"Die Teens sagen uns, dass Apple erledigt ist"

14.01.2013 | 18:21 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Totgesagte leben länger - und Apple am längsten, wie es scheint. Aber seit September ist Sand im Getriebe, Samsung und Google holen auf. Apple droht den Coolness-Krieg zu verlieren - ausgerechnet gegen Microsoft.

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Wien. Die typische Entstehungsgeschichte eines Apple-Produkts sieht in etwa so aus: Zuerst kommen die Gerüchte – auf Facebook, Blogs und Twitter. Getrieben von den Spekulationen tausender Fans und professioneller Beobachter erhält die kalifornische Computerfirma so Gratiswerbung für ein Produkt, das noch gar nicht existiert. Bis „rein zufällig“ ein Prototyp des neuen Geräts in einer Bar vergessen wird – was wiederum eine zweite Spekulationslawine auslöst.

Dann kommt endlich der Tag der Produktpräsentation. Und weil Apple weiß, wie man Erwartungen übertrifft, überschlagen sich die Fans meist vor Begeisterung. So war es beim iPhone, beim iPad – und sogar beim iPad mini. Aber auch Apple ist nicht unverwundbar. Und der Stern des Apfels droht zu fallen.

 

Doch kein „iPhone mini“

Der Börsenkurs befindet sich nach historischen Höchstständen im September auf Talfahrt. Jetzt ließ Apple die Herstellung von LCD-Displays für das iPhone 5 bei seinen Partnern in Japan um fast die Hälfte drosseln. Die Nachfrage scheint nachzulassen, die Konkurrenz holt auf. Unklar bleibt, ob Apple tatsächlich an einem billigeren, kleineren iPhone arbeitet. Nach heftigen Gerüchten (siehe Beginn dieses Artikels) dementierte Apples Marketingchef Phil Schiller Ende vergangener Woche: „Billige Smartphones sind populär, aber da liegt nicht die Zukunft von Apple-Produkten.“

Das iPhone 5 kostet mehr als 600 Euro – zu viel für viele Konsumenten. Vor allem, weil die Telefone der Konkurrenz oft um einen geringeren Preis mehr Leistung bringen. Der App-Store von Googles Android-Betriebssystem hat inzwischen mehr Apps zu bieten als das „Original“ von Apple. Und Handygigant Samsung verkauft aufgrund seiner diversifizierten Produktpalette deutlich mehr Endgeräte.

Keine Frage, Apples Hauptrolle auf dem Weltmarkt für Elektronik war in den vergangenen Jahren die des Innovationsmotors. iPhone und iPad haben den Markt revolutioniert. Aber die Konkurrenz schläft nicht, und nun gerät (zumindest in den USA) Apples Kernkompetenz unter Beschuss: die Coolness.

 

Microsoft ist plötzlich cool

In mehreren Umfragen unter Konsumenten im Teenager-Alter sei die Popularität von Apple zurückgegangen, berichtet das Wirtschaftsmagazin „Forbes“. Und Tina Wells von der Jugendmarketingfirma Buzz Marketing berichtet: „Die Teens sagen uns, dass Apple erledigt ist.“ Ein Grund hierfür dürfte ausgerechnet die fast religiöse Apple-Verehrung mancher junger Eltern sein. Weil die jedes neue Apple-Produkt sofort haben müssen, geben sie alte (das iPhone4 zum Beispiel) gern an ihre Kinder weiter. Aber welcher Teen mit Selbstachtung will schon dasselbe Handy wie sein alter Herr? Nun, noch immer würden mehr als 60 Prozent der amerikanischen Teenager zu Apple greifen. Aber: Tendenz fallend. Samsung holt auf, und sogar Microsoft kann mit seinem Surface-Tablet Coolness-Punkte sammeln.

