Als Nokias CEO Stephen Elop den Entschluss verkündete, fortan bei Smartphones ganz auf Windows Phone zu setzen, hatte Nokia ein vielversprechendes, neu entwickeltes Betriebssystem in der Schublade, das das in die Jahre gekommene Symbian der Nokia-Smartphones ersetzen sollte: MeeGo. Seine einzige Chance erhielt es mit dem N9, das der Hersteller im Herbst 2011 auf einigen kleineren Nebenmärkten – darunter auch Österreich – verstohlen und nahezu ohne Werbung herausbrachte. Trotz dieser widrigen Umstände entwickelte es sich zu einem beachtlichen Verkaufserfolg und gilt – Lumia hin oder her – vielen Fans als das beste Smartphone, das Nokia je herausgebracht hat.
Ein letztes Upgrade gönnte Elop den N9-Usern noch, bevor Anfang Juli Nokias MeeGo-Entwicklungsabteilung aufgelöst wurde. Das schien das Ende eines Betriebssystems, das manche Experten und viele User wegen seines Multitasking- und Swipe-Ansatzes sowohl iOS als auch Android als überlegen erachten.
Doch nun erhebt der Totgeglaubte wieder sein Haupt: JollaMobile, ein finnisches Start-up-Unternehmen, kündigte kürzlich an, das von Nokia aufgegebene Projekt weiterführen zu wollen und bis Ende des Jahres ein eigenes, auf MeeGo-basierendes Smartphone auf den Markt zu bringen. „Nach dem letzen Upgrade fürchteten viele User, dass dies das Ende der Geschichte sein könnte. Wir versuchten über Twitter zu beruhigen und die Rückmeldungen – über Onlineplattformen und sogar in den traditionellen Medien – waren so überwältigend, dass wir uns entschlossen, mit unserem Projekt an die Öffentlichkeit zu gehen“, berichtet Jolla-Gründer und CEO Jussi Hurmola der Onlineplattform Intomobile.com.
Hurmola ist einer jener Programmierer, die im Zuge der Auflösung der Entwicklungsabteilung Nokia verließen. So wie ein Großteil jener rund 50 Mitarbeiter, die Hurmola mittlerweile für sein Projekt begeistern konnte. Bis Jahresende soll der Personalstand auf 100 Leute aufgestockt werden.
Hoffnungsmarkt China
Die Finanzierung ist dank privater Investoren gesichert, und zumindest für China kann Jolla mit dem Retailer D.Phone auch bereits einen Vertriebspartner vorweisen. In den einschlägigen Onlineforen werden die Pläne begeistert aufgenommen. Sogar dem renommierten Businessmagazin „Forbes“ war die Firmengründung kürzlich einen Kommentar wert. Jolla werde sich wohl kaum zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für große Smartphone-Anbieter wie Apple oder Samsung entwickeln, dennoch stünden die Chancen für das junge Unternehmen nicht schlecht, sich eine lukrative Marktnische zu erobern, meint der Autor Ewan Spence. Der Zuspruch, den Nokias N9 besonders in Tech-Zirkeln erfahren hat, zeige, dass es durchaus einen Markt für ein offenes, auf Linux basierendes Betriebssystem wie MeeGo gäbe. Mit der richtigen Strategie könnte sich Jolla sogar zu einer Art „Ferrari der Smartphone-Welt“ entwickeln und mit vergleichsweise niedrigen Stückzahlen sein Auskommen finden. Das erste Jolla-Phone soll noch heuer präsentiert werden. Die anvisierten Verkaufszahlen liegen bei 100.000 Stück.
Nokia N9 im Test: Das erste und letzte seiner Art




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