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Die Geburt der Fotokunst

28.07.2012 | 17:17 |  von Sara Gross (Die Presse)

Eigentlich war das Aufkommen der digitalen Fotografie nicht der Tod der analogen Fotografie, sind die Gründer der Lomographic Society International überzeugt.

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Wir dachten uns, das wird eine super Party“, beschreibt Wolfgang Stranzinger die Geburtsstunde der „Lomographic Society International“ (LCI). Vor 20 Jahren gründete der damalige Student mit einigen Freunden den Fotokunstverein in Wien und löste damit ein internationales Phänomen aus, das es bis heute versteht, die Massen zu begeistern. Millionen Menschen weltweit laden täglich bis zu 10.000 Bilder auf die Lomo-Website. Bilder, die sie mit analogen Plastikkameras gemacht haben. Fotos, die zu einem guten Teil vom Zufall bestimmt sind. Kräftige Kontraste, eine tiefe Farbsättigung und die charakteristische Vignettierung bestimmten die Bilder der Lomo LC-A, mit der alles begann. Bevor die Wiener Studentengruppe die billige russische Kamera für sich entdeckte und gemäß der „goldenen Regeln“ immer und überall und einfach aus der Hüfte knipste, hatte die Fotografie eher einen dokumentarischen Zweck, erzählt Sally Bibawy, die heute gemeinsam mit Stranzinger und Matthias Fiegl die LCI leitet.


Wie abstrakte Malerei. Sie vergleicht den Wandel gern mit dem der Malerei. „Als die Fotografie aufkam, ist die Malerei abstrakter geworden. Und genau das ist auch mit der analogen Fotografie passiert, als die digitale aufkam.“ Die Gründung der LCI war dann eher eine „Spaßidee“, erinnert sich Stranzinger. „Wir wollten einfach einen Ausstellungsraum von der Stadt Wien.“ Am Anfang stand ein „basisdemokratisches Ausstellungskonzept“, erzählt er weiter, dank dessen sich einfach jeder als Künstler fühlen konnte. Irgendwann wurde aus dem Hobby ein ernstes Business. Mitte der 1990er-Jahre war schließlich das Ende der Produktion der LC-A nicht mehr aufzuhalten und „die Community wollte einfach etwas Neues“, meint Stranzinger. Das war der Beginn der ersten eigenen Kamera, dem Actionsampler, der eine Sequenz von vier schmalen Bildern erstellt und ursprünglich für Golfer gedacht war. Aus der kleinen Studentengruppe wurde bis Ende der 1990er ein internationales Unternehmen. Heute sind es weltweit rund 300 Mitarbeiter, und der Umsatz steuert auf 30 Millionen Euro zu. Auch für die Zukunft sind die drei Lomo-Chefs zuversichtlich. In den letzten Jahren lag das Wachstum recht konstant bei 30 Prozent, und die Ideen scheinen den Lomografen nicht auszugehen. Erst seit Kurzem hat die Firma auch das Bewegtbild für sich entdeckt und bietet mit der Lomokino eine kleine Plastikkamera, die einen Bewegungsablauf auf einen herkömmlichen 35-Millimeter-Film bannt, indem seitlich an einer Kurbel gedreht wird. Wie gut das ankommt, bringt sogar das Lomo-Team noch zum Staunen. „Mittlerweile werden sogar Werbefilme damit gedreht“, sagt Bibawy. Konkurrenz gebe es kaum – eher im Gegenteil, denn die meisten Hersteller stellen die Produktion analoger Kameras ein. Und auch Phänomene wie „Instagram“, das mit digitalen Filtern Smartphone-Fotos „retro“ aussehen lässt, bringt die drei nicht aus der Ruhe. „Wir haben echt schon viel erlebt, das aufgekommen und wieder verschwunden ist“, sagt Bibawy. Auch wenn heute viele verschiedene Plastikkameras selbst produziert werden, bleiben die Lomografen den russischen Kameras treu. Zenith stellt exklusiv für Lomo eine Panoramakamera her. „Es leben aber auch die von der Rüstungsindustrie“, erklärt Bibawy – ganz wie damals die St. Petersburger Firma Lomo.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2012)

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