WIEN (p. m.). Es war ein langer Weg vom „Schlepptop“ jenseits von zehn Kilogramm zum Netbook mit einem Zehntel des Gewichts. Laut bösen Zungen nähert sich der neue „Small Form Factor PC“ auch in der Leistung den Ungetümen der IT-Urzeiten...
Vom Gratishandy zum Gratis-PC – so ließe sich die neueste strategische Linie der Mobilfunker nachzeichnen. Handys werden für alle möglichen Zwecke verwendet, nur nicht zum Surfen im Internet. Notebooks mit Datenkarte sind für professionelle Anwender akzeptabel, aber zu aufwendig, zu schwer und zu kompliziert, um massentauglich zu sein. Da kam der Branche eine völlig neue Miniaturisierungswelle entgegen.
Startsignal mit „Eee PC“
„Erfinder“ des ultratragbaren Notebooks ist der taiwanesische Hersteller Asus. 2007 brachte dieser unter dem Namen „Eee PC“ ein Gerät auf den Markt, das drei gravierende Vorteile gegenüber dem großen Bruder Notebook hat: sehr kurze Startzeiten, extreme Schlagfestigkeit, rund fünf Stunden Akkulaufzeit und das Gewicht knapp über tausend Gramm. Die Nachteile: kleiner Monitor, langsamer Prozessor, ein Bruchteil der Speicherkapazität.
Ein derart „abgemagertes“ Gerät von Asus hat T-Mobile Austria am Donnerstag vorgestellt und damit Marktführer Mobilkom den Kampf angesagt. Die Tochter der Telekom Austria bietet nämlich seit 1. Oktober ein „A1 Netbook“ unter der Microsoft-Typenbezeichnung Q10air. Auf den ersten Blick sehen die Offerte vergleichbar aus: Die Geräte sind „geschenkt“, wenn ein 24 Monate laufender Vertrag abgeschlossen wird. Der monatliche Tarif kostet bei T-Mobile 25 Euro für zehn Gigabyte, bei Mobilkom 29 Euro für die Hälfte dieser Datenmenge.
„Streng durchkalkuliert“
„Das ist ganz streng durchkalkuliert“, sagte T-Mobile-Chef Robert Chvátal am Donnerstag vor Journalisten: Ziehe man den Netbookpreis ab, bleibe ein „Netto-Datentarif von 8,70 Euro monatlich“.
Beim Asus ist die neueste Funkverbindungstechnologie ebenso integriert wie die SIM-Karte. Das Gerät läuft auf dem Betriebssystem Linux und hat statt einer Festplatte eine Solid State Disc. Das garantiert schnelle Startzeiten, beschränkt aber die Speicherkapazität auf nur 16 Gigabyte. Deshalb stehen jedem Kunden zusätzlich 20 Gigabyte Web-Platz zur Verfügung. Ganz anders das Mobilkom-Gerät: Es ist dank der Microsoft-Kooperation mit Windows ausgerüstet und hat eine Festplatte mit 160 Gigabyte.
Der Datenverkehr der neuen Netbooks – inzwischen gibt es sie von fast allen PC-Herstellern – soll die Mobilnetze auslasten helfen. Chvátal will die Nutzung mobiler Breitbandtechnologien bis 2010 verfünffachen. Gegenwärtig habe die Österreichtochter des deutschen Konzerns rund 200.000 Breitbandkunden und sei mit 27 Prozent Marktführer. Während Mobilkom und Microsoft mit ihrem „Fast-Notebook“ auf Firmenkunden zielen, wollen T-Mobile und Asus „alle Käuferschichten ansprechen“. Der neue Eee PC sei vor allem als Zweitgerät konzipiert, meinte Holger Schmidt, Marketingchef von Asus Deutschland. „Aber für Normalverbraucher reicht er auch als Notebook.“
■Die Mobilfunker buhlen um Kunden, die mit Datenkommunikation ihre Netze füllen. Notebooks mit Datenkarte sind nur Profis zumutbar, Handys als Surf-Instrument sind auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Die neueste Waffe der Marktführer Mobilkom und T-Mobile heißt Netbook: Der kleine Bruder des Notebooks wird für einen Zweijahresvertrag „verschenkt“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2008)

Netbooks: Die aktuellen Mini-Laptops
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