Fernsehbildschirme werden scharf und rund

Die südkoreanische Phalanx aus Samsung und LG eröffnet mit der nächsten TV-Generation die Milliardenschlacht gegen japanische und europäische Anbieter.

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Visitors look at latest Samsung products during opening day of IFA consumer electronics fair in Berlin – REUTERS

Berlin. Alles ist smart in dieser Welt – nicht mehr nur kleine Autos und Handys. Auch Fernsehgeräte. Sie können schon länger mehr als nur Filme und Videos wiedergeben. Künftig werden sie scharf – noch schärfer – und vor allem rund, wie man dieser Tage auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin sehen konnte. Noch etwas zeichnete sich in Berlin deutlich ab: Die Konzerne aus Asien, allen voran Samsung und LG aus Südkorea, heizen die Schlacht gegen den Rest der Welt der TV-Hersteller an. Auch Sony will da mithalten – und weniger klingende Namen wie die China-Größe Hisense, die mithilfe des angeschlagenen deutschen Traditionshauses Loewe auf den europäischen Markt drängt.

4K heißt das eine Zauberwort für das Fernsehen der Zukunft: 4K – das bedeutet 4000 Bildpunkte in der Breite. Damit steigt nicht nur die Schärfe, sondern auch die Farbbrillanz. Ultra High Definition (UHD), wie diese Technologie heißt, lässt die gerade erst als letzter Schrei gepriesenen HD-Geräte alt aussehen.

 

Wohnzimmertauglicher Abstand

Die immer größer werdenden Flachbildschirme, die laut den Herstellern für gute Verkaufszahlen sorgen, beantworten auch die Frage, wozu 4K notwendig ist: Die hohe Auflösung erlaubt auch bei Riesendisplays wohnzimmertaugliche Betrachtungsabstände. Wer also im Kino gern vorn sitzt, gehört zu der Zielgruppe.

Die zweite Revolution heißt OLED. Geräte mit diesen gewölbten Bildschirmen waren auch auf der IFA rar, aber umso mehr Interesse lösten sie aus. Die Pioniere heißen einmal mehr Samsung und LG. Das Novum ist dabei nicht einmal so sehr die gerundete Oberfläche, sondern eine völlig neue Technik: Statt der Flüssigkristalle, die in bisher üblichen Flachbildschirmen stecken, haben die neuen Modelle organische Leuchtdioden (OLED). Die auf Kohlenstoff basierenden Dioden leuchten zu dem selbst und sparen daher auch noch Energie. Noch schärfer, noch lebendiger, noch leuchtendere Farben– diese fantastische Qualität soll es schon in wenigen Jahren geben.

Noch gibt es nur wenige Modelle, und die sind sehr teuer. LG verlangt für ein Gerät mit 55 Zoll knapp 9000 Euro, ein Samsung-Gerät gibt es mit 8000 Euro etwas billiger. Und für das hochauflösliche 4K-TV fehlen die Inhalte. Weder Kabel noch Silberscheibe sind für 4K gerüstet. Standards und Codecs, die die Datenraten bändigen können, werden gerade erst finalisiert. Immerhin, Pay-TV-Anbieter Sky demonstrierte mit Astra eine 4K-Übertragung via Satellit.

Eines scheint klar: Die neuen Technologien dürften auch in der Industrie die Spreu vom Weizen trennen. Während alle LCD-Hersteller Probleme haben, Gewinne zu machen, sagt der Marktforscher Display-Search OLED eine große Zukunft voraus. Bis 2015 sollen rund 1,8 Millionen Geräte verkauft werden. „Wenn wir uns das aufteilen, ist das wunderbar“, sagte dazu Moon Ik Jang, Spartenchef bei LG Electronics. Von den etablierten Konkurrenten aus Japan und Taiwan hat noch keiner einen marktreifen OLED-Apparat vorgestellt. Viele können sich die Entwicklung schlichtweg nicht leisten.

 

Nur große Stückzahlen bringen Rendite

LG hat allein zehn Mrd. Euro in den Aufbau der Fertigung gesteckt. Nicht weniger dürfte es bei Samsung sein. „Wir haben viele Milliarden investiert, eine gigantische Summe“, sagte Hyunsuk Kim, der die Samsung-TV-Sparte leitet. Nur große Stückzahlen machen diese Summen rentabel. Also hoffen beide Konzerne auf einen Absatzschub.

Doch Samsung und LG denken bereits über die etablierten Formen hinaus. „Faltbare und transparente OLED-Bildschirme sind im Labor“, ließ sich Kim in die Karten blicken. LG interessieren vor allem transparente Schirme. Damit ließe sich etwa das TV-Gerät in ein Fenster einpassen. Ist der Apparat abgestellt, fällt ganz normal Tageslicht in den Raum. Bei angeschaltetem Gerät verwandelt sich das Fenster in einen hochauflösenden Fernseher. Knickbare, rollbare, faltbare Displays wären eine wirkliche Revolution für das Fernsehen.

Der Autor besuchte auf Einladung von Sony die IFA in Berlin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2013)

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