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Nach Urteil: Widersprüche in Geschworenen-Aussagen

27.08.2012 | 08:58 |   (DiePresse.com)

Falsch berechneter Schadenersatz, ein Jury-Sprecher, der seine Kollegen lenkte und verbotene Bestrafung im Hinterkopf. Die Geschworenen im Patentstreit unterminieren ihr eigenes Urteil

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Während Apples Anwälte noch jubeln und Samsungs Aktien in den Keller stürzen, legen die Geschworenen im wichtigsten Gerichtsverfahren der Technikwelt selbst die Grundsteine für eine erfolgreiche Berufung. Es war für alle Beobachter bereits recht verwunderlich, dass die neun Geschworenen nach nicht einmal drei Tagen alle 700 Fragen zu dem Fall beantworten konnten. Nun scheint es aber so, dass der Sprecher der Geschworenen, Velvin Hogan, seine Kollegen in ihren Entscheidungen beeinflusst haben könnte. "Er hatte Erfahrung. Er besaß selbst Patente... also führte er uns durch seine Erfahrung. Danach war es einfacher", berichtet Jury-Mitglied Manuel Ilagan in einem Interview mit Cnet. Nachdem sie einmal festgelegt hätten, dass Samsung Apples Patente verletzt hatte, gingen sie einfach die Liste der Geräte durch, "weil es alles einerlei war".

Apple-Argumente direkt zitiert

Hogan selbst hatte seinerseits das Bedürfnis, sich zu dem Fall zu äußern und widerspricht Ilagans Aussagen. Reuters zufolge erklärte er, die Geschworenen hätten jedes einzelne Gerät separat bewertet. Er begründete auch das Motiv hinter dem harten Urteil. Die Geschworenen wollten Samsung und anderen Firmen eine "Botschaft" schicken. Diese sollte "nicht nur einfach ein Klaps aufs Handgelenk sein", wird Hogan zitiert. Die Formulierung stammt fast 1:1 aus Apples Schlussplädoyer. "Wir wollten sicher gehen, dass [die Strafe] ausreichend hoch ist, um weh zu tun, aber nicht unvernünftig ist", erklärt Hogan weiter.

Bestrafung entspricht nicht Anweisungen

Dass Geschworene bei ihrer Entscheidung eine Bestrafung im Sinn haben sollen, war aber nicht vorgesehen. In der 109 Seiten starken Anweisung an die Geschworenen steht unter Punkt 35 eindeutig: "Sie sollen beachten, dass der Schadenersatz, den Sie zusprechen, dazu dient, den Patentinhaber zu kompensieren und nicht dazu, den Rechtsverletzer zu bestrafen." Besonders pikant: The Verge berichtet in seinem Live-Ticker von der Urteilsverkündung, dass die Geschworenen gleich komplett auf die Anweisungen verzichtet hätten und ohne diese zu ihrem Urteil gekommen sind.

Schadenersatz falsch ausgerechnet

Inzwischen hat sich auch gezeigt, dass die zugesprochene Milliarde Dollar Schadenersatz nicht ganz korrekt ausgerechnet wurde. Bei der Vorlesung des Urteils war der Betrag noch auf 1.051.855.000 Dollar, nach einer Korrektur, da die Geschworenen irrtümlich das Galaxy Tab, das ihrer Ansicht nach keine Apple-Patente verletzte, hinzugezählt haben, sank die Summe auf 1.049.343.540 Dollar. Rechnet man aber die einzelnen Positionen auf, im Urteil auf Seite 16 angeführt, ergibt sich ein Gesamtbetrag von 1.049.423.540, was eine Differenz von 80.000 Dollar ergibt. Die Frage, die sich damit stellt ist, wo sich die Geschworenen eventuell noch verrechnet haben.

