China: Schuften für Samsung, um Zeugnis zu erhalten

03.09.2012 | 17:23 |  Von unserem Korrespondenten Felix Lee (Die Presse)

Obwohl in China längst verboten und staatlich geahndet, vermitteln Schulen billige Arbeitskräfte für Fabriken. In Betrieben des südkoreanischen Elektroriesen Samsung soll Kinderarbeit weitverbreitet sein.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Peking. Smartphones und Tablet-PCs zusammengelötet von 13- bis 15-Jährigen – offiziell ist diese Praxis in China längst verboten und wird auch staatlich geahndet. Die unabhängige Arbeiterorganisation China Labor Watch (CLW) hat nun aber nachgewiesen, dass immer noch in einigen chinesischen Fabriken nicht nur punktuell, sondern ganz systematisch Kinderarbeit an der Tagesordnung ist.

Nach der häufigen Kritik über die zum Teil miserablen Arbeitsbedingungen bei Apple und seiner Zulieferfirma Foxconn hat CLW nun den südkoreanischen Elektroriesen Samsung ins Visier vorgenommen – den Hersteller der weltweit so beliebten Galaxy-Smartphones. Die Arbeiterorganisation mit Sitz in New York berichtet, dass in drei von sechs untersuchten Betrieben von Samsung Kinderarbeit weitverbreitet sei.

So würden laut CLW Schüler unter 16 Jahren häufig von den Lehrern zur Fabrikarbeit gezwungen werden. Sie drohten ansonsten damit, keine Abschlusszeugnisse auszustellen. Für diese Art der Vermittlung bekämen die Lehrer Geld. Es gebe sogar Verträge zwischen den Schulen und den Fabrikbetreibern.

CLW beobachtet Samsung schon einige Zeit. Denn bei HEG, der chinesischen Zulieferfirma des südkoreanischen Großkonzerns, entdeckte die Organisation bereits im Juni Kinderarbeit. Anonyme Untersuchungen hatten dort auch ergeben, dass in einem Betrieb wahrscheinlich bis zu 100 Minderjährige beschäftigt waren. Dabei verrichteten sie die gleiche Arbeit wie Erwachsene, erhielten aber nur 70 Prozent des üblichen Gehalts.

Mangel an Arbeitern

Die Firmenleitung von Samsung bestreitet die Anschuldigungen. Samsung messe sich „bei den Arbeitsbedingungen an den höchsten Standards“. Man werde den Vorwürfen aber nachgehen.

In vielen Teilen Chinas herrscht zunehmend Mitarbeitermangel, sodass vor allem die auf den schwächelnden Export orientierten Unternehmen es immer schwerer haben, Personal zu niedrigen Löhnen zu finden. Kinder und Jugendliche sind da ideal. Denn sie sind von den Fingerfertigkeiten oft geschickter, wissen sich anders als ihre älteren Kollegen aber nicht zu wehren. Gerade in ländlichen Gegenden kommen viele von ihnen aus ärmlichen Verhältnissen. Deren Eltern begrüßen es, wenn die Kinder ein paar Yuan nach Hause bringen.

Wie verbreitet Kinderarbeit in der Volksrepublik ist, ist nicht untersucht. Einer Statistik des chinesischen Bildungsministeriums zufolge wird die neunjährige Schulpflicht von 94 Prozent der in China lebenden Kinder eingehalten. Das klingt zunächst einmal nach viel. Angesichts der 1,3 Milliarden Einwohner heißt das in absoluten Zahlen jedoch: Etwa 18 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule.

Spätestens nach der Selbstmordserie unglücklicher Arbeiter bei dem taiwanesischen Zulieferunternehmen Foxconn vor zwei Jahren hat die Politik die Arbeitsgesetze deutlich verschärft. Chinas Premierminister, Wen Jiabao, betonte wiederholt, dass bei Missachtung hohe Strafen drohen würden. Doch es hapert an der Umsetzung. Viele Parteikader vor Ort kooperieren mit den Fabrikbetreibern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

25 Kommentare
 
12

überraschung?

Jetzt aber ehrlich, wundert das überhaupt noch irgendjemanden? Wieso sollten die Zustände in der Fabrik, die Samsung beliefert, anders sein, als in der, die die Konkurrenz beliefert?

