"Die Teens sagen uns, dass Apple erledigt ist"

Totgesagte leben länger - und Apple am längsten, wie es scheint. Aber seit September ist Sand im Getriebe, Samsung und Google holen auf. Apple droht den Coolness-Krieg zu verlieren - ausgerechnet gegen Microsoft.

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Symbolbild – (c) REUTERS (CARLOS BARRIA)

Wien. Die typische Entstehungsgeschichte eines Apple-Produkts sieht in etwa so aus: Zuerst kommen die Gerüchte – auf Facebook, Blogs und Twitter. Getrieben von den Spekulationen tausender Fans und professioneller Beobachter erhält die kalifornische Computerfirma so Gratiswerbung für ein Produkt, das noch gar nicht existiert. Bis „rein zufällig“ ein Prototyp des neuen Geräts in einer Bar vergessen wird – was wiederum eine zweite Spekulationslawine auslöst.

Dann kommt endlich der Tag der Produktpräsentation. Und weil Apple weiß, wie man Erwartungen übertrifft, überschlagen sich die Fans meist vor Begeisterung. So war es beim iPhone, beim iPad – und sogar beim iPad mini. Aber auch Apple ist nicht unverwundbar. Und der Stern des Apfels droht zu fallen.

 

Doch kein „iPhone mini“

Der Börsenkurs befindet sich nach historischen Höchstständen im September auf Talfahrt. Jetzt ließ Apple die Herstellung von LCD-Displays für das iPhone 5 bei seinen Partnern in Japan um fast die Hälfte drosseln. Die Nachfrage scheint nachzulassen, die Konkurrenz holt auf. Unklar bleibt, ob Apple tatsächlich an einem billigeren, kleineren iPhone arbeitet. Nach heftigen Gerüchten (siehe Beginn dieses Artikels) dementierte Apples Marketingchef Phil Schiller Ende vergangener Woche: „Billige Smartphones sind populär, aber da liegt nicht die Zukunft von Apple-Produkten.“

Das iPhone 5 kostet mehr als 600 Euro – zu viel für viele Konsumenten. Vor allem, weil die Telefone der Konkurrenz oft um einen geringeren Preis mehr Leistung bringen. Der App-Store von Googles Android-Betriebssystem hat inzwischen mehr Apps zu bieten als das „Original“ von Apple. Und Handygigant Samsung verkauft aufgrund seiner diversifizierten Produktpalette deutlich mehr Endgeräte.

Keine Frage, Apples Hauptrolle auf dem Weltmarkt für Elektronik war in den vergangenen Jahren die des Innovationsmotors. iPhone und iPad haben den Markt revolutioniert. Aber die Konkurrenz schläft nicht, und nun gerät (zumindest in den USA) Apples Kernkompetenz unter Beschuss: die Coolness.

 

Microsoft ist plötzlich cool

In mehreren Umfragen unter Konsumenten im Teenager-Alter sei die Popularität von Apple zurückgegangen, berichtet das Wirtschaftsmagazin „Forbes“. Und Tina Wells von der Jugendmarketingfirma Buzz Marketing berichtet: „Die Teens sagen uns, dass Apple erledigt ist.“ Ein Grund hierfür dürfte ausgerechnet die fast religiöse Apple-Verehrung mancher junger Eltern sein. Weil die jedes neue Apple-Produkt sofort haben müssen, geben sie alte (das iPhone4 zum Beispiel) gern an ihre Kinder weiter. Aber welcher Teen mit Selbstachtung will schon dasselbe Handy wie sein alter Herr? Nun, noch immer würden mehr als 60 Prozent der amerikanischen Teenager zu Apple greifen. Aber: Tendenz fallend. Samsung holt auf, und sogar Microsoft kann mit seinem Surface-Tablet Coolness-Punkte sammeln.

Microsoft! Im kalifornischen Cupertino, wo Apple seinen Stammsitz hat, kennt man das freilich. Die Computerfirma stand vor nicht ganz zwei Jahrzehnten selbst fast vor dem Aus. Überrollt von Microsofts Windows, das Apples Betriebssystem vielleicht technisch unterlegen war – aber von vielen Herstellern eingesetzt wurde. Apple hingegen blieb schon damals seiner Strategie treu, eigene Hardware und Software zu verbinden. Anderen Computerherstellern ist der Einsatz von Mac-Software bis heute nicht erlaubt. Droht Apple auf dem Handy- und Tabletmarkt den Fehler von damals zu wiederholen? Immerhin ist die Situation heute ähnlich. Nur dass Googles Android Apples iOS technisch sogar ein bisschen überlegen ist. Und gratis für Handyhersteller wie Samsung ist.

 

Samsung hat 28 Prozent

Die Südkoreaner haben den iPhone-Rivalen Galaxy S inzwischen mehr als 100 Millionen Mal verkauft. 2012 belief sich der Marktanteil von Samsung bei Smartphones weltweit auf 28 Prozent – Apple liegt bei nur noch 20Prozent. Allerdings wurde das iPhone (alle Modelle) insgesamt bereits 271 Millionen mal verkauft.

Auf einen Blick

Apple lässt die Produktion von LCD-Bildschirmen für das iPhone in Japan drosseln, weil die Nachfrage schwächelt. Der Börsenkurs befindet sich auf Talfahrt. Samsung hält bei einem Smartphone-Marktanteil von 28Prozent – Apple nur bei 20. Und auch Googles Betriebssystem Android nagt am Erfolg des iPhones.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

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