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Festplattenabgabe: Konflikt mit Handel spitzt sich zu

28.06.2012 | 13:37 |   (DiePresse.com)

Elektrohändler hätten "10 bis 15 Millionen Euro" Abgaben eingehoben, aber nicht weitergeleitet, behauptet die Initiative "Kunst hat Recht". Fachhandelsobmann Kejcik ist empört.

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Im Streit um eine Urheberrechtsabgabe auf Festplatten hat die Initiative "Kunst hat Recht" am Donnerstag dem Elektrohandel vorgeworfen, diese seit fast zwei Jahren bereits einzuheben, allerdings nicht an die Verwertungsgesellschaften weiterzugeben. "Nach Schätzungen haben sich bereits zwischen 10 und 15 Millionen Euro angehäuft", heißt es in einer Aussendung. Damit konfrontiert weist der Obmann des Elektro- und Einrichtungsfachhandels, Wolfgang Krejcik, die Vorwürfe als haltlos von sich: "Diese Behauptungen entsprechen nicht der Wahrheit."

Konkret bezieht sich die Initiative auf den Vorstoß der Austro Mechana, demzufolge Händler in Österreich ab 1. Oktober 2010 aufgefordert wurden, für Festplatten Urheberrechtsabgaben an die Verwertungsgesellschaften zu zahlen. Der Computerhersteller Hewlett Packard (HP) hat in der Folge dagegen Klage einreichte. Die ersten beiden Instanzen gingen zugunsten der Händler aus, aktuell liegt der Fall beim Obersten Gerichtshof (OGH). Ob die Abgabe dennoch eingehoben wird, dazu haben die beiden Fronten sehr unterschiedliche Meinungen.

Rechteverwerter schätzen nur

"Wir haben die Vermutung, dass sehr viele Händler die Abgabe einheben", so Sandra Csillag, Geschäftsführerin der Literar-Mechana. "Wie groß die tatsächliche Quantität ist, dazu gibt es aber nur Schätzungen." Ihrer Ansicht nach würde schon "die Verpflichtung bestehen, wenn man diese einhebt, dass sie auch an die Verwertungsgesellschaften abgeführt wird. Warum das nicht passiert, dafür habe ich keine Erklärung", sagte sie.

Krejcik sieht den Sachverhalt naturgemäß anders: "Ich bin empört über diese haltlosen Informationen." Er verweist wiederum auf das "Gericom-Urteil" aus dem Jahr 2005, das "rechtsverbindlich" sei. Damals fällt der OGH die Entscheidung, dass Festplatten für Computer nicht der Leerkassettenvergütung unterliegen. Auch für den aktuellen Fall zeigte er sich "optimistisch, dass der OGH das 'Gericom-Urteil' nicht auf den Kopf stellen wird". Eine Entscheidung erwartet Krejcik im Herbst bzw. Ende des Jahres. Ein negativer Ausgang wäre für die Branche jedenfalls "eine Katastrophe und für den Kunden ein großes Unrecht".

Konsumenten am meisten betroffen

Gleichzeitig betonte der Obmann aber auch, dass Künstler "selbstverständlich Anspruch auf Vergütung ihrer Leistungen" haben. Letztlich komme bei einer Festplattenabgabe aber auch nicht primär die Wirtschaft, sondern der Verbraucher zum Handkuss. "Und wir sehen uns als Anwalt der Konsumenten." Die Wirtschaftskammer Österreich arbeitet aktuell an einer Initiative zum Thema, da es zu viele "Irrtümer und Missverständnisse gibt".

Dass sich kürzlich sowohl Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) als auch Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) positiv gegenüber einer Festplattenabgabe geäußert haben, begrüßt Csillag, die sich die Umsetzung einer gesetzlichen Novelle auch während des laufenden Verfahrens vorstellen kann, "wenn der politische Wille besteht". Krecjik betonte, dass man mit Mitgliedern der Regierung und der Justizministerin "in permanenten Gesprächen sei": "Ich bin zuversichtlich, dass eine Regelung kommen wird, die nicht unbedingt auf Festplatten basiert."

(APA)

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13 Kommentare

sowas nennt sich dann wohl

schlicht und ergreifend Wettbewerbsverzerrung. Und dabei geht's nichtmal um Künstler, denen kein Lohn für Ihre Mühen geduldet werden soll.

Ich als Kunde würde meine Festplatten nur mehr im Ausland kaufen, denn nachdem pro Platte 10-20 Euro URA anfallen, hat man da die Versandkosten auch meistens schon mit herinnen...

Gast: austro mechana
29.06.2012 10:40
1 0

Warum..

...doppelt und dreifach bezahlen, für etwas, das nicht genutzt wird. Und die Verteilung durch die "Verwertungsgesellschaft" ist auch äußerst undurchsichtig bis dubios

Da hilft nur eines:

beispielsweise Festplatten und Datenträger im Ausland kaufen!