Gast: uiiiiiiiiiiiii
04.09.2012 22:17
1 1

Ma wie traurig...

Ich bin zu Tränen gerührt...

Gast: 10Jahre in China
04.09.2012 12:33
1 2

Keine Ahnung

hier kann man mal wieder genau sehen dass dieser report absoluter schwachsinn ist mit dem ziel einem asiatischen unternehmen zu schaden und zu diskriminieren, ich bin seit 10 jahren in chinesischen fabriken unterwegs und habe noch nie kinderarbeit vorgefunden, ich lebe auch seit 10 Jahren in china, auch das gebrachte bild zum report ist diskriminierend. Wiedereinmal jeder hat eine meinung von china, aber leider keine ahnung.

Antworten Gast: Das Ekel Alfred
04.09.2012 19:58
1 0

Und das nächste Mal


erzählen Sie mir, daß China eine lupenreine Demokratie ist.




Antworten Gast: leee
04.09.2012 18:16
0 0

Re: Keine Ahnung

Solche Meldungen können den Firmen Riesenschaden zufügen.
Wer hat Interesse daran?
Da ist einmal die Konkurrenz. Die wird sich aber hüten, weil demnächst könnte sie selber dran sein.
Dann die Schutzgelderpresser:
Da sind einmal die NGOs (non governmental organisation). Die müssen sich ja irgenwie finanzieren. Produzieren, oder sonst was nützliches tun sie ja nicht.
<also, wenn ihr nicht zahlt, schwärzen wir euch an.>
Auch staatliche Organisationen erpressen gerne.

Re: Keine Ahnung

Uff! Jetzt bin ich aber beruhigt.

Alles nur eingebildet!

komisch

ist mir komisch vorgekommen, dass genau diese kinderarbeit in verbindung mit samsung jetzt auch beim ORF (teletext) und eben der presse so gleichzeitig erscheint.
ich habe den "Spiegel" vor mir, der ähnliches wie der Korrespondent Felix Lee schreibt.
also ist es eine aussendung einer agentur.
eigenrecherchiert ist das von Korrespondent Felix Lee nicht.

m.M. sind das lancierte meldungen.
nicht dass es nicht stimmt, sie werden stimmen, aber es ist kein zufall, dass es so gecovert wird.

gerade jetzt beim streit apple vs. samsung.

und apple bezieht auch bestandteile von samsung für das iphone.

und das ist der punkt.

daher sehe ich es als gezielte diskreditierung von samsung.
nicht, dass ich kinderarbeit irgendwie befürworte!!!!

aber man muss meldungen komplexer betrachten.

Re: komisch

„eigenrecherchiert ist das von Korrespondent Felix Lee nicht.“ -

Glaubst du wirklich, dass von vielleicht dreitausend mitteleuropäischen zeitungen jede einen reporter nach china schickt, um in dieser einen fabrik nachzusehen?

Glaubst du das wirklich?

Re: komisch

@gerechtiger: China und Korea haben mit Moral aber schon so etwas wie nichts am Hut! Schönredner werden dies mit "kulturellem Unterschied" begründen.

Nachdem ich Jahre dort gelebt habe nenne ich es purer, rücksichtsloser Egoismus. Ich habe dort verunfallte auf der Strasse verbluten sehen - niemand bleibt stehen. Grundlegenede Sicherheitsvoorkehrungen werden reihenweise missachtet. Korruption und Prosititution überall. Mädchenhandel ist weit verbreitet (in China wegen der Ein-Kind Politik, in Korea sind es filippinische Mädchen, die an arme koreanische Bauern verkauft werden.

Überrascht da noch irgendjemand Kinderarbeit?

2 1

Re: komisch

Es wurde offenbar länger untersucht und jetzt ist das Ergebnis da. Wird eh im Artikel so beschrieben. Diese meldung ist halt jetzt neu. Soll die Presse das erst in einer Woche bringen?

Vor einiger Zeit gab es eine Meldung über die Fertigung von Apple bei Foxconn. Was vermuten Sie dahinter?

0 0

Re: Re: komisch

Nein, dem "gerechtiker" wäre es nur wichtig, dass die Medien zeitlich begrenzt darüber berichten.

