiele nominiert werden. Daher werden die Gesellschafter der Nada GmbH (Bund 53 Prozent, Bundesländer je fünf Prozent, ÖOC und BSO je ein Prozent) in dieser Woche den Abteilungsleiter im Sportministerium, Peter Domschitz, zum Nada-Prokuristen ernennen. Gemeinsam mit dem bis zur Bestellung seines Nachfolgers amtierenden Schwab wird Domschitz am 15. Mai eine neue Rechtskommission bestellen.

Das Gremium wird bis zum Ende der laufenden Funktionsperiode am 11. August amtieren. Anschließend wird eine neue Kommission ernannt oder die amtierende weiter bestellt. Und zwar vom neuen Nada-Chef. Domschitz will die Sache bis Anfang Juli erledigt haben. Die Voraussetzung für den Zeitplan ist allerdings ein entsprechender Umlaufbeschluss der Nada-Gesellschaft. Alle müssen schriftlich zustimmen, wie Darabos-Sprecher Stefan Hirsch der „Presse“ mitteilte.

In den Bundesländern hängt das Papier freilich in der Warteschleife, weil die für den Sport zuständigen Landeshauptleute für den Antidopingkampf keine freie Minute finden. Die föderalistische Struktur Österreichs erweist sich auch im Sport als Reformbremse. Darabos bestätigt auch, dass der pensionierte Richter Heinz Fuhrmann ein Kandidat unter anderen für die neue Rechtskommission ist. Allerdings legt Darabos Wert auf die Feststellung, dass er weder die Abberufung der alten Rechtskommission betrieben noch Fuhrmann oder andere bestellt habe. Dafür sei dem Gesetz zufolge allein der Nada-Geschäftsführer zuständig.

Fuhrmann saß dem Gericht vor, das den Briefbombenattentäter Franz Fuchs 1999 zu lebenslanger Haft verurteilte. Im Februar 2000 erhängte sich Fuchs in der Zelle am Kabel seines Rasierapparates. Auch zur Sportszene unterhält Fuhrmann Kontakte. Er arbeitet in der Infrastruktur Schladming 2013 GmbH mit, die unter anderem Baumaßnahmen und andere Subventionsthemen rund um die Ski-WM organisiert und kontrolliert. Ob er dem Skiverband nahe- oder kritisch gegenübersteht, wird noch zu untersuchen sein.

Mittlerweile droht der Antidopingkampf in Rechtsstreitigkeiten zu zerflattern. Des Dopings verdächtigte Sportler und deren Anwälte nutzten den Hoffmann-Skandal, um die Nada als befangen abzulehnen und so die Verfolgung zumindest hinauszuschieben. Der geschasste Vorsitzende der Rechtskommission, der Anwalt Gernot Schaar, sowie die Kommissionsmitglieder Alois Schittengruber, Burkhard Thierrichter und Karl Dobianer, brachten vor dem Landesgericht Wien Klage gegen Christian Hoffmann und andere ein. Es geht um den Verdacht der üblen Nachrede, des Missbrauchs von Tonaufnahmegeräten, der Urkundenfälschung, der Fälschung eines Beweismittels und schweren Betrugs.

Merke: ÖSV-Vertreter Arnold Riebenbauer wurde zwar ebenfalls von Hoffmanns Tonband aufgenommen, schloss sich der Klage aber nicht an. Riebenbauer leitete die ÖSV-Doping-Disziplinarkommission.

Außerdem klagte Schaar die Nada, weil er seiner Auffassung nach aus nichtigen Gründen abberufen wurde. Sein Interesse an der Klage bewertet Schaar mit 31.000 Euro.

 

E-Mails an: sport@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2012)

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