Mobilfunk-Strahlung: Forderung nach Grenzwerten

06.12.2012 | 13:37 |   (DiePresse.com)

Fördern elektromagnetische Felder Tumoren? Mobilfunker und Umweltverbände streiten wieder.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Eine jahrelange Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern - so zum Beispiel beim exzessiven Gebrauch von Handys, Smartphones und Schnurlostelefonen - könnte eventuell einen Beitrag bei Entstehung von Tumoren im Kopfbereich haben. Endgültig bewiesen ist das nicht. Bei einer Pressekonferenz des Umweltdachverbandes mit Beteilligung mehrerer Initiativen bzw. Experten wurde am Donnerstag in Wien der italienische Ex-Manager Innocente Marcolini als Betroffener präsentiert. Ihm hat man letztinstanzlich in Italien eine berufsbedingte Erkrankung samt Rente wegen einer solchen Exposition zuerkannt. Proponenten forderten für Österreich Grenzwerte und mehr Konsumenteninformationen. Die Mobilfunker bezweifeln diese Argumente vehement.

"Laut einer Ende November vom global größten Mobilfunkausrüster veröffentlichten Studie wird sich bis Ende 2018 die Zahl der genutzten Smartphones auf 3,3 Milliarden verdreifachen und die Mobilfunkverträge werden auf ingesamt 9,4 Milliarden (derzeit 6,6 Milliarden, Anm.) steigen. (...) In Österreich gibt es praktisch keine Grenzwerte, keine Informationen für diesen Bereich. (...) Wenn man bedenkt, dass für jeden Kühlschrank Informationen und Warnhinweise auf dem Gerät sein müssen, ist für Handys nichts vorgesehen", sagte Umweltdachverband-Präsident Gerhard Heilingbrunner.

Die Mobilfunk-Skeptiker wollen in Innocente Marcolini, ehemals Manager in einem italienischen Konzern, einen "Parade-Patienten" vor sich haben. Der Betroffene: "Ich war beruflich gezwungen, mit dem Schnurlostelefon oder dem Handy länger als zehn Jahre täglich fünf bis sechs Stunden zu telefonieren." 2002 erkrankte Marcolini laut eigenen Aussagen an einem gutartigen Neurinom (Nervenfasertumor) an der linken Gesichtshälfte. Eine Lähmung des Gesichtsnervs war die Folge, nach einer Operation ist auch das linke Auge schwer betroffen.

Der Italiener: "In erster Instanz wurde eine Invaliditätspension abgelehnt." Die zweite und die dritte Instanz gaben ihm in dem arbeitsgerichtlichen Verfahren recht. Das Urteil ist rechtskräftig. Marcolini: "Ich will dringend darüber informieren, was einem widerfahren kann, wenn man Handys so intensiv nutzt wie ich es getan habe."

Das österreichische Forum Mobilkommunikation als Plattform der Mobilfunker bezweifelte in einer Aussendung am Donnerstag vehement die Argumente der Kritiker. Zur Urteilsfindung in dem italienischen Prozess um Innocente Marcolini seien Studien des schwedischen Wissenschafters Lennart Hardell herangezogen worden. Diese seien aber nicht plausibel, es gebe heftige Kritik von Experten wegen "schwer wiegender wissenschaftlicher Verfehlungen".

WHO unsicher

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Zusammenhang zwischen Mobilfunkgebrauch und solchen Erkrankungen als "möglich" bezeichnet. Das bedeutet aber noch nicht, dass das auch der Fall ist. Der Wiener Umwelthygieniker Michael Kundi: "Es ist nicht so, dass das (exzessiver Handy-Gebrauch, Anm.) garantiert ungefährlich ist. Prävention vor einer massenhaften Erkrankung ist angesagt." Die bisher durchgeführten epidemiologischen Studien hätten eher Hinweise auf ein Risiko ergeben. Allerdings, so Kundi: "Es handelt sich um Erkrankungen mit sehr langer Latenzzeit." Deshalb würde man eventuell die Auswirkungen des weltweit milliardenfachen "Feldversuchs" erst später bemerken können. Das hänge mit der exponentiellen Entwicklung der Zahl der Mobilfunk-Konsumenten zusammen.

