Tagtool: Mit dem iPad Häuser bemalen

09.02.2013 | 18:21 |  von Sara Gross (Die Presse)

Finger statt Spraydose und Licht statt Lack: Eine App aus Wien ermöglicht legale Graffitis. Spannend, wenn mehrere Nutzer mit ihren iPads beteiligt sind. Mit Animationen lassen sich sogar Geschichten erzählen.

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Rio de Janeiro bei Nacht. Nur ein Gebäude strahlt in bunten Farben und Formen aus dem dunkelgrauen Großstadtdschungel hervor. Die Formen bewegen sich, es sind Gestalten zu erkennen. Die Entwickler der App Tagtool betonen gern den künstlerischen Aspekt ihrer „Lichtmalerei“. Auf dem iPad dienen in der Anwendung Finger als Pinsel, mit dem von einfachen Ornamenten bis hin zu animierten Comicfiguren nahezu alles umgesetzt werden kann. Um Figuren oder Formen in Bewegung zu versetzen, muss man in diesem Fall kein Profi sein. Das Objekt wird einfach mit zwei Fingern gepackt und bewegt, während die Aufnahme läuft. Das Ergebnis wird über einen Projektor an eine Wand oder ein ganzes Gebäude geworfen – auf Wunsch sogar in Echtzeit während der Entstehung. So lassen sich an Wänden ganze Geschichten erzählen, völlig ohne Spraydose und Lack.

Gemeinsam Figuren animieren. Spannend wird Tagtool, wenn mehrere Nutzer mit ihren iPads beteiligt sind. Die Geräte lassen sich per WLAN verbinden, und dann kann jeder Teilnehmer gleichzeitig in das Geschehen der in Echtzeit projizierten Malerei oder Animation eingreifen. Figuren können so in einen spontanen Dialog treten oder die Gedankenwelt des einen Nutzers von dem anderen weitergesponnen werden. Angefangen hat Tagtool als Softwareprojekt mit Bastelanleitung. Nach etlichen Auszeichnungen und Förderungen wurde daraus eine nutzerfreundliche App. Hinter Tagtool steckt die Wiener Produktionsfirma Omai, die sich auf digitale Malerei spezialisiert hat. Gegründet wurde die Firma von Markus Dorninger, der mit seinem Team seit 2006 Projekte in mehr als 30 Ländern umgesetzt hat. „Wir machen Performances bei Events, Guerilla-Actions im öffentlichen Raum, Theateraufführungen, Party-Visuals und Workshops“, fasst Dorninger zusammen. Die Gestaltung werde dabei meistens spontan entwickelt, erklärt der Künstler. In Wien wurden unter anderem bereits das Konzerthaus, die Sezession und die Peterskirche bestrahlt. Tagtool-Kunst beschränkt sich aber nicht auf Projektionen an Häusern. Verbindet man mehrere iPads, könnten zum Beispiel Schauspieler in die Rolle digitaler Puppen schlüpfen und so eine Art spontanen Trickfilm entstehen lassen. Selbst daheim wäre ein solches digitales Puppentheater leicht umsetzbar, indem man Tagtool mit dem Fernseher verbindet.

Tagtool ist zwar mit der iPad-App wesentlich benutzerfreundlicher als das ehemalige Do-it-yourself-Projekt, dennoch gibt es einige technische Voraussetzungen, bevor es losgehen kann. Dazu zählt ein AV-Adapter für das iPad oder Apple TV, wenn man das Bild drahtlos über AirPlay übertragen will. Dann braucht der geneigte Nutzer entweder einen Fernseher oder – idealerweise – einen Beamer. Grundsätzlich seien alle handelsüblichen Beamer geeignet, erklärt Dorninger. Um Gebäude bestrahlen zu können, sollte es dann aber schon ein lichtstärkeres Gerät sein. Dorninger selbst verwendet für mittlere Gebäude einen LCD-Projektor mit 4000 Lumen. Gerade wenn man im Freien ist, sollte man beachten, dass für die gleichzeitige Verwendung mehrerer iPads ein WLAN notwendig ist. Angesichts all dieser Anschaffungen sei der Preis der App mit rund 36 Euro doch gar nicht so hoch, meint Dorninger. „Allein der AV-Adapter kostet mehr.“ Es gehe ihm nicht um das schnelle Geld, aber Qualität habe eben ihren Preis.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2013)

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5 Kommentare

Super

Liegt eigentlich auf der Hand.
Schneider-Siemmsen praktizierte Bühnenbilder etc etc auf den bekanntesten Opernbühnen und seine Schüler auch in der Werbebranche.

So kommts jetzt in alle Hände.

13 4

nur blöd

dass sich die ,die Graffitis zeichnen sich kein ipad leisten können ^^

Re: nur blöd

Unmòglich nicht ist ja Sache der Prioritäten und nach dem Stoff bleibt halt nichts mehr.

Re: nur blöd

ja, weil reiche Leute in den meisten Fällen diese Kreativität nicht besitzen.

Re: nur blöd

Auch des Lesens und des Schreibens sind die selten mächtig.

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