Das Handy wird zum Kinderspielzeug

20.12.2012 | 18:13 |  von Uwe Fischer (Die Presse)

Auch die Kleinen wollen mit Papas neuem Gadget spielen. Kindersicherheits-Apps sollen dafür sorgen, dass sie dabei nichts ver- oder bestellen können.

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Kleine Kinder lieben es, mit dem Handy zu spielen, die leuchtenden Bildchen, die sich verändern, wenn man darauf herumtippt, faszinieren anscheinend alle Altersschichten. Allerdings kann es schnell teuer werden, wenn der Sprössling ein falsches Icon erwischt und SMS-Abos abschließt, In-App-Käufe tätigt oder Mehrwertdienste aufruft.

Schon für den Normalverbraucher ist es gar nicht so leicht, alle Fallen zu umgehen, mit denen vor allem auf den ersten Blick kostenlose Smartphone-Apps gespickt sind. So wird dem Spieler eines Gratis-Games ein neuer Charakter zum Download angeboten – diesmal natürlich kostenpflichtig. Ein weiterer Fingertipp genügt, und schon hat man das Programm gekauft. Wenn man das Smartphone als Spielzeug oder zur Beruhigung zwischendurch in die Hand drückt, sind unliebsame Überraschungen auf der nächsten Telefonrechnung geradezu programmiert.

 

App sperrt Internet

Zum Glück gibt es Apps, die dieses Problem adressieren: „KidsCare Child Lock“ etwa erlaubt es Eltern, auf ihrem Android-Smartphone eigene Benutzerprofile für jedes Kind anzulegen, und zu definieren, welche App jeweils gestartet werden darf. Innerhalb dieser Apps wird dann der Internetzugriff blockiert – wenn das Kind einen Button anklickt, der eine Online-Verbindung aufbaut, wird dieser Vorgang automatisch abgebrochen. Allerdings sind, wenn das Kind noch nicht lesen kann, Mama oder Papa gefragt, um das blockierte Spiel neu zu starten. Dasselbe gilt, wenn der Junior-User versehentlich den Home-Button drückt – er landet dann auf seinem Startbildschirm mit den erlaubten Apps und muss sein Spiel dort wieder aufrufen. Um den Kinderschutz zu beenden und alle Funktionen des Handys freizugeben, muss ein Passwort eingegeben werden. Das Programm kostet weniger als einen Euro.

Ein ähnliches Konzept verfolgt auch die kostenlose App „Kids Place“: Dieses Programm erlaubt zwar keine unterschiedlichen Profile für mehrere Kinder, dafür haben die Eltern die Möglichkeit, das Verhalten der Software anzupassen, sodass etwa ein Spiel automatisch neu gestartet wird, wenn das Kind die Anwendung versehentlich beendet hat, oder wenn das Programm wegen eines (verbotenen) Internetzugriffs blockiert wurde. Nachteil von Kids Place: Die Software ist in einem fürchterlichen Deutsch verfasst, was vor allem bei Tafelklasslern, die gerade mit dem Lesen begonnen haben, zu schlimmen Verwirrungen führen kann.

Von Kiddoware gibt es auch einen Videoplayer speziell für Kids: Hier können die Eltern auswählen, welche auf dem Handy gespeicherten Filme die Kleinen ansehen dürfen. Die Gratis-App ist derzeit noch im Beta-Stadium.

Alternativ zu den Tools, die den Zugang zu Standard-Apps kontrollieren, sind auch für Babys und Kleinkinder entwickelte Handy-Spiele erhältlich, die von Haus aus mit einer entsprechenden Kindersicherung ausgestattet sind.

Ganz unbeaufsichtigt sollte man die Kleinen aber trotz aller Kindersicherungen nicht mit dem Handy spielen lassen, denn die meisten Geräte sind den etwas raueren Umgangsformen in dieser Altersgruppe nur bedingt gewachsen. Wer seinem Kind zu Weihnachten ein eigenes Handy schenken will, sollte daher sicherheitshalber in ein robustes Outdoor-Handy wie das Galaxy Xcover von Samsung (ohne Vertrag rund 180 Euro) oder das Xperia active von Sony (ab 140 Euro) investieren. Es gibt auch Tablets, die den meisten Kinderhänden gewachsen sind: Das 170 Euro teure Touchlet X5.Outdoor etwa ist zwar für den Einsatz auf Baustellen oder im Forstbetrieb konzipiert, sollte aber auch im Kinderzimmer überleben.

 

Kindersicherung bereits an Bord

Wer seinen Nachwuchs lieber in die Apple-Welt einführen möchte, kann iPhone oder iPad durch entsprechende Schutzhüllen kindertauglich machen. Apple hat seinem Betriebssystem iOS in der Version 6 mit dem Guided-Access-Mode auch eine Art Kindersicherung verpasst, die verhindern soll, dass die Kids die von den Eltern vorgegebene App verlassen und andere Programme starten.

