Size matters“, heißt es: Auf die Größe kommt es an. Und zumindest in der Sphäre des Heimkinos bewahrheitet sich dieses plakative Motto auch. Denn wer bei Action-Blockbustern und spannenden Sportevents mittendrin statt nur dabei sein will, kommt um einen angemessen großen Bildschirm kaum herum. Das zeigt sich auch an den Neuheiten der Hersteller, die neben smarten Apps – wer will, kann die neuesten Fernseher-Modelle auch als Fitnesstrainer nutzen oder über Skype Videotelefonate führen – vor allem auf beeindruckende Größe setzen.
Giganten des Wohnzimmers. Spitzenreiter ist Sharp; der in den USA bereits erhältliche LC-90LE745U, der nun auch hierzulande verkauft wird, ist mit 90 Zoll derzeit der größte kommerziell verfügbare LED-Fernseher, was sich auch in seinem Preis spiegelt: 10.000 Euro. Der „kleine“ 80-Zoll-Bruder ist bereits um die Hälfte dieses Geldes zu haben. Was die Technik betrifft, sind die Sharp-Modelle mit Features wie Smart-TV und 3-D recht konventionell ausgestattet. So braucht es auch kein Adlerauge, um einen Nachteil der übergroßen Bildschirme zu sehen. Die Rede ist hier nicht von der ästhetischen Beeinträchtigung des Wohnzimmers – das mögen Heimkino-Fans mit Anhängern gediegener Innenausstattung ausdiskutieren –, sondern von technischen Unzulänglichkeiten: Ab etwa 60 Zoll ist selbst Full-HD einfach nicht genug, und sogar Blu-Rays wirken pixelig, Das haben die Hersteller erkannt, und schon die nächste Auflösungsstufe in petto: Ultra High Definition, wegen der (rund) 4000 horizontalen Bildpunkte auch „4k“ genannt, ist das neue Maß aller Dinge.
Damit sich die vielen Pixel auch auszahlen, versuchen die Hersteller, gigantische 84 Zoll als Normmaß für UHD-TVs zu etablieren. Mit insgesamt viermal so hoher Auflösung wie Full-HD wird nicht nur alles noch schärfer und detailreicher. Man kann sich auch dem Schirm mehr annähern, ehe man einzelne Pixel sieht. So gesehen passen 4k-Fernseher überall dort hinein, wo jetzt ein halb so großes Full-HD-Gerät steht.
LG verkauft seinen 84-Zöller bereits in Korea, ab November soll er – für stattliche 16.000 Euro – auch hierzulande erhältlich sein. Auch Sony will noch vor Weihnachten einen 4k-Fernseher mit 84 Zoll auf den Markt bringen, der Preis wird sich auch hier in der Region „Mittelklassewagen“ bewegen. Dafür sind Transport und Montage des 120 kg-Ungetüms inkludiert.
Content? Bitte warten . . . Nicht inkludiert ist allerdings der Content. Wie bereits bei 3-D zäumen die Hersteller das Pferd von hinten auf und liefern Geräte, ohne dass Videomaterial für den Normalverbraucher verfügbar wäre, das deren neue Fähigkeiten auch ausnutzt. Einzig Fotos aus der eigenen Digicam können auf den Displays mit acht Megapixeln (annähernd) in der ursprünglichen Auflösung präsentiert werden. Zudem gibt es bereits den einen oder anderen 4k-fähigen Blu-Ray-Player – die Mangels Alternativen aber nur das Material auf den herkömmlichen Silberscheiben von Full- auf Ultra-HD hochrechnen können,
Bei aller angebrachten Skepsis, die Bilder der riesigen 4k-Displays sind durchaus beeindruckend und liefern „Heimkino“, das diesen Namen tatsächlich verdient.Durch die Größe und vor allem Detailschärfe (oder realistische Unschärfe) wirken die Bilder sehr plastisch und haben selbst bei 2-D eine beeindruckende Tiefenwirkung. In diesem Sinn macht 4k den 3-D-Modus fast unnötig.
