CES 2013: Darf's noch ein Meter mehr sein?

10.01.2013 | 18:29 |  von Andreas Tanzer (Die Presse)

Im Mittelpunkt der Consumer Electronics Show in Las Vegas steht wieder einmal der Fernseher: etwas smarter, viel schärfer - und fast schon absurd groß.

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Das Hightech-Jahr startet traditionell in der zweiten Jännerwoche, und zwar mit der CES in Las Vegas, die heuer vom 8. bis 11. Jänner stattfindet. Auf der Consumer Electronics Show präsentieren die Größen der Unterhaltungselektronik, Telekomindustrie und IT aktuelle Neuheiten und geben damit die Trends für das restliche (Halb-)Jahr vor.

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Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht wieder einmal der gute alte Fernseher. Auch wenn das „größer, schärfer, smarter“ der TV-Hersteller bekannt klingt, so handelt es sich diesmal nicht um marginale Verbesserungen, sondern um echte Innovationen. Das gilt vor allem für die Auflösung, die sich mit Ultra High Definition (UHD), auch 4K genannt, im Vergleich zu Full HD vervierfacht. Sony, LG, Sharp und Toshiba hatten bereits im Vorjahr UHD-TVs mit bis zu 84 Zoll gezeigt.

 

Fernseher mit 110 Zoll

Nun haben Samsung sowie der chinesische Hersteller Hisense noch etwas draufgelegt und präsentierten 4K-Fernseher mit gigantischen 110 Zoll (2,80 Meter). Auch TLC brachte seinen bereits in Peking präsentierten 110-Zöller mit 4K nach Las Vegas.

Zu Preisen und Verfügbarkeit gibt es aber nur Anhaltspunkte. So baut der US-Hersteller Westinghouse auf Bestellung einen 110-Zöller mit UHD – für 300.000 Dollar. Da wirken die 25.000 Dollar, die der 84-Zöller von Sony in den USA kostet, geradezu moderat. Nicht zuletzt wegen der für die meisten Interessenten unerschwinglichen Preise bieten sowohl Samsung als auch Hisense kleinere UHD-Modelle an. Sony und Sharp gehen bei den 4K-Fernsehern ebenfalls Richtung kleinere und damit für den Konsumenten relevantere Diagonalen. Sony hat UHD-Fernseher mit 65 und 55, Sharp mit 60 und sogar mit 32 Zoll vorgestellt. Wobei die 4K-Auflösung bei Geräten unter 55 Zoll nur sinnvoll erscheint, wenn sie auch als PC-Monitor genutzt werden.

Die wahre Krux bei UHD liegt aber woanders: Wie schon bei 3-D – das im Übrigen endgültig zum Randthema verkommen ist – preschen auch hier die Fernsehhersteller vor, ohne dass es ein Angebot an passendem Videomaterial gibt. Sony will im Sommer in den USA ein Downloadservice starten sowie eine Leihbox mit UHD-Filmen anbieten. Dennoch dürfte es noch einige Jahre dauern, bis ein breites Angebot an UHD-Content verfügbar ist – wenn überhaupt. Wegen der notwendigen Dateigrößen sind nicht zuletzt die Internetbandbreiten ein Flaschenhals für Video-On-Demand-Angebote in UHD. Das hindert Sharp nicht daran, bereits Prototypen mit 8K-Auflösung, also dem Doppelten von UHD, vorzuführen.

Auch wenn UHD – mit dem passenden Demomaterial und auf entsprechend großem Fernseher – tatsächlich beeindruckend ist, ist es fraglich, ob und wann es mehr als ein Nischenangebot sein wird. Rascher können Konsumenten mit dem nötigen Kleingeld die Vorzüge von OLED genießen. Die ultradünnen, kontrastreichen Displays mit organischen Leuchtdioden sind der zweite große Hype am Fernsehsektor und sollen à la longue die heutigen LCD-Schirme ablösen. Eigentlich schon für das Weihnachtsgeschäft angekündigt, wurde etwa der 55-Zoll-OLED von LG nun für März versprochen. Er soll in den USA 12.000 Dollar kosten.

 

IMAX-Trick im Wohnzimmer

Als CES-Neuheiten stellten LG und Samsung OLED-TVs vor, die wie IMAX-Leinwände leicht nach innen gewölbt sind, damit der Abstand zwischen Betrachter und jedem Bildpunkt möglichst gleich ist. Auch Sony und Panasonic, die in der OLED-Produktion zusammenarbeiten, haben auf der CES Fernseher mit der neuen Technologie vorgestellt. Beide japanischen Unternehmen kombinieren OLED und UHD in einem Gerät. Die UHD-OLED-Geräte von Sony und Panasonic sind mit 56 Zoll wohl nicht zufällig noch einen Tick größer als die OLED-TVs der Koreaner – es geht eben doch um Zoll und Zentimeter.

Eine exotische technische Alternative präsentiert LG mit dem „Laser TV“. Dabei handelt es sich genau genommen um einen Laserprojektor, der aus kurzer Distanz – etwa 50 cm – auf eine 100 Zoll große schwarze Spezialleinwand wirft.

Im Inneren werden die Fernseher immer smarter und leistungsstärker. Samsungs F8000 ist der erste Fernseher mit Quadcore-Prozessor und erleichtert gleich auf zweifache Weise die Programmwahl: Er schlägt auf Basis der Sehgewohnheiten Sendungen vor, und wenn sich zwei nicht einigen, dann können sie mittels Spezialbrillen zwei Sendungen gleichzeitig auf einem Schirm verfolgen – ein Nebenprodukt der 3-D-Technik, die bei einigen Herstellern auch in Form von „Dual Play“ wiederverwertet wird. Hier können zwei Spieler am selben Schirm ein Videospiel jeweils aus ihrer Perspektive spielen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2013)

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