Mit dem Siegeszug des iPhone spielt die Musik auf Handy oder Tablet, unterstützt vom PC, der auch große Sammlungen souverän beherbergt. Wer diese auch auf Hi-Fi-Anlagen hören will, braucht neue Gerätschaften. Auch wenn immer mehr Kompaktanlagen, Receiver und Aktivlautsprecher mit Apple Airplay ausgerüstet sind oder den dlna-Standard verstehen und damit Musik via WLAN empfangen können, so wächst gleichzeitig das Segment der dezidierten Musikstreamer, auch Netzwerkplayer genannt. Diese dienen als Brücke zwischen Smartphone, PC oder Tablet und der eigentlichen Hi-Fi-Anlage, die in diesem Setting auch ein betagteres Exemplar sein darf.
Online-Radio als Draufgabe
Die Musikstreamer empfangen die Musikfiles per WLAN oder LAN–Kabel und reichen sie in analoge Signale übersetzt an die Hi-Fi-Anlage weiter. Mit der (W)LAN-Verbindung ist meist auch ein Zugang zum Internet gegeben. Über diese bieten Netzwerkplayer zusätzlich Zugriff auf Internet-Radio. Gesteuert wird mittels App beziehungsweise Apple Airplay/iTunes oder Pendants aus der Android-Welt. Eine Fernbedienung ist eher als Notbehelf gedacht.
In diesem Segment besonders umtriebig ist die High-End-Schmiede Naim. Nach dem im Mai vorgestellten Referenzstreamer NDS, der mit gut 8000 Euro allerdings auch preislich in einer sehr hohen Liga spielt, ist nun mit dem NAC-N 172 XS eine Netzwerkvorstufe auf den Markt gekommen, die mit rund 2200 Euro eine zumindest etwas breitere Kundenschicht anspricht. Die N 172 XS kann wie ein CD-Player an den Line-Eingang jeder Anlage angeschlossen werden, dient aber auch als Vorstufe für reine Endverstärker. Für 300 Euro Aufpreis wird ein UKW/DAB-Tuner eingebaut. Der N-172 XS schlägt damit auch die Brücke zum guten alten Radio; DAB-Digitalradio wird in Österreich nicht gesendet.
Zur gehobenen Einsteigerklasse zählen die Musikstreamer von Pro-Ject. Die 700 Euro teure Stream Box DS wurde mit verbesserter Firmware zur Stream Box DS net aufgerüstet, die nun 800 Euro kostet. Der baugleiche Vorgänger ist weiter erhältlich und kann um 100 Euro ebenfalls zur net-Variante upgedated werden. Ein wenig teurer ist die Stream Box RS, die mit einem integrierten Röhren-Vorverstärker ausgestattet ist und dieser Tage für rund 1500 Euro in den Handel kommt.
Am absoluten High-End hat die Streamer-Familie mit dem 17.500 Euro teuren Reference DAC von Audio Research Zuwachs bekommen. Wie bei den anderen Streamern steht der interne D/A-Wandler auch zur Verfügung, um den Klang von per Digitaleingang angeschlossenen CD- oder DVD-Playern zu veredeln.
Wie schon am Preisniveau abzulesen ist, sind Musikstreamer für die anspruchsvolle Klientel gedacht. Entsprechend ist neben MP3 auch das Flac-Dateiformat Standard. Apple-User dürfen sich immer öfter auch über die Unterstützung von Apple-Lossless (Alac) freuen. Flac und Alac sind verlustlos, bieten also exakt dieselbe Qualität wie die CD. Mehr noch: Im Internet können Flacs mit Samplingfrequenzen jenseits des CD-Standards von 44 kHz gekauft werden. Streamer der Oberklasse können auch Flac-Dateien mit bis zu 192 kHz verstehen.
Streaming für schmälere Budgets
Aber nicht nur High-End–Anbieter haben Musikstreamer im Programm, auch bodenständigere Hersteller bieten Lösungen an, um ältere Anlagen an neue Nutzungsgewohnheiten anzupassen. Philips etwa hat im Rahmen der aktuellen Fidelio-Wireless-Hi-Fi-Reihe nicht nur vernetzte Aktivboxen verschiedener Größen im Programm, im September sollen mit dem Fidelio A2 ein Netzwerk-Receiver und mit dem Fidelio A1 Link ein Streaming-Empfänger folgen. Die Geräte können mit jedem UPnP-fähigen WLAN-Gerät kommunizieren. Airplay ist nicht an Bord, was sich allerdings bei Preisen von 300 beziehungsweise 150 Euro verschmerzen lässt, zumal für Android und Apple eine eigene App bereitsteht. Auch wenn es nicht ganz so hochwertig wie die vorab erwähnten Streamer ist, dürfte das Fidelio Link für den Durchschnittsuser durchaus ausreichen und bietet sich als günstige Lösung – ähnlich wie Sonos oder Logitechs Squeezbox-System – auch für Multiroom-Lösungen in Nebenräumen an.
Auch Bang & Olufsen bringt mit dem 380 Euro teuren Playmaker einen erschwinglichen Streamer, der Musik an B-&-O-Aktivboxen weitergibt. Der Playmaker versteht sich allerdings primär als Ergänzung zu bestehenden B-&-O-Anlagen. Die Audiosignale werden über eine für diese Zwecke eher unübliche RJ45-Schnittstelle ausgegeben. Wer den Playmaker als Zuspieler an einer normalen Anlage nutzen will, muss mit Adaptern basteln.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)
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