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Apple- und Amazon-Kunde leichte Beute für Hacker

07.08.2012 | 11:54 |   (DiePresse.com)

Mit einfach zu findenden Informationen konnten Angreifer das digitale Leben eines Journalisten vernichten und alle Daten auf seinem Macbook, iPhone und iPad löschen.

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Mat Honan ist verzweifelt. Hacker haben seinen Twitter-Account gekapert, sein Google-Konto gelöscht und alle Daten auf seinem iPhone, iPad und Macbook gelöscht. Letzteres schmerzt besonders, da sich darauf auch alle Fotos von seiner Tochter befanden. Möglich wurde diese digitale Vernichtung unter anderem durch Apples und Amazons Kundendienst, wie der Journalist Honan selbst auf Wired berichtet. Nur bewaffnet mit einer E-Mail-Adresse, einer Rechnungsadresse und den letzten vier Stellen einer Kreditkartennummer konnten die Angreifer Honans komplette Daten ergattern. Wired konnte die Angriffsmethoden erfolgreich reproduzieren. Komplexes technisches Verständnis oder das echte Knacken von Passwörtern war dafür nicht notwendig.

Twitter-Account als ultimatives Ziel

Wie sich herausstellte, hatten es die Hacker vorrangig auf den Twitter-Account ihres Opfers abgesehen. Grund dafür ist seine Kürze: @mat. Macbook, iPhone und iPad waren gewissermaßen nur Kollateralschäden, wie einer der Angreifer Honan bei seinen Recherchen gestand. Haupteinfallstor war aber die @me.com-E-Mail-Adresse für Apple-Kunden, wie sich herausstellte. Über Apples Kundendienst konnten die Hacker ein neues Passwort für Honans Konto beantragen, obwohl sie die Sicherheitsfragen nicht beantworten konnten.

Zuerst mussten die Angreifer aber ein bisschen recherchieren. Der von ihnen ersehnte Twitter-Account lieferte ihnen die persönliche Website von Honan. Über eine einfache WHOIS-Abfrage (ein Protokoll zur Identifikation von Domain-Eigentümern) konnten sie damit die Rechnungsadresse herausfinden. Auf der Website war auch Honans Gmail-Adresse aufgelistet. Da er nicht die zweistufige Sicherheitsfunktion von Google aktiviert hatte, zeigte Google den Hackern beim gescheiterten Einbruchsversuch die alternative E-Mail-Adresse an, die auf @me.com endete. Damit war Apple als Einfallstor fixiert.

Apple und Amazon: Anruf genügt

Die Kreditkarten-Informationen benötigten zusätzliche Tricks. Amazon erlaubt es Kunden, per Telefon zusätzliche Kreditkarten hinzuzufügen. Alles was man dazu benötigt ist die korrekte E-Mail-Adresse für das Konto, die passende Rechnungsadresse und den Namen des Kontoinhabers. Alle drei Informationen hatten die Hacker bereits. Sie gaben bei Amazon eine falsche Kreditkarte an und legten auf. Später riefen sie noch einmal an und behaupteten, sie hätten den Zugriff auf das Konto verloren. Diesmal mussten sie Name, Rechnungsadresse und die neue Kreditkartennummer angeben. Daraufhin erlaubt Amazon das Einrichten einer neuen E-Mail-Adresse. An diese wird das neue Passwort und Informationen aller gespeicherten Kreditkarten geschickt. Zwar nur die letzten vier Ziffern, aber das reichte den Angreifern.

Name, @me.com-Konto, Rechnungsadresse und die letzten vier Ziffern der korrekten Kreditkarte nutzten die Hacker dann, um aus Apples Kundendienst ein temporäres Passwort herauszukitzeln. Bewaffnet mit diesem änderten sie die Apple ID von Honan permanent, worauf sie kompletten Zugriff auf sein E-Mail-Konto hatten. Damit erreichten sie dann Zugang zu seinem Gmail-Konto, über das sich die Hacker schlussendlich ein neues Passwort für den Twitter-Account zuschicken ließen. Danach nutzten sie die "Finde mein ..."-Funktion von Apples iCloud, um Honans iPad, iPhone und Macbook komplett zu löschen.

Apple gibt Fehler zu

Apple reagierte auf Wireds Anfrage und erklärte, dass beim Kundendienst offenbar nicht alle Regeln korrekt eingehalten worden seien. Dennoch bestätigten zwei Apple-Kundendienstmitarbeiter unabhängig von einander, dass man nicht mehr als Name, Rechnungsadresse und die letzten vier Stellen einer Kreditkarte benötige. Amazon hat sich zu der Thematik rund um seine Sicherheitspolitik noch nicht geäußert.

Honan gibt selbst zu, dass er einige Fehler gemacht hat. Hätte er etwa Googles Sicherheitsfunktion Bestätigung in zwei Schritten aktiviert, hätten die Angreifer sich wohl die Zähne ausgebissen. Auch muss es wohl als fahrlässig erachtet werden, wenn jemand seine Familienfotos nur auf einem Gerät speichert und über ein Jahr lang keine Backups anlegt. Auch war etwas fahrlässig, dass er seine @me.com-Adresse für so viele Dienste als Benutzername oder Kontaktadresse genutzt. Und die WHOIS-Informationen einer privaten Website lassen sich (gegen eine kleine Gebühr) bei den meisten Domain-Providern verstecken. Allerdings ist auch klar, dass hier bei den US-Niederlassungen von Apples und Amazons Kundendiensten noch einige Dinge zu klären sind.

(db)

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14 Kommentare

WO??

... sind jetzt all die zahlreichen Apple-Fans die sonst zu jedem Artikel ihren Beitrag abgeben ?!

