Apples Gewinn fällt erstmals

Börsendarling Apple kommt ins Schleudern: Der Gewinn fällt, der Druck steigt. Nun will man Aktien zurückkaufen und die Dividenden erhöhen. Apple kündigt auch neue Produkte an – allerdings nicht vor Herbst 2013.

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Apples Gewinn fällt erstmals – (c) REUTERS (CARLOS BARRIA)

Cupertino/Wien/Ag./Red. Ärger im Paradies: Dank seiner begehrten iPhones und iPads wächst Apple zwar weiterhin – der Gewinn fiel im abgelaufenen Quartal aber erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt. Nachrichten, wie man sie vom erfolgsverwöhnten IT-Konzern nicht oft zu hören bekommt. Konzernchef Tim Cook räumte in ungewohnter Offenheit ein, dass die sehr hohen Margen aus der Vergangenheit nicht mehr zu halten sind. Er kündigte auch neue Produkte an – allerdings nicht vor Herbst 2013.

Kurzfristig dürfte sich damit die Situation nicht bessern. Der inzwischen weltgrößte Technologiekonzern scheint nach dem Tod des legendären Firmengründers Steve Jobs vor 18 Monaten seine Kunden nicht mehr mit Neuheiten begeistern zu können. Der südkoreanische Rivale Samsung hat das US-Unternehmen bei den Smartphone-Verkäufen bereits überholt. Das letzte große Update des iPhone fiel eher enttäuschend aus. Und auch an der Softwarefront verliert Apple: gegen Googles Android-System – das auch bei Samsung zum Einsatz kommt.

Apple musste in seinem zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Gewinnrückgang von satten 18 Prozent auf 9,5 Mrd. Dollar (7,3 Mrd. Euro) hinnehmen. Die Rohertragsmarge, die zeigt, was pro Produkt als Gewinn hängen bleibt, stürzte um rund zehn Prozentpunkte auf nur noch 37,5 Prozent ab. Das ist noch ein Punkt weniger, als Analysten befürchtet hatten.

Aktien unter größten Verlierern

Darin spiegelt sich unter anderem wider, dass immer mehr günstige Smartphones auf den Markt kommen. Der gesamte Umsatz legte zwar überraschend stark um elf Prozent auf 43,6 Mrd. Dollar zu, aber lange nicht mehr so schnell wie in den Jahren zuvor. Vor allem in den wichtigen Märkten China und USA verliert das Unternehmen an Tempo.

Das reflektiert auch die Entwicklung der Aktie:  Im September hat das Apple-Papier bei 702,10 Dollar ein Allzeithoch erreicht, seitdem geht es steil bergab. Vergangene Woche rutschte die Aktie unter die Marke von 400 Dollar. Ein Börsenwert von 280 Mrd. Dollar ging dabei verloren – das ist mehr Geld, als etwa Apples Rivale Google insgesamt wert ist. Apple-Aktien sind damit an der Börse keine sichere Wette mehr, sondern gehören zu den größten Verlierern in diesem Jahr.

Erstmals Schulden bei Apple

Dem Druck der Aktionäre, deutlich mehr Kapital auszuschütten, gibt das Management nun nach – offenbar, um die Eigentümer zu besänftigen. Seit Langem wird kritisiert, dass das Unternehmen zu viel Geld horte. In der Schatztruhe liegen mehr als 145 Mrd. Dollar. Das entspricht in etwa dem Dreifachen der Wirtschaftsleistung Bulgariens.

Apple will sogar erstmals Schulden machen, um Aktienrückkäufe zu finanzieren und höhere Dividenden bis Ende 2015 zahlen zu können. Das Gesamtvolumen dieser Maßnahmen soll bei 100 Mrd. Dollar liegen. Das ist doppelt so viel, wie 2012 zunächst vorgesehen war. Apple wird so zum weltgrößten Dividendenzahler an der Börse.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2013)

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