Zu viel der Schläue schreckt leicht ab

10.07.2012 | 18:28 |  ANDREAS TANZER (Die Presse)

Samsungs neue 7er-Serie ist mit 3D, Apps und innovativer Befehlseingabe ein Paradebeispiel für die aktuellste Generation von schlauen Fernsehern, zeigt aber auch die (derzeitigen) Grenzen des Smart-TV-Konzepts.

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Zumindest von den Eckdaten her kommt der Samsung ES7080 mit 3-D, zahlreichen Apps und Sprach- sowie Gestensteuerung dem – von den Herstellern propagierten – Idealbild eines Flachbildfernsehers recht nahe, besonders in der getesteten 55-Zoll-Variante. Ausgepackt und relativ rasch auf dem Standfuß montiert, macht das knapp drei Zentimeter tiefe Gehäuse mit schlankem Silberrahmen trotz seiner Größe eine gute Figur.

An der Bildqualität ist nichts auszusetzen, allerdings beginnt man ab 55 Zoll zu ahnen, warum die Industrie das gängige Full-HD mit 4k-Auflösung toppen will. Die Farben sind bereits in den Grundeinstellungen relativ natürlich. Auch punkto Kontrast und Schwarzwert – bei dieser Größe ein sensibles Thema – gibt sich der ES7080 keine Blöße. Die ohne Signal sichtbaren Inhomogenitäten in der Hintergrundbeleuchtung sind nicht mehr zu bemerken, sobald etwas zugespielt wird.

In dieser Klasse selbstverständlich verfügt der ES7080 auch über 3-D-Technologie. Samsung setzt auf aktive Brillen – ich persönlich bevorzuge die passive Variante. Die beiden mitgelieferten Shutterbrillen sind leicht und flach, für Brillenträger dennoch nicht optimal. Das 3-D-Bild – auch bei hochgerechnetem Material – ist sehr klar. Allerdings stört bei hellem Umgebungslicht der bei aktivem 3-D kaum zu vermeidende Flackereffekt. In Summe bleibt 3-D, auch wenn es bei großen Diagonalen besser zur Geltung kommt, mehr Spielerei als Standardansicht.

 

Gestensteuerung eher nur Gag

Eher ein Gag ist auch die Steuerung per Sprache und Geste. Besonders Letztere erfordert etwas Übung und ist recht träge. Den Fernseher etwa beim Verlassen des Zimmers lässig auszuwinken bleibt Utopie. Die Sprachsteuerung lässt zumindest ansatzweise futuristisches Feeling aufkommen. Dazu muss man allerdings ein seelenloses Panel mit „Hi TV“ anrufen – ein eigenartiges Gefühl, das rasch ins Peinliche kippt, wenn der Kasten trotz mehrfacher Aufforderung nicht reagiert. Nicht ganz so spektakulär, dafür mit hohem Praxiswert ist die Option, herkömmliche Funktastaturen zu nutzen. Die Texteingabe via Fernbedienung ist zwar auch möglich, aber mühsam. Das merkt man schnell, wenn man die Apps nutzt.

Über einen zentralen Knopf auf der Fernbedienung ist ein Portal mit allen Apps aufzurufen. Rein optisch herrscht hier Wildwuchs zwischen einzelnen Anwendungen wie Facebook, Browser oder der News-App und themenspezifischen Hubs, etwa für Fitness oder zur Aufnahme von TV-Sendungen auf der externen Festplatte. Beim erstmaligen Aufruf will praktisch jede Anwendung upgedated werden. Auch in der aktuellsten Version sind die Apps nicht immer optimal. Die bei YouTube etwa werden nur wenige Suchergebnisse angezeigt, man muss recht genau wissen, was man sehen will. Facebook wiederum erfordert ein Erst-Log-in in die TV-Einstellungen. Dafür kann sich der Nutzer danach per Gesichtserkennung einloggen.

Als weitere Innovation hat der ES7080 einen austauschbaren Chip. Die Option eines Hardware-Upgrades ist eine lobenswerte Idee, deren Wert sich im kommenden Frühjahr zeigt, wenn die ersten Update-Sets auf den Markt kommen. Als Fernseher an sich vermag der ES7080 zu überzeugen. Sofern nicht die Größe oder der damit verbundene Preis grundsätzlich abschrecken, finden sich kaum nennenswerte Kritikpunkte. Schon bei 3-D scheiden sich aber die Geister.

 

Apps noch Nischenprogramm

Und die Smart-TV-Apps sind – so ambitioniert Samsung das Thema auch angeht – teilweise noch nicht ausgereift. Ähnliches gilt für die Sprach- und Gestensteuerung. Mag sein, dass, je nach persönlichen Vorlieben, bestimmte Apps Vorteile bringen, generell erscheint Smart TV (noch) nicht massentauglich, und es ist fraglich, ob der große Schirm für jede Anwendung einen Mehrwert bietet. Facebook etwa ist nebenbei am Handy oder Tablet bequemer.

Mit 2500 Euro ist der ES7080 zwar nicht überteuert, wer aber nicht zumindest einen Teil seiner zahlreichen Sonderfunktionen wirklich nutzen will, findet – auch ohne Abstriche bei Design und Bild – gleich große Geräte, die ein wenig günstiger sind.

Fazit Samsung ES7080

Gefällt. Tadellose Bildqualität, gefälliges Design, innovative Ansätze bei der Bedienung, Hardware-Upgrade möglich, vielfältiges App-Angebot.

Gefällt nicht. Sprach- und Gestensteuerung noch unausgereift, Apps teilweise nicht optimal umgesetzt.


E-Mails an: hightech@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2012)

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