Woche 1 - Teletext
W2 - Presse
W3 - Orf-Abendnachrichten
W4 - Kurier
.........

2 1

Land

Um welches Land geht's jetzt?

Bedenklich

Solche Berichte sind immer wieder sehr traurig...aber...wundert es denn hier wirklich wen? Glaubt denn wirklich jemand, dass man "Samsung" nicht durch jede x-beliebige andere in China produzierende Firma ersetzen kann? Solange die Leute entweder möglichst billige Produkte mit möglichst vielen Features (z.B. eben Smartphones vom Samsung) haben wollen, oder die Firmen möglichst große Gewinne einsacken wollen (z.B. Apple), werden die Produktionsbedingungen immer ziemlich unwürdig sein...

Gast: Take one und es ist ein klax to be really free
03.09.2012 23:42
2 0

Das unmenschliche Paradigma der Gewinnmaximierung

Samsung könnte es sich auch leisten, deine Mobiltelefone in Korea selbst zusammenbauen zu lassen, gleich wie Apple in den USA produzieren könnte.....

Aber aufgrund des Paradigmas der Gewinnmaximierung um jeden Preis wird so gearbeitet, wie eben gearbeitet wird.

Das Problem ist Gewinnmaximierung um jeden Preis. Dieses Denken ist auch in österreichsichen Firmen anzutreffen. Man denkt immer noch, dass man die Henne, die goldene Eier legt, schlachten muß, um die noch ungelegten Goldeier in die Bilanz aufzunehmen, selbst dann, wenn man am später keine Henne mehr hat....

Kein Wunder!

Wenn zwei skrupellose Mafiastaaten kooperierem, dann kommt das dabei heraus! Korea und China ist nichts zu schmutzig, zu illegal, zu korrupt. Korea ist z.B. Betreiber der Patschinko Spielhöllen in Japan um von dort Milliarden Dollar abzusaugen, Koreaner wechseln ihre Namen in Japan (leider geht das) um die japanische Politik zu unterwandern und unerkannt zu bleiben. China tut ähnliches, nur auf etwas niedrigerem Niveau, jedoch absolut egoistisch und rücksichtslos.
Dem einzigen Land dem ich in dieser Region noch eingermassen Vertrauen schenke ist Japan. Wie gesagt: Aus genannten Gründen ist dieses Land jedoch auch in Gefahr!

Bei sowas...

...kommt mir echt das kotzen.

2 3

Re: Bei sowas...

es gibt leute in AT, welche dies in AT noch erlebt haben. komisch die interessiert keiner. weil schlimm ists immer wo anders.

8 2

na schau

deshalb kaufe ich meinem 8 jährigen sohn ein galaxy sIII. da kann ich ihm gleich dazu sagen, dass es von kindern gebaut wurden die so alt sind wie er.

9 1

Re: na schau

Schicken Sie ihn vielleicht als Austausschüler nach China, dass er das auch besser kennenlernen kann. Da kann er sich ein Galaxy auch selbst bauen. Das wird Sie stolz machen.

0 1

Re: Re: na schau

Nein, ich schicke ihn lieber in einen Sommerkurs "sozialkritischer Sarkasmus", damit er nie in die Verlegenheit kommt Beiträge von mir im Presseforum falsch zu deuten.

Gast: Wladimir Iljitsch Uljanow
03.09.2012 12:10
5 13

Angeschobene Meldung?

Wer hat diese Meldung angeschoben?

Die anderen "Mitbewerber" arbeiten alle so korrekt?

Wieder irgendwo ein angebissener Apfel als Fallobst runtergefallen?

3 3

Re: Angeschobene Meldung?

... schaut ganz so aus. ist auch sehr wirr geschrieben. aber es reicht wenn Samsung und Kinderarbeit vorkommen.

... und wenn ich in AT, DE, so die Werbung klotze, massenhaft Kinder bei der Schauspielarbeit.

Re: Angeschobene Meldung?

So ist es, die Presse ist ja als Fan von Äpfeln bekannt.

Re: Re: Angeschobene Meldung?

Und? Schlecht?

Antworten Antworten Antworten Gast: jds
04.09.2012 22:20
0 0

Re: Re: Re: Angeschobene Meldung?

Jedem das Seine...

 
12
AnmeldenAnmelden