Erinnerungen an Microsoft

Obwohl Apple nun erstinstanzlich als Sieger dasteht, könnte das Urteil einen Image-Schaden für das derzeit mächtigste Unternehmen der Welt bedeuten. Enrique Gutierrez vom Entertainment-Studio JibJab berichtet auf Google+ von einer Begebenheit in einem Starbucks, wo Besucher anlässlich des Urteils zu der Erkenntnis gekommen sind, dass Samsung offenbar dieselbe Qualität wie Apple bietet, nur zu einem geringeren Preis. Die Anekdote lässt sich naturgemäß nur schwer belegen. Andererseits scheint Apple nun in einer Situation zu sein, die der von Microsoft in den 1990er-Jahren stark ähnelt. Damals hatte der Windows-Konzern in seinem Bereich vergleichbare Macht wie Apple über das Smartphone-Geschäft. Und wie die Geschichte zeigt, sinken die Sympathien für einen Quasi-Monopolisten recht schnell.

Berufung und Verkaufsverbote

Samsungs Anwälte bereiten bereits die Berufung vor. Davor will der Konzern aber versuchen, das Urteil zu kippen. Diese macht steht der Richterin des Falls, Lucy Koh auch zu. Sie könnte aber auch den zugesprochenen Schadenersatz verdreifachen, da die Geschworenen eine absichtliche Rechtsverletzung durch Samsung erkannt haben. Der nächste Schritt im Patentkrieg zwischen den Branchengrößen geschieht am 20. September. Da will Apple bereits ein Verkaufsverbot gegen diverse Samsung-Geräte anstrengen.

(db)

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93 Kommentare
 
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kopiert?

ein abgerundetes rechteck.... tadaaaa die 10jahresleistung eines multinationalen milliardenkonzerns?
patente sind ja schön und gut aber sowas ist lächerlich.

Urteil

naja wen wunderts? die haben objektiv gesehen beinhart kopiert! Auswirkungen hat das alles weniger. die milliarde ist schnell verdient und der Börsenkurs orientiert sich sowieso nicht an betriebswirtschaftlichen kenngrößen. ein wenig am Design und os gebastelt und die sache ist schnell vergessen.

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Re: Urteil

Objektiv gesehen hat Apple beinhart von LG und Samsung Kopiert und das ganze dann patentiert.

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Microsoft abgeschrieben?

Wer kommt auf die Idee, dass Microsoft abgeschrieben war? Die sind ja erst dabei mit Winodws Phone Fahrt aufzunehmen. Ab WP können Speicherkarten verwendet werden, dann schaut die Welt anders aus.

Einige der Hersteller werden halt auf Windows Phone umsteigen. Für die Hersteller ist das Betriebssystem doch egal. Die wollen die Geräte verkaufen.

Re: Microsoft abgeschrieben?

Für die Hersteller ist das Betriebssystem nicht egal, denn das entscheidet, ob die Geräte verkauft werden oder nicht. Das war auch der Tod von Nokia, obwohl sie eigentlich tolle Hardware hatten.

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Re: Re: Microsoft abgeschrieben?

Das ist ein Punkt, ein Weiterer ist das jeder Hersteller für Windows Phone lizenz gebühren zahlen müsste, Android hingegen ist "Freie Software", Google erhebt keine lizenz gebühren für Android perse.

Re: Re: Microsoft abgeschrieben?

Bei Nokia war seit langem auch die Hardware der größte Mist. Auslagern, billig bauen, Kohle machen und nun übern Jordan, Bravo Nokia Manager. Aber die Jungs ziehen sich mit viel Geld zurück.

Re: Re: Re: Microsoft abgeschrieben?

Zu der Zeit, als die ersten Android-Geräte auf den Markt kamen, konnte Nokia hardwareseitig sehr wohl noch mithalten, und es baute auch die weitaus mechanisch stabileren Geräte. Sie haben es halt verpasst, auf den Zug aufzuspringen. Ein aktuelles Android-Handy im Nokiagehäuse würde ich sofort nehmen.

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Re: Microsoft abgeschrieben?

Sorry: ab Windows Phone 8 können Speicherkarten verwendet werden...