Microsoft! Im kalifornischen Cupertino, wo Apple seinen Stammsitz hat, kennt man das freilich. Die Computerfirma stand vor nicht ganz zwei Jahrzehnten selbst fast vor dem Aus. Überrollt von Microsofts Windows, das Apples Betriebssystem vielleicht technisch unterlegen war – aber von vielen Herstellern eingesetzt wurde. Apple hingegen blieb schon damals seiner Strategie treu, eigene Hardware und Software zu verbinden. Anderen Computerherstellern ist der Einsatz von Mac-Software bis heute nicht erlaubt. Droht Apple auf dem Handy- und Tabletmarkt den Fehler von damals zu wiederholen? Immerhin ist die Situation heute ähnlich. Nur dass Googles Android Apples iOS technisch sogar ein bisschen überlegen ist. Und gratis für Handyhersteller wie Samsung ist.

 

Samsung hat 28 Prozent

Die Südkoreaner haben den iPhone-Rivalen Galaxy S inzwischen mehr als 100 Millionen Mal verkauft. 2012 belief sich der Marktanteil von Samsung bei Smartphones weltweit auf 28 Prozent – Apple liegt bei nur noch 20Prozent. Allerdings wurde das iPhone (alle Modelle) insgesamt bereits 271 Millionen mal verkauft.

Auf einen Blick

Apple lässt die Produktion von LCD-Bildschirmen für das iPhone in Japan drosseln, weil die Nachfrage schwächelt. Der Börsenkurs befindet sich auf Talfahrt. Samsung hält bei einem Smartphone-Marktanteil von 28Prozent – Apple nur bei 20. Und auch Googles Betriebssystem Android nagt am Erfolg des iPhones.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

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203 Kommentare
 
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Ich würd schon gern einmal Apple-Geräte probieren,

aber mir gefällt von vorherein die restriktive und teure Preispolitik von Apple nicht (nicht nur bei Produkten, auch bei Dienstleistungen).

Apple ist noch lange nicht erledigt,

sie stoßen einfach an den Plafond des selbstgewählten Geschäftsmodells.

Wie schon im PC Bereich ist ein "walled Garden" mit voller Kontrolle über Hard- und Softwareplattform in einem aufstrebenden Markt erfolgreich.

In einem reifen Markt kann man damit aber nur ein Nischenprodukt verkaufen - wenn auch mit besseren Margen als die Konkurrenz.

Es war nie Apples Absicht IOS auf jedem weltweit verkauften Gerät zu haben, damit war die Reichweite letztendlich vom ersten Tag an begrenzt.

Re: Apple ist noch lange nicht erledigt,

...und sollte es apple wirklich einmal nicht mehr geben, würden sie ihre gebetsmühle wahrscheinlich auch noch nicht abdrehen.

ist doch völlig egal,wer vorne ist :-))


ja klar...

... microsoft ist unter teenies hip und cool.

ha ha ha ... großartig :-))

...

Mein backard bell Laptob kostete 250 sfr. Er kann alles was ein Laptop können muss.

Für Handys hab ich noch nie einen Cent ausgegeben, es gibt mehr funktionstüchtige Gebrauchthandys als Menschen!

Ich sehe Iphones, Ipads, ect. massenweise auf der Strasse, in Cafes, in Parks! Die Produkte sind meiner Meinung nach auch schon die Herrscher der Menschen geworden..

Ich sage, kein Mensch braucht jammern wenn er sich das leisten kann!
Dazu fördert jeder Ausbeutungen in 3.Welt Länder. Siehe Coltan - Kongo ect...

Finanzkrise? GIBT ES NICHT!

Re: ...

Sehr wirr

was geht eigentlich ...

ich kann dieses apple/android geschwätz nicht mehr hören:

beide werden irgendwo in china von zwangsarbeitern unter miserablen umständen gefertigt und um ein vielfaches teurer verkauft ... iphone 5 kostet 200€ (?) in der herstellung und wird um 670€ verkauft, das selbe mit samsung galaxy s3 ...

sind beides billige "prestige" produkte und ihr hauts euch die schädln ein was für eins besser is ... ich kauf mir einfach eines was mich optisch anspricht und preislich vertretbar ist ...

Re: was geht eigentlich ...

Dass firmen eine hohe Marge haben koennen, fuer einen bestimmten zeitraum, ist in problem, weil....?

Re: Re: was geht eigentlich ...

