Massiver Cyber-Angriff auf US-Banken

Die Webseiten der 20 größten US-Banken wurden attackiert. Der Iran wurde rasch als Urheber ausgemacht, die Zweifel daran sind aber groß.

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Massiver CyberAngriff USBanken
(c) Reuterse ( Samantha Sais)

US-Banken sind zum Ziel groß angelegter Cyber-Angriffe geworden, hinter denen der Iran vermutet wird. "In der US-Regierung besteht kein Zweifel daran, dass der Iran hinter diesen Angriffen steckt", sagte der Experte James Lewis vom Center for Strategic and International Studies der "New York Times" vom Mittwoch. Dem Bericht zufolge werden bei den Angriffen die Webseiten von Banken durch eine Masse an Informationsanfragen lahmgelegt. Solche Angriffe werden auch "Distributed Denial of Service" (DDoS) genannt. Laut Experten wurden nicht wie sonst üblich einzelne gekaperte und ferngesteuerte PC für die Angriffe genutzt, sondern ganze Rechenzentren, wie sie etwa für "Cloud Computing" zum Einsatz kommen. Für die Angriffe wurden Rechenzentren in verschiedensten Ländern mit dem Virus "Itsoknoproblembro" infiziert.

Denial-of-Service-Attacke

Als DoS bezeichnet man Angriffe, die dazu dienen sollen, ein Ziel durch Überlastung lahmzulegen. Oft werden solche Angriffe verteilt über Botnetze ausgeführt. Das Ziel wird mit unzähligen Anfragen von den angreifenden Rechnern pausenlos bombardiert, bis es in die Knie geht.

Am Mittwoch waren die 20 größten US-Banken von einer solchen Angriffswelle betroffen. Eine Gruppe namens Izz ad-Din al-Qassam Cyber Fighters bekannte sich dazu. Nach Angaben des auf Computersicherheit spezialisierten Unternehmens Radware gab es die ersten derartigen Angriffe im September des vergangenen Jahres. "Wir sehen gerade einen dauerhaften Angriff auf einen Industriesektor, wie wir es nie zuvor erlebt haben", sagte Radware-Vizechef Carl Herberger.

Stuxnet legte Irans Atomanlage lahm

Der Iran wurde nach eigenen Angaben seinerseits bereits Opfer von Cyber-Angriffen. Im April 2012 hatte das Ölministerium in Teheran von einer Internet-Attacke auf die iranischen Ölanlagen gesprochen. Im Jahr 2010 hatte der Computerwurm Stuxnet einen Teil der Zentrifugen zur Urananreicherung in der Atomanlage Natans lahmgelegt.

Teheran machte die USA und Israel verantwortlich. Die beiden Länder sind die größten Kritiker des iranischen Atomprogramms, hinter dem sie das Streben nach einer Bombe vermuten. Die internationale Gemeinschaft hat wegen des Atomprogramms Sanktionen gegen den Iran verhängt. Der aktuellen Attacken werden von einigen Beobachtern als eine Art Racheakt interpretiert. Für diese Theorie spreche nicht nur die technische Raffinesse, sondern auch, dass die Angreifer offensichtlich nicht auf Geld aus waren. Mit den Attacken wurden die Webseiten zwar lahmgelegt, es wurde jedoch kein einziges Bankkonto geknackt. 

"Iranische Cyberkrieger sind glamouröser"

An der Iran-Theorie gibt es aber auch Zweifel, wie "Spiegel Online" berichtet. So schreibt die "New York Times" auch, dass Regierungsvertreter bislang jeden Beweis für die iranische Verwicklung schuldig geblieben sind. Die iranische Regierung hat jegliche Verwicklung in die Angriffe zurückgewiesen. 

Beim Technik-Portal "The Verge" zeigt man sich ebenfalls skeptisch. Weder sei bekannt, wer innerhalb der Regierung den Iran als Täter identifiziert habe noch auf welchen Beweisen die These beruhe. Eine Attacke mit staatlichen Hintergrund erscheine angesichts des massiven Ausmaßes zwar wahrscheinlich, doch allzu ausgeklügelt sei diese auch wieder nicht. Es sei aber eben populärer sich über iranische Cyberkrieger Sorgen zu machen als eine Gruppe unzufriedener Zivilisten.

(APA/AFP/Red. )

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