Österreich: Kopftumor-Rate nicht gestiegen

Millionenfacher Handy-Gebrauch in Österreich hat sich jedenfalls bisher offenbar nicht auf die Kopftumor-Rate niedergeschlagen. Das Forum Mobilkommunikation: "Denn wären die Ergebnisse seiner (Hardells, Anm.) Studien nur annähernd im Bereich des Wahrscheinlichen, müsste man heute in der Bevölkerung eine um zumindest 30 Prozent höhere Kopftumor-Inzidenzrate (Häufigkeit des Neuauftretens innerhalb eines Jahres pro 100.000 Einwohner, Anm.) finden als noch vor rund 20 Jahren. Ein Blick in die Daten der Statistik Austria besagt aber das Gegenteil: In der Zeit seit Beginn des flächendeckenden GSM-Mobilfunks 1995 bis 2009 (aktuellere Daten sind von der Statistik Austria noch nicht verfügbar) hat sich die Inzidenzrate von Kopftumoren von 9,9 Fälle pro 100.000 auf 8,7 Fälle pro 100.000 reduziert, auch die Gehirn-Krebsinzidenz ist mit 5,4 Fälle pro 100.000 im Jahr 1996 und 4,9 Fälle pro 100.000 im Jahr 2009 rückläufig."

Heilingbrunner formulierte drei Forderungen an drei Minister. An Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ): "Es geht nicht an, dass es keine gesetzlichen Grenzwerte für elektromagnetische Felder gibt." An Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ): "Gesundheitsschutz heißt frühzeitig handeln." An Konsumentenschutzminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ): "Er hat die Mobilfunkbetreiber zu umfangreichen Warnhinweisen zu verpflichten."

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

11 Kommentare

Hohe Strahlung vermeiden

Mann kann die hohe Strahlenbelastung vermeiden, indem man bspw.

- ein Headset zum Telefonieren nimmt oder
- Smartphones mit sehr hoher Strahlenbelastung (wie z.B. das iPhone) vermeidet.

1 0

Ein bewusster Umgang kann nicht schaden.

Es gibt Studien die eine Auswirkung von Mobilfunkstrahlung belegen und es gibt Studien, die dies widerlegen.
In einer öffentlichen Diskussion sollten auf alle Fälle beide Seiten Platz finden. So kann sich jeder Bild davon machen und bereits ohne Verbote für sich entscheiden wie er diese Technologie nutzen möchte.
Negative Studien, von denen es gar nicht wenige gibt ( www.diagnose-funk .org ) , generell auszublenden und als unbegründete Panikmache abzustempeln ist gewiss der falsche Weg.
Ein Bewusster Umgang im eigenen Umfeld hat für den Nutzer keine Nachteile (und wer nicht will muss nicht)– für die Mobilfunkbetreiber aber vielleicht schon.

1 2

und unbedingt das Teufelszeug ...

... elektrisches Licht abschaffen und Kerzen auch wegen dem Feinstaub & Ruß und überhaupt und außerdem ist jahreszeitlich angepasstes längeres Schlafen gesund und mehr Kinder gibts dann auch und sowieso und überhaupt

Österreich: Kopftumor-Rate nicht gestiegen ?

Tja, ein Anruf z.B im Wagner-Jauregg würde genügen - dort liegen sie wie die toten Fliegen.


Kopftumorrate nicht gestiegen

Man trägt sein Telefon auch nicht ständig am Kopf. Wie schaut es zbsp. mit Unterleibskrebs bei Frauen aus?

Diese Strahlungsgeschichte ist vermutlich nicht gut .....

.... aber es würde einen riesen Skandal geben und unser komplettes System komplizierter gestalten wenn man diesbezüglich eine klare Stellung einnehmen würde.

Netzfreischalter in Wohnungen, Telefon aus im Flugzeug, elektromagnetische Störungen wenn man sich mit dem Telefon zu schlecht abgeschirmten Boxenkabel annähert ... uvm ....
Das hat auf jeden Fall auch auswirkungen auf den Menschen, ob diese nun gefährlich sind oder nicht kann ich nicht beurteilen, aber ich denke JA, weil es irgendwie ligisch wäre.
Krebsleiden (zum Beispiel) nehmen stark zu, und alle tun sie so als wüssten sie von nichts ....

Aha, Wir wissen zwar nicht ob es überhaupt schädlich ist,

aber wir brauchen Grenzwerte.

Das Vorsorgeprinzip in all seiner Absurdität.

Bitte recherchieren und Physik lernen!

Selten so einen Blödsinn gelesen!

Aha!


"Ich war beruflich gezwungen, mit dem Schnurlostelefon oder dem Handy länger als zehn Jahre täglich fünf bis sechs Stunden zu telefonieren."

Niemand ist wirklich gezwungen. Und wenn aus irgendwelchen Gründen kein Kabel-Telefon oder eine Handy-Freisprecheinrichtung möglich ist, kann er sich noch immer einen anderen Job suchen.

Re: Aha!

Man merkt, sie waren schon lange nicht mehr draußen...die Welt hat sich verändert.

Smartphone aus Österreich

AnmeldenAnmelden