...es bedeutet, dass es genug dumme Menschen gibt, die zu blöd sind um zu kapieren, dass sie über Wert kaufen.

Sonst noch Fragen oder war's das?

Re: Re: Re: was geht eigentlich ...

na dann rechne mir mal bitte den genauen wert von einem iphone oder s3 aus. scheinst die business-daten der hersteller ja bestens zu kennen. oder setz dich mal in einen bwl kurs und lern wie preise gebildet werden... und vor allem, kauf ja bloss nie irgendwas das vielleicht ein bisschen mehr kostet als es kosten könnte, auch wenn du es noch so gern hättest.

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Re: was geht eigentlich ...

Wenn ein iPhone teuer ist, dann sind das 100 Euro - eher 50 Euro -, aber doch niemals 200 Euro; da würde ja für Apple nicht viel übrigbleiben. Maximal ein Viertel darf das in der Produktion kosten. Da Apple so gut daran verdient, muss es sehr erheblich weniger sein.

man subjektive_wertelehre


Re: Re: was geht eigentlich ...

Also wenn man Berichten zu dem Thema glauben darf liegen die Produktionskosten eines iPhone 5 bei ca. 200 USD.

Die Kostenaufschlüsselungen die man dazu findet sind plausibel.

30jähriger.......

Krieg.

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So ist's am Gadget Markt

Schön ist's, auf dem Hype zu reiten und die Gewinne einzustreifen. Doch kaum hast du dich umgedreht, ist der Hype schon wieder weitergezogen, und keiner weiss so recht, warum. Man kann es drehen und wenden wie man will: Aus einem Tim Cook wird kein Steve Jobs. Nie und nimmer.

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Bei uns in der HTL

Wir haben 23 Schüler: 3 haben ein iPhone 4, 3 ein 4S und seit neuestem 5 ein iP5. Lediglich 1er hat ein Windowsphone. Wird aber demnächst auf ein iPhone umsteigen.
Nun zu Android: 1x Galaxy S3, 2x Galaxy S2, mehrere Sony Ericsson.
Blackberry und Nokia sind auch noch vertreten. Wenn man die Androiden auf ihre Handys anspricht bestätigt mir jeder das deren Handys eigentlich nur geflasht brauchbar sind und sie doch lieber Apple benutzen würden.
Ach Ja das ist eine Informatikklasse.
Das waren aber nur die Handys von den unzähligen iPads und MacBooks fang ich gar nicht erst an.
Mein Tipp an die Presse lasst keine Fanboys Berichte schreiben, wirkt sehr unprofessionell.

Re: Bei uns in der HTL

Dass mit dem flashen ist jedenfalls richtig...
ich hab jetz schon die neueste android version am handy während mein bekannter noch immer auf sein update seines htc one s (die derzeitige software auf dem gerät hat massig bugs) wartet...
außerdem wird man durchs flashen eine meist völlig überladene nutzeroberfläche los und das gerät geht meist besser bzw schneller
diese beiden probleme (updatepolitik, überladene nutzeroberfläche) hat man am iphone nicht...

Eine HTL mit 23 Schülern?

sollte man zusperren.

Re: Bei uns in der HTL

Hector,im gegensatz zum rest der user hast du einen interessanten aspekt eingebracht, unterlegt mit zahlen. Eingeschraenkte sample size aber dennoch. Lass dich nicht runtermachen, vorallem nicht von "im richtigen leben" sagern! Jeder der wirklich im richtigen leben steht, in der wirtschaft, weiss wie wichtig solche einblicke sind. Uebrigens, Firmen wie Appel und Samsung verstehen das.

Re: Re: Bei uns in der HTL

Wichtig für einen kleinen Teil des Marktes.

Aber anscheinend ist der Beißreflex so stark, dass hier bei einigen die Vernunft aussetzt.

Naja, jeder wie er kann.

