Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Apples Datenzentren erneut unter die Lupe genommen. Nachdem im April zwischen beiden ein Streit rund um den Anteil von erneuerbaren Energien der Rechenzentren für Apples Online-Dienst iCloud entbrannt war, hat Greenpeace nun versöhnlichere Töne auf Lager. Positiv wird hervorgehoben, dass der Hersteller schon jetzt weniger auf Kohle- und Kernkraftwerke setzt. Letztere wird nicht mehr zu 27,8 Prozent, sondern nur noch zu 11,6 Prozent genutzt. Gleichzeitig mahnen die Umweltschützer in ihrem neuen Bericht "A Clean Energy Road Map for Apple", dass das Unternehmen noch viel zu wenig machen würde. Das Dokument liegt DiePresse.com vor.
Ganze Berge für Kohleabbau vernichtet
Konkret ärgert sich Greenpeace darüber, dass Apple für sein Datenzentrum in North Carolina Strom vom US-Anbieter Duke Energy bezieht. Dieser würde nicht in erneuerbare Energiequellen, sondern in die Renovierung von Kohlekraftwerken investieren, um diese noch länger betreiben zu können. Duke würde Kohle auch in einem höchst zerstörerischen Verfahren abbauen. Für das sogenannte "Mountaintop Removal Mining" werden ganze Bergkuppen abgesprengt. Seit diese Technik in den 1970er-Jahren eingeführt wurde, wurden allein in der US-Gebirgskette der Appalachen 500 Bergkuppen vernichtet. "Man stelle sich vor, bei uns wird der Schneeberg abgetragen", sagt Greenpeace-Konsumentensprecherin Claudia Sprinz im Gespräch mit DiePresse.com.
Apple: "Kohlefrei bis 2013"
Wenn Apple es mit seiner "kohlefreien iCloud" Ernst meine, sollte der Hersteller sein finanzielles Gewicht nutzen, um Duke Energy zum Umdenken zu bewegen, heißt es in dem Bericht. Immerhin hat Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer versprochen, das Ziel "iCloud ohne Kohle" bis 2013 umzusetzen. Dafür müsste der Hersteller aber gleich bei drei Datenzentren stärker auf erneuerbare Energiequellen setzen. Da Apple aber bisher noch nicht gesagt hat, wie das Unternehmen das bewerkstelligen will, steht Greenpeace dieser Aussage skeptisch gegenüber. Zwei der Zentren befinden sich in Regionen, die bis zu 60 Prozent ihres Stroms aus Kohlekraftwerken beziehen. Und das Zentrum in North Carolina sei so gelegen, dass es fast nur Kohleenergie erhalten könne, sagt Sprinz.
Ein Streitpunkt zwischen Apple und Greenpeace waren schon im April die Angaben bezüglich des Stromverbrauchs. Apple gibt an, 20 Megawatt pro Jahr für sein Zentrum in North Carolina zu benötigen. Greenpeace geht aber von 81 Megawatt aus. Im April rechneten die Umweltschützer noch mit 100 Megawatt. Es darf erwartet werden, dass Apple auch diesmal nicht ganz einverstanden mit den Berechnungen ist.
Google als Vorbild
Greenpeace empfiehlt Apple, sich ein Beispiel an Google zu nehmen. Der Webkonzern würde etwa seine Umweltzertifikate, die er durch seine Windkraftwerke in Iowa und Oklahoma erhält, nicht weiterverkaufen. Dadurch werde vermieden, dass andere Unternehmen sich durch den Erwerb der Zertifikate als "grün" bezeichnen können, obwohl sie weiterhin Kohle oder Kernkraft nutzen. Und das Online-Auktionshaus eBay würde durch umfangreichen Einsatz von Brennstoffzellen nur noch als Backup am normalen Stromnetz hängen.
Greenpeace-Sprecherin Sprinz hofft, dass Apple sein Vorhaben, vollständig auf erneuerbare Energien zu setzen, auch in die politische Arena trägt. "Die großen Konzerne haben auch einen politischen Einfluss und könnten damit eine Energierevolution herbeiführen", sagt Sprinz. Bis dahin wird aber wohl noch einiges an elektrischer Energie in die Rechenzentren von Apple und anderen Anbietern fließen.
(db)
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