WIEN. Österreichs Handytelefonierer wissen gar nicht, was ihnen durch die Null-Euro-Politik ihrer Betreiber alles entgeht: Sie versäumen den rasanten Preisverfall der Geräte der obersten Kategorie, der sogenannten Smartphones. Anfang 2006 kündigten die Industrieriesen mit Handyweltmarktführer Nokia an der Spitze eine Initiative an, die den Entwicklungszyklus um die Hälfte reduzieren und Smartphones „radikal“ verbilligen sollte. Damals ging es um das Erreichen der 300-Euro-Schranke.
Heuer, nur drei Jahre später, kosten bereits 27Prozent aller Smartphones weniger als 200Dollar (134,82Euro), wie aus einer Studie der Marktforscher von ABI Research hervorgeht. In knapp fünf Jahren soll der Anteil dieser „Mittelklasse-Smartphones“ bei 45Prozent liegen. Österreicher werden es kaum merken, zahlen sie doch für die jeweils neueste Generation immer null Euro.
Der Preisverfall durch die Standardisierung geht mit einer radikalen Änderung im Nutzerverhalten einher. „Beinahe alle Konsumenten entschieden sich für ein Handy aufgrund der physischen Charakteristik der Hardware (wie Design, Anm.) nicht der Software“, sagt Kevin Burden, Direktor für „mobile devices practice“ bei ABI Research. Das habe sich mit Apples Kulthandy iPhone grundlegend geändert: Die Zahl der Käufer, die auf Betriebssystem und Anwendungen achten, steige schnell.
Folge: Immer mehr Smartphones und auch herkömmliche Handys tragen ähnliche Preisschilder. Dafür sorgen – wie in Österreich – oft auch anderswo die Netzbetreiber, indem sie die Preise stützen und dafür die Kunden mit Ein- oder Zweijahresverträgen an sich binden. Aber ABI Research hat nicht die Subventionen verglichen,sondern die realen Preise – und bei denen werden die Unterschiede dank der industriellen Kooperationen kleiner.
Ein Drittel des Preises für Design
Am obersten Ende der Preisskala gibt es nur wenige absolut unsubventionierte Geräte. Entweder sind sie vom Leistungsangebot her zu teuer, oder die Kooperation des Herstellers mit einem Modelabel bzw. einem Designer macht sie zu Schmuck. Wie der Österreicher Peter Flaggl alias Aloisson: Seine diamantenbesetzten Handys kosten mehr als gewichtige Halsketten samt Ohrringen.
Apropos Designer: Aloissons in der Industrie beschäftigte Kollegen scheinen ebenfalls das große Los gezogen zu haben, will man einer Zusammenstellung des Onlinedienstes Cellular-News glauben. Demnach macht Design rund ein Drittel des Preises eines Smartphones aus. Die Lohnkosten in der Produktion liegen mit drei bis fünf Prozent extrem niedrig. Sie schwanken je nach Produktionsort: In sogenannten Billiglohnländern ist der Anteil der Handarbeit höher, weil die Konzerne die extrem teuren automatischen Produktionsstraßen lieber anderswo einsetzen. Der „Rest“ des Gestehungspreises ergibt sich aus der Hardware (35 bis 50Prozent), dem Betriebssystem samt Bedieneroberfläche (fünf Prozent) und sehr unterschiedlichen Handelsspannen. Was nicht im Chip programmiert ist, gibt es nicht.
Laut ABI Research werde es nicht mehr bis 2014 dauern, bis die ersten Smartphones um 100 Dollar auf den Markt kommen. Allerdings ist Burden überzeugt: „Wir werden nie ein Smartphone um 30Dollar erleben“ – außer in Österreich, könnte noch hinzugefügt werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2009)

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