Re: Bei uns in der HTL

Der Herr HTL-Schüler beweist uns, dass man ganz unbemerkt in der Unterrichtszeit in Foren herumschweirren kann, anstatt dem Vortrag des Lehrers zu lauschen.
Eine positive Eigenschaft für ihn. Auch sind die genannten Messenger und sonstige Dinge für ihn positiv.
Was zeigt uns das: es ist ihm im Prinzip egal, welches Gerät was kann, vielleicht weiß er es auch nicht ganz genau. Jedenfalls geht es ihm hauptsächlich um die Geilheit der coolen Gruppe der iPhone Nutzer anzugehören.
Und genau darauf zielt diese Marke ab.
Ein Smartphone ist der Porsche für Leute ohe FÜhrerschein oder it zu wenig Geld...ein reines Spielzeug, das lediglich Emotionen befriedigt.
Sehr schön, ohne zweifel. Brauchen tut man es nicht.

Re: Re: Bei uns in der HTL

Schon mal was von Abendschule gehört. Habe heute erst um 17:45 Unterrichtsbeginn. Von wegen im Unterricht in Foren schreiben.

Re: Re: Re: Bei uns in der HTL

das müssens schon sagen, dann sind ja die Geräte vielleicht doch selbst gekauft und bezahlt. Ich hab mich schon gefragt, woher Jugendliche das viele Geld dafür haben. Hätte die Schule daher im Speckgürtel angeiedelt.
Der Blackberry muß aber doch ein abgelegter vom Papa oder ein Dienstgerät sein.

Re: Bei uns in der HTL

Abgesehen davon, dass der überwiegende Teil aller Android-User ohne Flashen auskommt, wie ist das mit ihren IP? Nicht gejailbreakt?

Grundsätzlich finde ich diese Diskussion aber amüsant, wenn ich es nicht besser wüsste müsste ich glauben, dass die Anhänger der diversen Smartphone-OS einer religiösen Sekte angehören.

Für mich ist und bleibt ein Smartphone ein Gebrauchsgegenstand und über deren Nutzung mache ich mir keine grossartigen Gedanken, komischerweise habe ich aber noch nie eine derart intensive Diskussion bei Toastern, Bügeleisen und Staubsaugern gehürt/gelesen.

Aber was soll's, so lange anscheinend eine der grössten Sorgen der Menschen in diesem Land die Frage nach dem "richtigen" Smartphone ist, so lange werden die diversen Politiker tun und lassen können was sie wollen, gerade die jungen Menschen interessieren sich anscheinend für ihr Smartphone mehr als für die längst überfällige Pensions-, Verwaltungs- und Staatsreform.

Brot = bedarforientierte Mindestsicherung und Spiele = neues Smartphone bzw. diverse Soaps im TV, und das Volk ist glücklich!

Re: Re: Bei uns in der HTL

Ich bin ganz Ihrer Meinung, was die Sinnhaftigkeit einer Diskussion über solche Themen betrifft.

Allerdings irren Sie sich, wenn Sie sagen, sie hätten aber "noch nie eine derart intensive Diskussion bei Toastern, Bügeleisen und Staubsaugern gehürt/gelesen." Bzw. glaube ich Ihnen natürlich, dass Sie noch nie sowas gelesen haben, allerdings kann ich Ihnen versichern, dass Sie sich da irren :)

Es gibt Foren zu Haushaltsgeräten und die "Dysonfraktion" legt da wirklich harte Bandagen an... Küchenspezialisten sind auch harte Gegner und raten Sie mal was passiert, wenn Sie mit irgendwelhen Kaffeemaschinengurus sprechen: da fliegen die Fetzen zwischen Saeco und Nescafe.

Natürlich trifft Ihr Urteil auf fast alle dieser Diskussionen zu: Dinge die funktionieren sind gut PUNKT AUS.

Aus irgendwelchen Gründen wollen aber immer alle, dass Ihr Gerät, abseits der eigentlichen privaten Nutzung, zum besten aller Geräte erklärt werden könnte. Offensichtlich sind Anerkennung und Anbetung wichtiger als Nutzung. Auch wenn da immer wieder alle drauf rekurrieren.

Wenn ich ein funktionierendes Handy haben, dann benutze ich es. Warum sollte ich dann aber noch lange drüber reden? Fetisch!

 
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