Das Netbook wird zu Grabe getragen

05.01.2013 | 18:11 |  von Sara Gross (Die Presse)

Asus ist vor fünf Jahren mit den billigen Mini-Laptops bekannt geworden. Heute surfen Konsumenten lieber mit Tablets.

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Als Asus im Herbst 2007 den ersten Eee PC vorstellte, erahnte wohl kaum jemand die darauffolgende Erfolgsgeschichte. Bereits 2008 hatte der taiwanesische Hersteller mit Lieferproblemen zu kämpfen, selbst in Österreich war der Eee PC 701 binnen Stunden ausverkauft. Das Netbook wurde zur eigenen Gerätekategorie. Den Namen prägte übrigens Intel, der Hersteller des schlanken und günstigen Atom-Chips, der damals Netbooks antrieb und später auch in Tablets zum Einsatz kam. Spätestens 2009 hatte beinahe jeder Hersteller ein ähnliches Mini-Notebook zum Spottpreis im Angebot. Wenige Jahre später ist das „ultimative Gerät für Internet unterwegs“ beinahe in Vergessenheit geraten.


Dann kam das iPad. Bereits Anfang 2011 wurden Gerüchte laut, Acer plane, die Netbook-Produktion „langsam auslaufen“ zu lassen. Von offizieller Stelle wurde das damals umgehend dementiert. Nun soll sogar Asus demnächst die Produktion der billigen Minis einstellen. Nach den Gründen für das Aus muss nicht lange gesucht werden. Seit Apple 2010 das iPad vorgestellt hat, sind die Netbook-Verkäufe rückläufig. Das verwundert kaum, denn die meisten Netbook-Nutzer haben ihre Geräte verwendet, um unterwegs E-Mails zu lesen, kurz im Web zu surfen, oder Filme anzuschauen. Aufgaben, für die Tablets wie gemacht sind. Und die tastenlosen Flachmänner haben weitere Vorteile: Sie lassen sich schneller einschalten, sind schlanker, und der Akku hält in der Regel länger durch. Jene Nutzer, die ihr Netbook auch zum Arbeiten oder Spielen verwenden wollten, stießen bald auf ein anderes Problem: Besonders im Bereich Grafik mussten Hersteller zugunsten des Preises Kompromisse in Kauf nehmen. Vergangenes Jahr ist schließlich auch das letzte Argument für ein Netbook gefallen: Im Herbst präsentierten Hersteller wie Asus/Google oder Amazon Mini-Tablets zu einem vergleichbar niedrigen Preis.


Prophet Steve Jobs.
An den Niedergang der Netbooks wollte 2008 noch kaum jemand glauben. Dennoch gab es Skeptiker, die die Entwicklung geradezu prophetisch vorauszusehen schienen. Ausgerechnet der damalige Chef des Intel-Konkurrenten AMD sah es kommen: Im Jänner 2009 erklärte Dirk Meyer in einem Interview, dass Netbooks in Zukunft von „ultradünnen“, leichten und leistungsstarken Notebooks ersetzt würden, die dann auch zu einem leistbaren Preis angeboten werden können. Angesichts dieser Vorhersage ist es schon beinahe ein wenig komisch, dass wieder Intel die neue Laptop-Klasse prägt: Ultrabook nennt der Chip-Hersteller heute, was die Konkurrenz vor Jahren beschrieben hat. Die Preise sind bloß (noch) nicht ganz dort, wo sich Netbooks bewegt haben. Das aber erkannte 2008 bereits ein anderer Netbook-Skeptiker. Apple-Chef Steve Jobs merkte damals, als er bei einer Quartalspressekonferenz nach einem möglichen Apple-Netbook gefragt wurde, an: „Wir wissen nicht, wie man einen 500-Dollar-Computer baut, der nicht völlig unbrauchbar ist.“ Diesem Grundsatz ist Apple bis heute treu geblieben, obwohl so manches Ultrabook vermuten lässt, dass technisch Brauchbares durchaus günstiger sein kann. Wer nach wie vor bloß ein bisschen im Internet surfen und E-Mails abrufen will, braucht dem billigen Netbook ebenfalls nicht hinterherzutrauern: Das macht selbst mit den billigsten Tablets (auch dafür gibt es Tastaturen) mehr Spaß als mit Windows XP.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

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1 Kommentare
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Die ganze Technik steckt noch in den Kinderschuhen.

Das wird auch in 100 Jahren noch so sein. Außer man erfindet Computer, die gar keine mehr sind. Nicht auszuschließen.

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