ZTE: Android-Tablet aus China kommt nach Österreich

22.11.2011 | 09:29 |   (DiePresse.com)

Der chinesische Hersteller ZTE fürchtet sich in Europa vor Patentrechtsklagen und kommt mit ganzen Heerscharen von Anwälten.

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Der chinesische Mobilfunkausrüster und Handy-Hersteller ZTE setzt zur Eroberung der westlichen Handy-Märkte an. Die ersten LTE-Tablets mit Android-Betriebssystem von ZTE sollen Anfang 2012 auch in Österreich auf den Markt kommen. Bei Tablet-Computern werde man noch etwas Zeit brauchen, um Marktanteile gewinnen zu können, sagte der Österreich-Chef von ZTE, Xiao Ming. "Bisher verkauft sich nur das iPad wirklich gut", so Ming. Auch Samsungs "Galaxy" habe noch nicht abgehoben.  

Gemessen an den Absatzzahlen sieht sich ZTE derzeit als Nummer 4 der Welt, hinter Nokia, Samsung und LG, aber noch vor Apple - wobei die Amerikaner mit ihren teureren Geräten jedoch einen wesentlich höheren Umsatz erzielen. Noch Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres werde man LG beim Absatz überholen. Nokia sei bereits auf dem absteigenden Ast, Samsung habe seinen Zenit hingegen noch nicht erreicht.

Ab Anfang 2012 will ZTE beginnen, seine Handys verstärkt unter dem eigenen Namen zu vermarkten. In Österreich hat der Lebensmitteldiskonter Hofer bereits seit diesem Sommer das "ZTE Blade" im Angebot, beim Mobilfunker Orange wird es unter dem Namen "San Francisco" verkauft. Insgesamt werde man heuer nach Österreich 300.000 Geräte liefern, davon etwa die Hälfte Handys, sagte Ming. Nächstes Jahr sollen es 400.000 Geräte werden.

Angst vor Patentstreitigkeiten

 

Bei der Eroberung des europäischen Marktes setzt ZTE nicht nur massiv auf Forschung und Entwicklung, sondern auch auf ganze Heerscharen von Patentanwälten. Für den Chef der Patentrechts-Abteilung von ZTE, Eric Liu, sind Europa und die USA "Hochrisiko-Regionen", wenn es um die Gefahr geht, wegen angeblicher Patentrechtsverletzungen verklagt zu werden. Die Kosten solcher Rechtsstreitigkeiten sind hoch - die Rechtsabteilung von ZTE beschäftigt rund 200 Leute, wie Liu vor österreichischen Journalisten in Hongkong berichtete. Ein Drittel der 87.000 Mitarbeiter arbeiten in der Forschung und Entwicklung.

Insgesamt habe ZTE 35.000 Patente angemeldet, davon 235 für den neuen Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution), berichtete Liu. Eine der wichtigsten Maßnahmen gegen Patentrechtsklagen von Mitbewerbern seien daher Gegenklagen wegen der Verletzung eigener Patente. So sei z.B. China für Nokia ein wichtiger Markt, wodurch man einen wichtigen Hebel gegen den Mitbewerber in der Hand habe, sagte Liu. Aktuell kämpft ZTE an mehreren Fronten gleichzeitig, Rechtsstreitigkeiten gibt es u.a. mit Ericsson in Großbritannien, Italien und Deutschland. Aber auch am Heimmarkt China wird mit harten Bandagen gekämpft, dort liegt man im Streit mit dem größeren Widersacher Huawei. Schauplätze der Auseinandersetzung mit Huawei sind u.a. auch Frankreich und Deutschland. Die Diskussion, ob man an Microsoft Gebühren für Handys mit dem Betriebssystem Android bezahlen muss, sei noch nicht entschieden, sagte Liu.

Huawei: Konkurrenz aus China in Österreich

"Wir lieben den Wettbewerb", sagt der Österreich-Chef von ZTE, Xiao Ming. "Wettbewerb tut weh, lässt einen aber auch besser werden." Die Medienberichte, wonach sich der Konkurrent Huawei in Österreich Aufträge mit zweifelhaften Provisionszahlungen erkauft haben soll, wollte Ming nicht direkt kommentieren. Nur so viel: "Wir arbeiten transparent, wir haben es nicht nötig zu bestechen."

ZTE (Zhong Xing Telecommunication Equipment Company Ltd.) ist an der Börse in Hongkong (seit 2004) und an jener der chinesischen Sonderwirtschaftszone Shenzhen (seit 1997) gelistet, zwei Drittel der Aktien befinden sich im Streubesitz. 2010 hat das Unternehmen Umsatzerlöse von insgesamt mehr als 10 Mrd. US-Dollar (7,37 Mrd. Euro) erwirtschaftet, 54 Prozent davon außerhalb Chinas. Am europäischen und US-amerikanischen Markt legte ZTE im Vorjahr beim Umsatz um 50 Prozent zu, beide Märkte zusammen sind für ein Fünftel des ZTE-Gesamtumsatzes verantwortlich. Im ersten Halbjahr 2011 fiel der Gewinn des Unternehmens wegen des harten Preiskampfs jedoch um 12 Prozent auf 769 Mio. Yuan (derzeit 89,5 Euro). Der Umsatz legte dagegen um rund 22 Prozent auf knapp 4 Mrd. Euro zu.

(Ag. / Red. )

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