Kamera: Vernetzt auf Kundenfang

19.01.2012 | 18:15 |  Von Andreas Tanzer (Die Presse)

Die Hersteller wollen unter anderem mit Wifi-Konnektivität Kunden locken. Das Traditionsunternehmen Kodak musste indes das Handtuch werfen

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Zu Jahresanfang werden traditionell die Frühjahrskollektionen der Kamerahersteller präsentiert. Für die Branche beginnt 2012 aber mit einem Abschied. Der einstige Pionier und Branchenriese Kodak hat vorgestern Insolvenz angemeldet (siehe Seite18). Noch auf der CES, Anfang Jänner, hat das Unternehmen eine Reihe neuer Kompaktkameras vorgestellt, unter anderem die Easyshare M750 mit WLAN–Modul, die sich abseits von Hotspots mit Smartphones verbinden und so auch Mobilfunknetze zum Hochladen der Aufnahmen nutzen kann.

 

Kamera mit Android-Apps

Noch näher am Handy ist die Kamera eines Unternehmens, das ebenfalls bereits bessere Tage gesehen hat. Polaroid präsentierte mit der SC1630 eine Einsteigerkamera mit Android 2.3. Mittels eingebautem WLAN kann sie nicht nur Bilder weitergeben, sondern auch Apps laden. Eine geplante Version mit Handyfunktion wurde nicht realisiert.

Von den großen Herstellern setzt vor allem Samsung auf Vernetzung. Neben den Einsteigerkameras ST66 und ST77 mit respektabler Lichtstärke ab 2.5 wurden vier Modelle mit WLAN vorgestellt, wie die DV300F mit zusätzlichem Frontmonitor oder die ST200F mit Zehnfachzoom. Die größte Aufmerksamkeit galt den Modellen WB850F und WB150F, mit 21- beziehungsweise 18-fach-Zoom. Die Samsung-Kameras können ihre Aufnahmen nicht nur auf Facebook und Fotoportale, sondern auch in einen fünf GB großen Cloud-Speicher laden.

Zu den interessantesten Kameras ohne WLAN gehört die Powershot G1X. In der Tradition der Powershot-G-Modelle verfügt die robuste, gerade noch kompakte Kamera über zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten. Allerdings ist der Sensor deutlich gewachsen. Damit weckt die G1X Assoziationen an Systemkameras und schreit geradezu nach einem Wechselobjektiv. Canon verweigert sich – als letzter großer Hersteller – standhaft dem Trend und verpasste der G1X ein fix montiertes Objektiv mit Vierfachzoom. Erklärung: Die G1X ist nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu einer Spiegelreflexkamera gedacht. Auch löst sie die G12 mit kleinerem Sensor nicht ab, sondern wird parallel dazu verkauft. Der Preis liegt bei 750 Euro. Zugleich hat Canon zwei neue Ixus-Modelle vorgestellt, die Einsteigerkamera 125HS sowie die Ixus 500HS, die in ihrem zigarettenschachtelgroßen Gehäuse ein Zwölffach-Zoomobjektiv beherbergt.

Mit 12,5-fach-Zoom punktet auch die kompakte Casio Exilim ZR200, die in weniger als einer Sekunde einsatzbereit sein soll und auch sonst an Geschwindigkeit zugelegt hat. Weiters hat Casio mehrere Einsteigermodelle vorgestellt, die mit Fünf- bis 12,5-fach-Zoom ausgestattet sind.

Panasonic präsentierte neben Vorsatzlinsen für die G-Serie fünf neue Kompaktmodelle der Einsteiger- und Mittelklasse, angeführt von der Lumix SZ1 mit Zehnfachzoom und Full-HD-Video.

 

Systemkamera im Retrolook

Auf den Zug zur kompakten Systemkamera aufgesprungen ist Fujifilm. Die für März angekündigte X-Pro1 im Retrodesign verfügt über einen Sensor mit 16 Megapixeln im APS-C-Format und einen optischen Sucher, in dem elektronisch Informationen eingeblendet werden können. Zur Auswahl stehen (vorerst) drei Objektive mit Festbrennweiten von 27, 53 und 91 mm KB-Äquivalent. Der Preis wird bei etwa 1500 Euro erwartet.

Auch Nikon setzt auf Wechselobjektive. Neben der Profi-SLR-Kamera D4 wurden neue Optiken für die Systemkameras J1 und V1, die in neuen Farbvarianten auf den Markt kommen, gezeigt.

Nikon wie Canon wollen Anfang Februar weitere Neuigkeiten präsentieren, entsprechende Presse-Events sind bereits angekündigt. Auch Sony dürfte mit den drei auf der CES vorgestellten Cybershot-Einsteigermodellen sein Pulver noch nicht verschossen haben.

Neue Speicherkarten

Das XOD-Format ist der Nachfolger der CompactFlash-Karte. Die XOD-Speicherkarten sind etwas kleiner als CF, Hauptvorteil ist die höhere Geschwindigkeit (bis zu fünf GB/s), die vor allem für RAW-Fotos, Serienbilder und Videos entscheidend ist.
Erste XOD-Karten von Sony mit 16 oder 32GB sollen bereits Ende Jänner auf den Markt kommen.

Compact Flash ist vor allem bei Profis noch immer beliebt, der Consumerbereich ist fest in der Hand der SD-Karten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2012)

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