Kopfhörer haben sich vom notwendigen Zubehör zum begehrten Lifestyle-Accessoire gemausert, das unterwegs nicht mehr versteckt, sondern stolz präsentiert wird. Das kommt dem Spirit One entgegen, der zum einen die Ausmaße eines ausgewachsenen HiFi-Kopfhörers hat, und sich zum anderen durchaus sehen lassen kann. Die Form ist klassisch. Als Farbvarianten stehen traditionelles Schwarz/Silber und trendiges Weiß zur Auswahl. Das Kabel ist in Bügeleisenmanier mit Textil ummantelt, was den dezenten Retro-Touch verstärkt.
Nicht nur das Design des Spirit One findet allgemeine Zustimmung, auch der Klang überzeugt (fast) auf ganzer Linie. Frequenzgang und Dynamik sind tadellos, der Bass ist sehr satt, aber noch natürlich. Wenn man etwas kritisieren will, dann, dass die Dynamik ein wenig auf Kosten der Details geht. Aber das ist das ist jammern auf sehr hohem Niveau. Auch dass die geschlossene Bauweise beim Spirit One besonders ausgeprägt verwirklicht wurde, ist Geschmackssache. Die akustische Isolierung ist unbestritten vorteilhaft, wenn der Lärm der Umgebung den Musikgenuss stört – oder umgekehrt. Etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln. Schon auf der Straße ist die starke Dämpfung der Umgebungsgeräusche ein zweischneidiges Schwert. Nicht jeder mag es, akustisch so stark von seiner Umwelt entkoppelt zu sein.
Fester Sitz und weiche Polster
Dieses etwas beengte Gefühl wird durch den merkbaren Druck, den der Spirit One ausübt, noch verstärkt. Hier wurde in der Abwägung zwischen Komfort und festem Sitz offensichtlich dem Umstand Rechnung getragen, dass der Kopfhörer primär für unterwegs gedacht ist. Was nicht heißen soll, dass er unbequem zu tragen ist. Man spürt ihn eben. Dank der weichen Lederpolster gewöhnt man sich rasch und vergisst ihn mit der Zeit eher, sodass der Spirit One durchaus auch für daheim geeignet ist – vom Klang her sowieso.
Dass die Entwickler den mobilen Einsatz im Auge gehabt haben, zeigt sich am Kabel, das bequem bis zur Hosentasche reicht, für die heimische Anlage aber zu kurz ist. Dafür sind eine Steuerung für iPhone/iPod und eine Freisprecheinrichtung integriert. Der Stecker ist für Apple-Produkte konzipiert, andere Smartphones verweigern die Zusammenarbeit. Dafür wurde neben dem Flugzeugadapter ein weiterer für normale Stecker beigelegt – wer kein iPhone hat, muss auch beim Kabel auf Eleganz verzichten. Das Kabel hat auch am Kopfhörer eine Steckverbindung, kann also leicht getauscht werden. Eines mit Standardklinke gibt es bei Focal als Zubehör, eine längere Version nur bei Drittanbietern.
Die Vorlieben bei Kopfhörern sind sehr individuell, sodass kein Modell alle Ansprüche hundertprozentig erfüllen kann. Der Focal Spirit One kommt meinem persönlichen Ideal sehr nahe. Er mag – Stichwort Tragekomfort oder kurzes Kabel – nicht in jedem Aspekt und für jeden Zweck perfekt sein, die eingegangenen Kompromisse sind aber absolut vertretbar. In Summe ist der Kopfhörererstling von Focal – vor allem auch klanglich – sehr ausgewogen. Der an sich stolze Preis von 200 Euro ist daher absolut angemessen.
Gefällt nicht. Sitzt ein wenig sehr fest. Kein längeres Kabel mitgeliefert.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)
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