Wien/Reuters/Apa. Im Boom-Geschäft mit Smartphones und Tablet-Computern müssen sich die erfolgsverwöhnten Platzhirsche Apple und Samsung allmählich in Bescheidenheit üben. Der iPhone-Hersteller enttäuschte die Investoren bereits das zweite Vierteljahr hintereinander mit seinen Zahlen und blieb auch mit seiner Prognose für das wichtige Weihnachtsgeschäft unter den Erwartungen.
Nun hat Apple überraschend die Preise für die Software von iPhone und iPad angehoben. Die kostenpflichtigen Angebote im App-Store wurden in der Nacht zum Freitag um durchschnittlich zehn Prozent teurer. Das kalifornische Unternehmen gab keine Gründe dazu an. Da vor allem die Preise im Euroraum betroffen sind, wird vermutet, dass Apple mit seinem Vorgehen auf die Entwicklung der Wechselkurse reagiert. Bei Verlagen in Deutschland sorgt das Vorgehen für Ärger. „Es ist schwer zu verstehen, warum das über Nacht gemacht wurde und ohne die Betroffenen vorher zu informieren“, sagte ein Sprecher des Verbands Deutscher Zeitungsverlage. „Die Verlage werden ebenso wie ihre Kunden vor vollendete Tatsachen gestellt.“
Der Erzrivale Samsung lieferte zwar das vierte Quartal in Folge einen Rekordgewinn, aber beim Wachstumstempo sehen Branchenexperten das Ende der Fahnenstange erreicht.
Warten auf Weihnachtsgeschäft
Vor dem Hintergrund der weltweiten Konjunkturflaute und eines verschärften Wettbewerbs wird das Jahresendgeschäft diesmal zu einem ganz besonderen Härtetest für die Branche.
Die große Frage ist: Werden die verunsicherten Verbraucher sich von den vielen neuen Produkten verführen lassen und sich die – mitunter recht kostspieligen – mobilen Multifunktionsgeräte gegenseitig unter den Christbaum legen? An der Börse wird Apple mit knapp 580 Mrd. US-Dollar bewertet und ist damit weltweit die Nummer eins unter den Technologiegiganten. Doch die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel: Mit seinen Zielen für das laufende Weihnachtsquartal liegt das Management unter den Markterwartungen. Finanzchef Peter Oppenheimer begründete dies unter anderem mit dem stärkeren Dollar und höheren Kosten für die Produkteinführungen.
Beobachter sind die zurückhaltenden Ausblicke von Apple gewohnt. „Am Ende lieber zu vorsichtig gewesen zu sein, ist eine bewährte Methode“, sagte Channing Smith von Capital Advisors Growth Fund. Doch andere Analysten sind der Ansicht, dass sich Apple nicht vom Wirtschaftsabschwung abkoppeln könne. „Die Leute haben einfach kein Geld, sich immer den Schnickschnack zu kaufen, den sie am liebsten hätten“, betonte Trip Chowdry von Global Equity Research.
Samsung hofft auf Galaxy
Auch der südkoreanische Konkurrent Samsung dämpfte die Erwartungen vor dem Weihnachtsgeschäft. Die Nachfrage werde nur leicht anziehen. Da andere Konzernbereiche schwächeln, lasten auf den Mobilgeräten rund um den Smartphone-Verkaufsschlager Galaxy besondere Hoffnungen. Doch hier sehen Analysten wenig Luft nach oben. „Es gibt nur geringen Spielraum für das Mobil-Geschäft, mehr Geld zu machen“, sagte Lee Sun Tae von NH Investment & Securities. Andere Segmente wie Tablets, Flachbildschirme und Halbleiter dürften zunächst nicht derartige Gewinnbringer sein wie das Galaxy. Der Börsenwert der Südkoreaner beläuft sich nur auf ein Drittel des US-Rivalen Apple.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)
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