Londons Polizei setzt bei der Verbbrecherjagd auf Smartphone-Nutzer. Die Metropolitan Police hat mit "Facewatch id" eine eigene App für iPhone, Android und Blackberry vorgestellt. Dort werden Fotos von Verdächtigen präsentiert. Erkennt ein Nutzer eine Person, können über die App umgehend anonym Informationen direkt an die Polizei geschickt werden. Die Bilder zeigen unidentifizierte Personen, "mit denen die Polizei gerne sprechen möchte", heißt es in der Presseaussendung. Die App wurde von jener Firma entwickelt, die der Polizei und Firmen auch ein System anbietet mit dem Verbrechen online gemeldet und Fotos hochgeladen werden können.
29 Personen bereits identifiziert
Zum Start soll die App rund 2000 Bilder aus London zeigen, in den nächsten Wochen wird das Angebot auf ganz Großbritannien ausgweitet, heißt es. Die App ist zwar nur in Großbritannien verfügbar, Facewatch bietet aber auch eine mobile Website, auf der der Dienst weltweit ausprobiert werden kann. Die Bilder stammen offensichlich in den meisten Fällen von Überwachungskameras und zeigen meist vermummte Personen. Britische Medien wie der Independent berichten, dass die Bilder vornehmlich aus der Zeit der Jugend-Krawalle im August 2011 stammen. Laut Presseaussendung konnten bereits 29 Personen mit der App identifiziert werden.
Die britische Überwachungs-Pranger-Tradition
In Großbritannien wird die Zahl der Überwachungskameras auf bis zu fünf Millionen geschätzt. Der Ausbau der Videoüberwachung per CCTV ("closed circuit television") verschlung zeitweise bis zu drei Viertel des Budgets für Kriminalitätsprävention. Am meisten Kameras befinden sich in der Londoner Innenstadt. Noch kämpft die Polizei mit der kaum auszuwertenden Datenflut, Kritiker fürchten aber, dass Gesichtserkennungssysteme die Identifizierung bald automatisieren könnten. Das öffentliche Anprangern wie in der Facewatch-App hat in London Tradition. Bereits 2006 startete im Problemviertel Shoreditch ein freiwilliges Spitzel-Projekt, bei dem rund 20.000 Menschen über den Fernseher auf die Überwachungskameras in der Umgebung zugreifen konnten. Personen, die in der Vergangenheit auffällig waren wurden über den Kanal angeprangert.
(sg)
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