Auch Besitzer von Windows-8-Handys haben es diesbezüglich einfach. Das Betriebssystem bietet mit „Kids Corner“ einen abgesicherten Bereich.

Auf einen Blick

Das Smartphone kindersicher zu machen ist das Ziel von Apps wie „KidsCare Child Lock“ und „Kids Place“, die den Internetzugang und andere sensible Bereiche sperren. Den physischen Belastungen durch Kinderhände sind am ehesten Outdoor-Geräte gewachsen, zur Not hilft eine Schutzhülle.

Windows Phone 8 und iOS 6 von Apple haben mit „Kids Corner“ beziehungsweise „Guided Access“ bereits einen abgesicherten Modus eingebaut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2012)

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12 Kommentare

Kein Wunder, dass es so viele übergewichtige Kinder gibt

Wenn sie ständig zum Kauf von Handys und Computerspiele animiert werden.
Ausserdem ist handystrahlung schädlich. Kinder sollten sich mit der welt da draussen beschäftigen und nicht nur mit virtuellen spielen

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Kindersicherung

Habe ich nun auch auf meiner Kettensäge installiert.
Weil, wenn der Nachwuchs wieder Eifersüchtig ist auf die Geräte die meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und ich ja einfach überfordert bin mit der Erziehung, dann kann ich ihm die Säge ruhig in die Hand drücken um ihn zu besänftigen ohne das er sich oder mir ein Bein absägt....


Das Handy ist eine Seuche.

Wenn man tagtäglich Menschen sieht, die wie paralysiert durch die Gegend irren ohne ihre Umgebung richtig wahrzunehmen, kann man zu keinem anderen Schluss kommen.
Viele von ihnen scheinen ohne Ohrstöpsel und dem briefmarkengroßen Bildschirm in der Hand nicht lebensfähig zu sein.

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Re: Das Handy ist eine Seuche.

Besitzen Sie eines? Wenn ja, ein Smartphone oder eines mit mini-display? Andere können ohne Fernseher nicht überleben?... Ich halte nichts von solchen Pauschal-Verurteilungen.
Es hängt wie so vieles vom vernünftigen Gebrauch ab - die Technik als Fluch & Segen...

Re: Re: Das Handy ist eine Seuche.

Wieso unterstellst Du mir eine Pauschalverurteilung? Das sind einfach geschilderte Tatsachen, die ich jeden Tag beobachten kann.
Und ja, natürlich habe ein Handy, einfach nur, weil es für mich günstiger ist als ein Festnetzanschluß. Die meiste Zeit liegt es zuhause, da ich keine Lust habe immer einen Peilsender mit mir rumzuschleppen.

Re: Re: Re: Das Handy ist eine Seuche.

Peilsender hihi
Du hast ins Schwarze getroffen. Früher haben wir auch ohne Handy überlebt. Ich finde es doof, dass so viele leute ständig mit dem handy rumspielen ohne ihre Umgebung richtig wahrzunehmen

Wozu braucht es "Kindersicherheits-Apps"?

Das Gezuppe hat nicht anzurühren, was nicht ihm gehört. Widrigenfalls kracht's. Aber so etwas wie Disziplin zu vermitteln ist ja nicht politisch korrekt. Da verbarrikadiert man sich lieber elektronisch vor der Brut.

Re: Wozu braucht es "Kindersicherheits-Apps"?

hoffentlich vermehrts du dich nie!!

Re: Wozu braucht es "Kindersicherheits-Apps"?

a wengerl gaga im Hirn??

Re: Wozu braucht es "Kindersicherheits-Apps"?

Ihr Kommentar fällt meiner Meinung nach unter Verherrlichung von Gewalt gegen Kinder. Ich ersetze ihren Text mal durch einige Synonyme:

"Die Weiber haben nicht anzurühren, was nicht ihnen gehört. Widrigenfalls kracht's. Aber so etwas wie Disziplin zu vermitteln ist ja nicht politisch korrekt. Da verbarrikadiert man sich lieber elektronisch vor der Brut."

Autsch: ja, auf einmal klingst doch sehr gewaltverherrlichend. Die Frauen haben sich - im Vergleich zu den Kindern - schon emanzipieren können.

Re: Re: Wozu braucht es "Kindersicherheits-Apps"?

"lisamarie". Auch eine Diagnose. Alles klar.

Wollen mit Gadget spielen - was ist jetzt los?

Will die Presse damit Cool wirken oder hat man jetzt 14 jährige Gesamtschulabbrecher als Zielgruppe entdeckt?

Wobei letzteres glaub ich wäre so oder so hinfällig. Die würden den Text nur verstehen wenn der in Comicform erscheinen würde.

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