Seit Musik nicht mehr von Schallplatte oder Kassette kommt, ist ein Digital-Analog-Wandler fixer Bestandteil der Abspielkette. Der D/A-Wandler rekonstruiert aus den Nullen und Einsen die (analoge) Wellenform. Ein Chip, der diese Aufgabe erledigt, findet sich in jedem CD-, DVD- oder Blu-ray-Player. Für Feinspitze gibt es externe D/A-Wandler, die diese Aufgabe noch etwas besser erledigen sollen – besonders die auf Videowiedergabe ausgelegten DVD-Player bekleckern sich bezüglich Stereoklang nicht immer mit Ruhm. Für breitere Zielgruppen interessant sind D/A-Wandler vor allem, wenn die Musik vom PC gespielt wird. Zwar generiert auch der Klinkenausgang ein analoges Signal, die beteiligten Komponenten sind aber nicht für diese Aufgabe spezialisiert und meist nicht besonders hochwertig. So ist es kein Wunder, dass mit dem Vormarsch von MP3 und den großen Brüdern Flac und Apple Lossless auch das Interesse am früher kaum existenten Segment der externen D/A-Wandler wächst.
Tuning für Sonos oder Apple-TV
Diese erhalten die Signale über USB oder optischen oder koaxialen Digitalausgang und verwandeln sie in Klänge, die meist klarer und kraftvoller sind als das, was der PC selbst liefert. Zudem können neben CD/DVD-Playern auch Streaminglösungen wie Squeezebox, Sonos oder Apple TV mit externen D/A-Wandlern klanglich aufgewertet werden.
Ein klassisches Einsteigermodell ist die 150 Euro teure DAC Box USB von Pro-Ject. Das in silber oder schwarz erhältliche Metallkästchen ist – wie bei der Box-Reihe üblich – nur wenig größer als zwei Zigarettenschachteln und kann über Digital-, USB- oder optischen Eingang Signale bis 96kHz verarbeiten, die via Line-out ausgegeben werden. Der Gesamteindruck ist solide, der Sound überzeugt mit tadellosem Frequenzgang. Damit ist die DAC Box USB eine saubere, kompakte Lösung, um PC und HiFi-Anlage zu verbinden. Allerdings ist man damit noch nicht am Ende aller Wünsche angelangt. Der Klang der DAC Box ist zwar dem Analogausgang eines PC überlegen, könnte aber noch mehr Details offenbaren.
Das zeigt etwa der V-DAC II von Music Fidelity, der nur wenig größer und etwa 80 Euro teurer ist. In der MKII-Version glänzt er in schmuckem Silber und versteht Signale mit 192kHz beziehungsweise rechnet sie auf diese Samplingfrequenz hoch. Der V-DAC II verleiht der Musik hörbar mehr Transparenz und legt sowohl im Bass als auch in den Höhen etwas zu – mitunter hat er sogar etwas zu viel Biss. Dass die digitalen Eingänge auf der Vorder-, die analogen Ausgänge auf der Rückseite liegen, hat zwar eine gewisse Logik, ist aber nicht unbedingt praktisch. Und bei aller Achtung vor dem exzellenten Preisleistungsverhältnis wäre ein Ein/Aus-Schalter kein Luxus gewesen.
Bezüglich Ausstattung ist das Rundum-sorglos-Paket der DacMagic Plus von Cambridge Audio. Das Nachfolgemodell des erfolgreichen DacMagic verfügt über USB und zwei Digitaleingänge, die jeweils optisch oder via Coax-Kabel befüttert werden können, mit optionalem Adapter dürfen via Bluetooth sogar Smartphone und Tablet mitspielen. Als Ausgänge stehen neben den üblichen Line-out- symmetrische Analoganschlüsse zur Verfügung. Die Eingangssignale bis zu 192kHz werden intern auf 384kHz hochgerechnet. Drei wählbare Filter erlauben Feintuning. Das Ergebnis ist in allen Einstellungen ein gleichermaßen detailreicher wie druckvoller Klang mit sattem Bass. Allerdings markiert der DacMagic mit rund 500 Euro auch preislich das obere Ende des hier betrachteten Einstiegssegments. Für Nutzer, die auf Lautstärkeregler, Kopfhörerausgang und Bluetooth verzichten können und etwas schlichtere Komponenten in Kauf nehmen, ist der ab 330 Euro erhältliche DacMagic 100 überlegenswert.
Eine weitere Alternative ist der M1 von Musical Fidelity. Zwar nur mit 192kHz Upsampling und ohne Bluetooth oder Kopfhörer, aber ansonsten klanglich und preislich gleichauf mit dem DacMagic Plus. Im direkten Vergleich spielt der DacMagic druckvoller, der M1 führt die etwas feinere Klinge – ein besser oder schlechter hängt von persönlichen Vorlieben ab. Sein fast schuhschachtelgroßes Gehäuse ist relativ voluminös, dafür leuchten die LEDs an der Front dezent – im Gegensatz zur Konkurrenz, die hier generell übertreibt.
Verzicht auf Filter oder Kabel
Ein Kapitel für sich ist DAC Box S FL. Hier verzichtet Hersteller Pro-Ject komplett auf Upsampling und Filter. Stattdessen soll eine Schaltung mit vier D/A-Chips alle Verzerrungen außerhalb des Hörbereichs verschieben. Der puristische Ansatz bringt ein detailreiches, warmes Klangbild, das an Röhrenverstärker erinnert. Im Tiefbass könnte der DAC FL ein Quäntchen mehr Punch vertragen. Musikfreunde, deren D/A-Wandler ein wenig Charakter zeigen darf, und für die der CD-Player klingen soll wie ein Plattenspieler aus den 70ern, werden mit dem DAC FL ihre Freude haben. Schade, dass dem 200 Euro teuren Gerät nur zwei Digitaleingänge, aber kein USB-Anschluss verpasst wurde, womit es für das Gros der PC-Nutzer uninteressant ist.
Soll der Weg zwischen PC und Anlage kabellos überbrückt werden, bietet sich der 400 Euro teure Arcam rDAC an, der mit optionalem Dongle Musikdaten via Funk empfängt. Ebenfalls drahtlos und mit 100 Euro recht günstig ist das HP-Wireless-Set. Zwar erhebt es keine audiophilen Ansprüche und ist nicht für das Klangtuning von CD/DVD-Playern geeignet, PC-Musik bringt es via Digitalfunk sehr sauber auf die Anlage.
WINDOWS XP-USER, die Musik bitgenau an den D/A-Wandler leiten wollen, müssen die Audioverarbeitung des Betriebssystems umgehen. Das gelingt mittels ASIO-Treiber und passender Wiedergabesoftware, etwa Foobar. Bei Vista und 7 genügt es, in den Soundeinstellungen den exklusiven Modus zu aktivieren, am Mac muss nur die Bitrate richtig gewählt sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2012)
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