Gast: NichtschwarzinWien
28.08.2012 03:48
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grüne sachen mag ich nicht

äpfel erst recht nicht!

Samsung und Nokia sind am besten!

7 10

Endlich ein Urteil gegen die

asiatischen Billig-Kopierer! Innovation gehört belohnt!

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Re: Endlich ein Urteil gegen die

Welche Innovation?

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Re: Re: Endlich ein Urteil gegen die

Schauen Sie sich ein iPHone an und vergleichen Sie das mit den Geräten die es davor gegeben hatte. Es müssten Ihnen ein paar Unterschiede auffallen.

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Re: Re: Re: Endlich ein Urteil gegen die

Zusatz:

One of these phones (the bottom-right one) became the Samsung F700 - a product Apple once included as an infringing product, but later withdrew once it learned Samsung created it and brought it to market before the iPhone

Apple klagt also einfach nur wenn was schwarz und rund is, wanns gemacht wurde is eig wurscht.

4 0

Re: Re: Re: Endlich ein Urteil gegen die

http://www.osnews.com/story/26230
Habs mir angeschaut, sahen schon vor iPhone besser aus.

4 0

Re: Re: Re: Re: Endlich ein Urteil gegen die

Ah weil ich mich heut gut fühle setz ich noch eins drauf!
http://en.wikipedia.org/wiki/LG_Prada
LG Prada - December 2006. 3 Months pre iPhone

Re: Re: Re: Endlich ein Urteil gegen die

Meine Tochter hat ein IPhone, habe ich mir genau angesehen. Stimmt schon, da war die Entscheidung leicht, Samsung Galaxy Nexus Android wurde gekauft.

0 1

Re: Re: Re: Re: Endlich ein Urteil gegen die

Ich hatte die Geräte gemeint, die es vor iPhone gegeben hatte. Das ist die Innovation gewesen. Galaxy ist ja eine Nachahmung von iPhone.

Re: Re: Re: Re: Re: Endlich ein Urteil gegen die

Wohl nie einen Vergleich gehabt, aber egal. Markenblinde gibt es zuhauf, davon leben viele Produkte. Mir Persönlich ist Apple und Samsung schnurzegal, aber die Qualität stimmt bei Samsung, das Amoled ist ein Hammer.

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Re: Re: Re: Re: Re: Endlich ein Urteil gegen die

Das LG Prada gabs aber vor dem iPhone und es sieht beinahe ident aus. Konzept design vom Samsung F700 gab es auch VOR dem iPhone.

Apple, als patenttroll, ist einfach als einziger zum Amt gerannt.

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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Endlich ein Urteil gegen die

Ich darf noch hinzufügen das Apple sich der Samsung ähnlichkeit nicht allzu sicher war.

Drum haben die Apple Anwälte in Deutschland auch ein gephotoshoptes Produktbild vorgelegt.

http://blog.webwereld.nl/wp-content/uploads/2011/08/Apples-Flawed-Evidence.jpg

Gast: konsumentenschuetzerin
27.08.2012 20:59
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MacOS

Wann gibt Apple endlich sein Betriebssystem im Quelltext frei, damit nachgeprüft werden kann, ob etwas von UNIX abgekupfert ist?

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Re: MacOS

MacOS ist doch UNIX. Aber schon seit längerer Zeit. Ich glaube seit OS 9. Das ist auch alles andere als ein Geheimnis.

OS X offiziell zertifiziertes UNIX

„… a fully certified UNIX foundation“

http://www.apple.com/macpro/features/macosx.html

Antworten Antworten Gast: wlkikiv
27.08.2012 23:08
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Re: OS X offiziell zertifiziertes UNIX

Es ging ums Freigeben von Quellcode.

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Re: Re: OS X offiziell zertifiziertes UNIX

Die 1000 User weltweit, die am Quellcode herumspielen oder den analysieren wollen können ja Android verwenden. Das interessiert doch in Wirklichkeit praktisch niemanden.

 
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