Wer seinen Urlaub schon im Auto entspannt angehen will, auf zerknüllte Straßenkarten und Streits um die beste Route verzichten kann, ist mit einem Navigationsgerät meist gut bedient. "In 100 Metern rechts abbiegen", heißt es dann - und der Orientierungssinn darf getrost zu Hause bleiben. Nicht überall in Europa kann man sich aber auf die freundliche Stimme verlassen, weiß Erich Guzmits, Geschäftsleiter des GPS-Fach-Shops "GPS World" in Wien-Neubau. Griechenland war bis vor einem Jahr noch ein weißer Fleck auf der digitalen Karte, von Tirana gibt es keinen genauen Stadtplan.
Während der Großteil Westeuropas hausnummerngenau erfasst ist, sei man in Weißrussland, in der Ukraine, in Moldawien, in Serbien, Bosnien, Montenegro, Mazedonien und Albanien mehr oder weniger auf sich allein gestellt. "Die Hauptverkehrsrouten sind zwar grob eingezeichnet, aber es gibt keine Stadtpläne", erläuterte Guzmits. Von Rumänen, Bulgarien und vom Baltikum kennen etwa die Wegweiser des US-Herstellers Garmin immerhin die großen Städte mit ihren Hauptverkehrsverbindungen.
Zu mehr als 50 Prozent sind der östliche Teil Tschechiens, die Slowakei, Ungarn und Slowenien erfasst. Garmin, das derzeit mit dem niederländischen Unternehmen TomTom in Österreich um die Marktführerschaft buhlt, bietet laut Guzmits jedoch Zusatzkarten von einigen osteuropäischen Ländern (für je ca. 150 Euro).
Griechenland: Selbst bei Papierkarten geizig
Ein Sonderfall ist Griechenland. Erst seit heuer gibt es, zumindest bei Garmin, detaillierte Karteninformationen von dem Südstaat. Die lange Geheimhaltung erfolgte aus militärischen bzw. politischen Gründen, so Guzmits. Selbst Papierkarten von Griechenland waren bei weitem nicht so genau wie etwa Pläne von Österreich, sagte Michael Schellnegger, Marketingleiter der Grazer Firma Puls Elektronik, österreichische Repräsentanz des US-GPS-Herstellers Garmin. Zu den Olympischen Spielen 2004 hat man laut Guzmits schließlich begonnen, den Großraum Athen und die Halbinsel Peloponnes zu digitalisieren. Der Kartenhersteller Navteq habe in Griechenland "keinerlei Beschränkung" bei der Erfassung von Daten, sagte Sprecherin Bianca Wagner.
Indien: Karten-Verbot für Touristen
"Noch sturer" hinsichtlich der Herausgabe genauer geografischer Daten sei die Türkei. "Es gibt nur sehr grobe Pläne", sagte Guzmits. Dies bestätigte auch Wagner: Eine Straßenbefahrung zur Datenerfassung müsse vorher bei den Behörden angemeldet werden. Weiters dürfen nur bestimmte GPS-Geräte genutzt werden. In Indien sei es laut Guzmits sogar Touristen verboten, eine Karte mit genauerem Maßstab als 1 : 500.000 zu besitzen. Vor allem über das Grenzgebiet zu Pakistan hülle sich das Regime in Schweigen.
Die "alten" EU-Staaten seien detailliert abgedeckt, lediglich in Teilen Irlands, im Norden Finnlands und in Südspanien könne es passieren, dass der ein oder andere Feldweg nicht eingezeichnet ist. Prinzipiell seien digitale Karten "genauso alt wie ein Buch". Um auch über neu erbaute Straßen informiert zu sein, sollte jedes Jahr ein Update eingespielt werden. Dieses wird von vielen Geräteherstellern auf DVD angeboten und kostet rund 100 Euro.
TMC: Staus erkennen und umfahren
Für ein Navigationsgerät der unteren Preisklasse müssen rund 200 berappt werden. Ab etwa 350 Euro bekommt man einen Lotsen der Mittelklasse. Diese sind meist mit einem sogenannten Traffic Message Channel (TMC), mit dem Staus umfahren werden können, ausgestattet. Ein eingebauter TMC-Empfänger liefert die Informationen über Verkehrsbehinderungen an das Gerät, welches den Stau dann in drei Qualitätsstufen anzeigt. Auf dieser Grundlage kann der Lenker entscheiden, ob er auf Grün warten will oder gleich ausweicht.
Viele haben auch eine Routenplanungsfunktion, zeigen also an, in welcher Reihenfolge mehrere Adressen angefahren werden sollten. "Das ist für Lieferanten sehr praktisch", führte Guzmits aus. Navis ab 600 Euro fungieren mitunter auch als Handy-Freisprecheinrichtung oder MP3-Player und verfügen über Bluetooth und Spracheingabe.