23.05.2013 08:57 Merkliste 0

Neuer Funk für US-Militär: Ein 6-Milliarden-Dollar-Fiasko

20.06.2012 | 10:07 |   (DiePresse.com)

Das Joint Tactical Radio System hätte die Kommunikation vereinheitlichen sollen. Stattdessen wurde es zu einem gewaltigen Fehlschlag. 15 Jahre an Entwicklungszeit wurden dafür vergeudet.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Eigentlich hätte es Kosten reduzieren und die Bedienung erleichtern sollen. Im Endeffekt war aber das Joint Tactical Radio System (JTRS) ein gigantischer Reinfall. Nach 15 Jahren Entwicklung und mehr als sechs Milliarden Dollar Investitionskosten wurde das Vorzeigeprodukt der Initiative, das Ground Mobile Radio (GMR) letztendlich im Oktober 2011 eingestellt. Ars Technica erzählt die Geschichte des aufwendigen und ambitionierten Projekts, das an mangelnder Erfahrung, zu vielen Funktionen und zu wenigen Testdurchläufen gescheitert ist.

Open-Source-Funk

Im Grunde wollte das US-Verteidigungsministerium ein offenes System schaffen, das für alle militärisch genutzten Funkgeräte nutzbar ist. Die Kernsoftware hätte sogar als Open Source veröffentlicht werden sollen. Dadurch hätten mehr Hersteller Geräte für JTRS bauen können, was die Kosten der Beschaffung senken hätte sollen. Allerdings wurde die Wunschliste an Funktionen immer länger und damit unrealistischer.

Gesetze der Physik im Weg

Als das das Projekt aber im Jahr 1997 begonnen wurde, katte das US-Militär noch so gut wie keine Erfahrung mit Software-basierten Funksystemen. Und man wollte ein Funkgerät entwickeln, das mit jeglichen Wellenformen arbeiten konnte. Das bedeutete, dass das Funkgerät sich immer auf neue Frequenzen einstellen musste. Frequenzen, die sich oft stark von einander unterscheiden und oft andere Hardware benötigten. JTRS hätte als verlangt, dass "grundlegende physikalische Gesetze" umgangen werden, wie es in dem Bericht heißt.(c) US Department of Defense

vergrößern

10 Minuten für eine Nachricht

Das GMR schaffte es zumindest, im Mai 2012 von der US-Behörde National Security Agency (NSA) für den Einsatz zertifiziert zu werden. Aber die US Army will es gar nicht einsetzen. Das "mobile" System wiegt stolze 94 Kilogramm, ist viel zu kompliziert und scheiterte kläglich in einer Versuchsreiche in der Wüste von New Mexico. In einem Artikel für National Defense Review schreibt Air Force Lt. Colonel Dan Ward, dass die Übung die "unangenehme Tatsache" aufgezeigt hätte, dass "Soldaten manchmal vielleicht kritische Nachrichten während eines Kampfes schicken müssen". Da Soldaten aber "eine ungeduldige Bande" seien, hätte es ihnen nicht sonderlich Spaß gemacht, zehn Minuten zu warten, bis das Funkgerät diverse Bootvorgänge hat. Ward fasst es zusammen, wie er sagt "in Internet-Sprache": "Radio development: You're doin' it wrong."

Hightech-Waffen: Science Fiction als tödliche Realität

Alle 13 Bilder der Galerie »

(db)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
10 Kommentare

Man stelle sich vor ...

... daß ein Staat den Auftrag für die Entwicklung der Telefonie gegeben hätte.

Wir würden heute wohl noch Telegramme per Eilboten senden .

Antworten Gast: Chris S.
21.06.2012 13:00
0 0

Re: Man stelle sich vor ...

Genau, und das Internet hat ja Google erfunden und diente anfangs nicht militärischen Zwecken.

0 2

JTRS hätte als verlangt, dass "grundlegende physikalische Gesetze" umgangen werden, wie es in dem Bericht heißt.

Ist doch heutzutage im Management normal

Gast: KaterCarlo
20.06.2012 13:00
2 1

6 Milliarden Dollar-Fiasko ......

Ernsti Strasser und Graf Ali als "Berater" der US-Army ?????????

Gast: vor dem arlberg
20.06.2012 11:12
1 0

Es tröstet mich

dass auch in den USA einmal etwas schiefgeht. Ansonsten trifft es meistens uns.

Antworten Gast: Lex_Ernst
20.06.2012 20:42
1 0

Re: Es tröstet mich

In den USA werden laufend Rüstungsprojekte eingestellt. Die Masse davon kann man als "F&E" klassifizieren. Aber ganz generell, das ist auch normal. Jedes Projekt kann scheitern, das scheitern gehört dazu.

Wobei sich das leicht sagt. Da hängen ja Menschenschicksale dran, für einzelne Firmen irre Profite (nicht nur, oft sind auch Unis dran beteiligt, da geht es nicht um Profite im eigentlichen Sinne) und natürlich irgendwo militärisch erwünschte Fähigkeiten.

Andere bekannte und weniger bekannte Beispiele:
MEADS, neues Raketenabwehrsystem, wird gerade eingestellt.

Re: Es tröstet mich

Es ging nichts schief,der Zweck wurde
erfüllt,jemand hat Geld verdient !

0 0

Re: Re: Es tröstet mich

sehr viel Geld !!!

es kostete weniger als die sinnlosen mondlandungen

ein begleitender Nutzen wird wohl gegeben sein.

Re: es kostete weniger als die sinnlosen mondlandungen

Ja, die Amis - ungebildet wie sie sind - haben nach Jahren ein - für sie - neues physikalisches Gesetz endeckt:

Auch in Amerika gelten die Gesetze der Physik! ;-)