Re: WO??

Wieso sollten sie? Da ist nicht Apples alleinschuld gegeben, ich bin mir sicher dass das über andere Umwege auch gegangen wäre..

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Ich hab 5000 Fotos auf dem Laptop. Nichtsdestotrotz hab ich alle Bilder nochmals auf externer Festplatte, USB-Stick und Speicherkarte.

Dieser Mann war dermaßen Fahrlässig, dass es ihm gebührt Opfer eines Kavaliersdeliktes zu werden - denn nichts anders ist es!

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Re: Ich hab 5000 Fotos auf dem Laptop. Nichtsdestotrotz hab ich alle Bilder nochmals auf externer Festplatte, USB-Stick und Speicherkarte.

Das ist ganz sicher alles andere als ein Kavaliersdelikt. Sie können ja auch nicht einfach wo einbrechen nur weil Sie den passenden Dietrich dabei haben.

Antworten Antworten Gast: einBeobachter
07.08.2012 17:35
7 0

Re: Re: Ich hab 5000 Fotos auf dem Laptop. Nichtsdestotrotz hab ich alle Bilder nochmals auf externer Festplatte, USB-Stick und Speicherkarte.

"Sie können ja auch nicht einfach wo einbrechen nur weil Sie den passenden Dietrich dabei haben. " - können schon ;-)

Re: Re: Ich hab 5000 Fotos auf dem Laptop. Nichtsdestotrotz hab ich alle Bilder nochmals auf externer Festplatte, USB-Stick und Speicherkarte.

Na ja, wenn Sie beispielsweise ein Fahrrad nicht absperren und es kommt Ihnen abhanden, bekommen Sie zumindest eine Mitschuld.

4 1

Re: Re: Re: Ich hab 5000 Fotos auf dem Laptop. Nichtsdestotrotz hab ich alle Bilder nochmals auf externer Festplatte, USB-Stick und Speicherkarte.

Abgesperrt war ja alles. Wenn Sie lange genug Zeit haben, können Sie jeden Tresor öffnen. Jedes Schloss und jede Barriere bei physischen Dingen ist zu knacken. Es ist immer nur eine Frage der Zeit.

Nur weil etwas zu knacken ist, rechtfertigt das keinen Einbruch in ein System. So lange etwas über das internet erreichbar sein muss, ist es nicht ultimativ zu schützen.

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Re: Re: Re: Re: Ich hab 5000 Fotos auf dem Laptop. Nichtsdestotrotz hab ich alle Bilder nochmals auf externer Festplatte, USB-Stick und Speicherkarte.

"bei physischen Dingen ist zu knacken" - Falsch! Man kann nicht nur physische Dinge knacken, man kann auch eine Frau knacken!

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Re: Re: Re: Re: Re: Ich hab 5000 Fotos auf dem Laptop. Nichtsdestotrotz hab ich alle Bilder nochmals auf externer Festplatte, USB-Stick und Speicherkarte.

Ähm ja, bitte mal nachdenken, was physisch eigentlich bedeutet.

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Re: Re: Re: Ich hab 5000 Fotos auf dem Laptop. Nichtsdestotrotz hab ich alle Bilder nochmals auf externer Festplatte, USB-Stick und Speicherkarte.

Naja, aber die "Hacker" haben schon eine gewisse kriminelle Energie gezeigt.
Einerseits haben sie Zeit investiert, andererseits haben sie Daten gelöscht.

Das entspricht keiner Hacker-Ethik (egal wie weit hergeholt das jetzt ist).

Aber es stimmt schon, es wäre so als ob man sein Fahrrad mit einem 1 EUR Schloss absperrt.

6 0

Offenbar eh wieder hergestellt

Im verlinkten ARtikel von Wired steht, dass morgen eine Folge kommt, wie die Daten wieder hergestellt wurden.

Dass diese Komfortfunktionen letztlich gefährlich werden können sollte man seit MS Outlook wissen und Cloud-Dienste sind ein Unfug. Niemand würde seine wichtigen Unterlagen ohne Not bei irgendwem Fremden deponieren. Dass man kein Backup macht, kann leider passieren. Wenn alles zusammenkommt ist es wohl schlimm.

In dem Fall schaut es aber eher nach einer Story aus für die Hacker dem Journalisten nach Absprache demonstriert hatten, dass es geht. Backups werden also wohl da gewesen sein in diesem Fall. Ich glaube diesen "Aufreger" nicht ganz.

Eher keine Absprache...

Mat Honan war dieses Wochenende in TWIT zu sehen, wo er unter anderem auch über diesen Einbruch sprach - es wirkte nicht so, als ob dies ein abgekartertes Spiel gewesen sei.

Gast: einBeobachter
07.08.2012 13:58
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Gebühr

Alles läßt sich gegen eine "kleine Gebühr" verstecken. So wird Kohle gemacht ! Und wenn jemand dann aufdeckt, daß das ganze "Versteck-System" löchrig ist wie der sprichwörtliche Schweizer Käse, dann haben irgendwelche Mitarbeiter Fehler gemacht ! Betrachtet man das Ganze im Nachhinein, haben sie tatsächlich Fehler gemacht. Wichtiger aber als diese Anmerkung wäre Klarheit darüber, ob sie diese "Fehler" machten, weil ihnen gar kein anderes Prozedere aufgetragen wurde ...

Blah.

Wenn Du den Artikel gelesen hättest, dann wüßtest Du, daß er nichts gegen eine Gebühr versteckt hatte, sondern nur, daß es prinzipiell möglich ist, Domain-Informationen gegen eine Gebühr zu verstecken.