Andrerseits ist das Auflösungs-Plus auch bei der 3-D-Darstellung hilfreich: Toshiba verzichtet bei seinem 55LZ2 sogar ganz auf eine Brille. Dank Spezialdisplay wird im 3-D-Modus jeweils die Hälfte der Pixel auf das rechte beziehungsweise linke Auge gelenkt – der 3-D-Eindruck ist (fast) perfekt. Der LZ552 wird in Deutschland bereits verkauft und ist auch in Österreich – vorerst nur auf Bestellung – für 8000 Euro zu haben.
Die anderen 4k-Schirme von LG und Sony brauchen für 3-D noch eine Brille, setzen aber nicht auf die Shutter-, sondern die Polarisationstechnik, die auch in den Kinos eingesetzt wird. Vorteil: billige, leichte Brillen und unkompliziertes Handling. Wie bei brillenlosem 3-D wird dabei allerdings die effektive Auflösung halbiert, da jedes Auge nur jeweils jedes zweite Pixel sieht – wie gut, dass man bei UHD aus dem Vollen schöpft.
4k-Schirme zeigen nicht nur 3-D wie im Kino, mit Spezialbrillen kann man auch zwei separate 2-D-Bilder auf einem Schirm, praktisch „übereinander“, anzeigen, und jeder sieht nur das Bild, das für ihn bestimmt ist. Gibt es auch bei normalen Fernsehern (mit „passivem“ 3-D), etwa von LG oder Philips, macht aber, weil noch schärfer, mit 4k noch mehr Spaß. Wozu das gut sein soll? Videospiele! Seien es Autorennen, bei denen statt des üblichen Split-Screen jeder das Geschehen auf dem vollen Bildschirm und aus seiner Perspektive sieht, oder Spiele wie Tennis – wo ein 84-Zöller Platz findet, ist meist auch Raum für Bewegung. Wer jetzt von friedlicher Koexistenz von Rambo und Rosamunde Pilcher auf ein und demselben Bildschirm träumt: Auch das geht. Allerdings hat hier vorerst nur Samsung eine Lösung parat, und zwar auf einem 4k-Prototypen. Die Koreaner setzen dabei auf speziell synchronisierte Shutterbrillen mit eingebauten Kopfhörern – schließlich müssen ja auch zwei gänzlich verschiedene Tonspuren verteilt werden. Das Ende der „Was schauen wir heute?“-Diskussion ist also gleichbedeutend mit dem Ende jeglicher Kommunikation vor dem Fernseher.
Flacher, besser, OLED. Weniger Zukunftsmusik, aber technisch mindestens ebenso fortschrittlich sind OLED-Fernseher. Die selbstleuchtenden, organischen Dioden sind das neue Nonplusultra der Displaytechnologie. Sie ermöglichen hauchdünne Bildschirme mit weitem Blickwinkel und dem Kontrast eines Plasmas, die zudem (relativ) wenig Energie verbrauchen. Samsung und LG haben heuer erstmals OLED-Geräte mit wohnzimmertauglichen 55-Zoll vorgestellt. Bezüglich Markteinführung zieren sich beide aber noch – das Weihnachtsfest wird wohl noch ohne OLED stattfinden. Bei den Preisen pokern beide und keiner will sein Blatt als Erstes zeigen. Nach aktuellem Stand dürften es um die 10.000 Euro werden. Die ersten OLED-Fernseher haben zwar „nur“ Full-HD, dafür kann man ihre Qualitäten bereits heute voll nutzen.
Der nächste Schritt: Giganten des Wohnzimmers
18.10.2012 | 15:46 | von Andreas Tanzer (Die Presse - Schaufenster)
Nach Jahren immer ausgefeilterer „Smart-TVs“ kommt nun auch in die Technik der Displays wieder mehr Bewegung.
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