Ars-Electronica: Tanz mit dem Roboter

Der Star des diesjährigen Ars-Electronica-Festivals ist Asimo. Er gilt als Vorläufer jener zweibeinigen, humanoiden Roboter, die in Zukunft in unseren Alltag integriert werden sollen.

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Asimo – (c) APA/HONDA (HONDA)

Wir sind überglücklich“, sagt Horst Hörtner. Sehr viel mehr darf der Leiter des Futurelab, jenes Teils des Linzer Ars Electronica Centers, in dem die Forschungs- und Entwicklungsabteilung angesiedelt ist, über die näheren Umstände des bisher wichtigsten Deals seiner Laufbahn nicht erzählen. Außer vielleicht, „dass es um die Zukunft der Robotik geht“.

Was Hörtner davon abhält, weiter ins Detail zu gehen, ist ein striktes Non Disclosure Agreement: eine vertraglich vereinbarte Verschwiegenheitspflicht, die sich auf fast alle Bereiche der Zusammenarbeit mit dem sensiblen japanischen Kooperationspartner Honda bezieht. Sein Glücksgefühl allerdings kann er kaum verheimlichen: Man sieht es Hörtner an, wenn er in dem als Hybrid zwischen Künstleratelier und Forschungslabor entwickelten Futurelab mit seinen glatten, in Weiß und Grau gehaltenen Oberflächen vom humanoiden Roboter Asimo („Advanced Step in Innovative Mobility“) spricht.

Immerhin gilt die zweibeinige Maschine in Forscherkreisen als Vorläufer jener Gehroboter, die in Zukunft Menschen beim Bewältigen ihres Alltags – bei Arbeiten im Haus oder bei der Pflege von bettlägerigen und auf einen Rollstuhl angewiesenen Personen – helfen sollen. Asimo steht im Zentrum der Forschungszusammenarbeit mit Honda, ist der bedeutendste Roboter seiner Art, der bisher gebaut wurde. Er entstand als Höhepunkt einer über zwanzigjährigen Forschung auf dem Gebiet der Robotik, ist 1,30 Meter groß, wiegt 54 Kilogramm und wird beim diesjährigen Ars-Electronica-Festival erstmals in Österreich einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Keine kritiklose Affinität. Asimo hat sich der menschlichen Mobilität so sehr wie nie zuvor angenähert. Er öffnet Türen, drückt Lichtschalter, kann Hindernissen ausweichen, Einkaufswagen schieben und Stiegen benützen. Seine Daumen agieren menschenähnlich, er hört auf seinen Namen und wendet sich, wenn er angesprochen wird, seinen Gesprächspartnern zu. Beim Festival soll Asimo sogar mit den Besuchern tanzen können. Allerdings nur, solange seine 51,8-Volt-Lithium-Ionen-Batterie hält. Nach 40 Minuten weicht alles Leben aus dem Roboter und Asimo fällt in den tiefen Schlaf seiner Maschinenexistenz.

Womöglich schläft Asimo nun in den streng abgeschirmten Räumen im Untergeschoß des Futurlab? „Er ist schon in Linz eingetroffen“, wo er sich aber aufhält, darüber darf Hörtner ebenfalls nicht sprechen, bedauert er. Allerdings sei er an Diskretion gewöhnt, Verschwiegenheitspflicht gilt auch für viele andere Projekte, an denen er und sein aus sieben Nationen stammender, 32 Mitarbeiter starker Stab aus Computerkünstlern, Informatikern, Game-Entwicklern, Architekten, Soziologen oder Kunsthistorikern forschen: „Aufgabe des Labors ist nicht die Produktherstellung, sondern die Prototypen- und Konzepterstellung. Was unsere Arbeit interessant macht, für Ausstellungen, aber vor allem auch für die Industrie, ist, dass wir prototypische Installationen herstellen, die tatsächlich funktionieren.“

Was dabei herauskommt, landet zum Beispiel als Autonavigationssystem bei Siemens, als Newspaper-Reader bei Vodafone oder in internationalen Ausstellungshäusern. Ziel sei es allerdings nicht, „aus reiner Technologie-Affinität alles technologisch Mögliche zu machen“, sondern einen kritischen Ansatzpunkt in diese Projekte hineinzutragen, Warnungen zu positionieren und auf Missbrauchsmöglichkeiten hinzuweisen. Der Ansatz sei wie beim Ars-Electronica-Festival, das heuer von 2. bis 9. September stattfindet, ein gesellschaftspolitischer.

Einblick in diese gesellschaftspolitische Dimension moderner Technologien soll beim diesjährigen Festival die Pixelspaces Conference (4. und 5. September) bieten. Eines der diskutierten Themen der öffentlich zugänglichen Konferenz zwischen Wissenschaftlern, Technikern und Künstlern wird im Jahr der Ankunft Asimos natürlich die Robotik sein: „Es geht dabei darum, wie humanoide Roboter in unser Alltagsleben integriert werden können und darum, wie man die Akzeptanz der Menschen im Zusammenleben mit Robotern beeinflussen kann.“ Pixelspaces widmet sich auch den Fragen der zusehends verwischten Grenzen zwischen Realität und Virtualität oder der Digital Gap, jener Schere, die zwischen hoch digitalisiertem, urbanen Raum und unerschlossenen Gebieten immer weiter auseinandergeht.

„Wir haben einen Bildungsauftrag“, sagt Hörtner zum Hintergrund seiner Arbeit: „Die Ars Electronica und das Futurelab versuchen, Verständnis zu schaffen und zu informieren.“ Was Robotik, Datenschutz, Gentechnik oder Biotechnologie betrifft, sei „noch lange nicht alles auf dem Tisch“, erklärt Hörtner: „International werden massiv Technologien eingesetzt, die überhaupt nicht im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen sind und über deren Folgen aus diesem Grund auch zu wenig Diskussion stattfindet.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2010)

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