Gast: Leser
28.06.2012 17:46
9 0

Kein Cent den Urheberrechtsgaunern.

Auch weil wir eine Buchpreisbindung und Rotfunk Zwangsgebühren haben wie in einer Sowjetrepublik.
Alleine CD`s und DVD sind in anderen Ländern sehr viel billiger als bei uns.
Elektronik auch z.B. in den USA.

Gast: eiskalter-wiener
28.06.2012 16:56
0 7

nur fair

jeder, der etwas erstellt, leistet bzw arbeitet, will dafür entlohnt werden.

die meisten geschäfte heben die abgabe angeblich doch eh schon ein – nur geben sie nichts davon weiter. die einnahmen aus der kassettenvergütung - die übrigens auch bei usb sticks verrechnet wird -
haben sich in den letzten jahren halbiert.

in deutschland und ungarn funktioniert das doch auch. dort bringt sie den kunstschaffenden etwas. also warum nicht auch in österreich?

Re: nur fair

Ich bin Fotograf und Videofilmer, und habe deshalb ein paar Terrabyte an Daten. Für diese habe ich zu 100% Urheberrechte. Und wieso sollte ich für diesen Speicher irgendeiner Verwertungsagentur Geld geben?

Re: Re: nur fair

ich weiß nun zwar nicht, inwiefern Sie sich als Firma bezeichnen würden aber falls das Ganze sofern die Platten nur gewerbemäßig verwendet werden, gibts (oder zumindest gab's mal) auf der Austromechana-Homepage ein entsprechendes Freistellungsformular mit dem Firmen Festplatten URA-frei beziehen konnten.

Re: Re: Re: nur fair

So was gabs mal für CDs. Die Bearbeitungsgebühren waren so hoch, dass es sich für eine mittelgroße Software-Firma nicht ausgezahlt hat. Da ist Direktimport die bessere Lösung.

Antworten Gast: derGastMike
29.06.2012 09:40
4 0

Re: nur fair

Weil ich auf meiner Festplatte MEINE Daten habe für die die Kunstschaffenden NICHTS geleistet haben!

Und die paar Lieder die ich drauf hab hab ich im iTunes Store regulär bezahlt.

Also warum soll ich an eine Gruppe von Menschen etwas bezahlen die für das Produkt das ich erwerben möchte keine Leistung erbracht haben?

Antworten Gast: Openstreetmap
29.06.2012 08:11
2 0

Re: nur fair

Genau und deshalb muss ich dann auch eine Festplattenabgabe für die von mir selbst erstellten Daten an Künstler bezahlen, deren Werke ich selbst nicht nutze.

Das betrifft im Besonderen auch den Bereich der freien (public Domain) Lizenzen.
Denn keiner der Urheber, die ihre Werke unter eine public Domain Lizenz stellen, bekommt auch nur einen Cent von den Verwertungsgesellschaften (Lizenzvereinbarungen schließen sich aus).
Der public Domain Urheber bezahlt also Abgabe für seine eigenen Werke an andere Künstler.

Gast: pan-tora
28.06.2012 15:45
6 0

zahl nix

das ganze thema wurde eh schon 1000 x durch den wolf gedreht - ganz offensichtlich wird der kunde zum trottel gemacht!!!
nachdem ich aber privat keinerlei "fremde" daten (bilder/musik/etc...) auf meiner hdd habe, habe ich in meinem umfeld eine einfache loesung fuer das "abgabenproblem" gefunden. ich lasse mir von einem befreundeten polen die platte (in polen) kaufen, er schreibt ein paar (privater) daten darauf und schickt sie mir. ist vielleicht eine rechtliche grauzone, aber mit den letzten zwei platten habe ich mir inkl. lieferung etwa € 35,- gespart.

Re: zahl nix

Da sind Sie nicht der einzige, der Datentraeger im Ausland kauft.

Auch bei Garantiefaellen gibt's keinen Aerger - die Herstellervertretung tauscht/repariert Platten unabhaengig von dem EU-Land, in welchem Sie das Geraet erstehen.

Ironie der Geschichte - vor nicht allzu langer Zeit waren Datentraeger im kommunistischen Polen Mangelware, mit hohen Steuern sowie Akzise versehen, und daher ziemlich teuer.

Wie sich die Zeiten so aendern ...

ein Witz...

ist diese Abgabe, denn angeblich versendet Amazon seit Anfang diesen Jahres deswegen keine Festplatten mehr nach Österreich, selbes ist ja schon lange mit CD/DVD Rohlingen der Fall, deshalb wird man ja schon dazu genötigt bzw. es wird mir ja praktisch vordiktiert, dass ich eine Festplatte um einiges teurer in Österreich kaufen muss

meine letzte Festplatte hab ich vor ca. einem Jahr bei Amazon bestellt und zwar weil sie dort dank der nichtvorhandenen Abgabe um 20 Euro billiger war, ich hätte ja gerne die österr. Wirtschaft unterstützt, aber sicher nicht mit so einer Abzocke...

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