iPad im Test: Eines für alles

Das iPad hat seinen Weg inzwischen auch in die Redaktion von DiePresse.com gefunden. Apple-Chef Steve Jobs sieht in seinem Gerät den Heilsbringer für alle Medienkonsumenten, die "Wunderwaffe" für eine gerade kränkelnde Branche. Was kann das Gerät, das weder iPhone noch MacBook und trotzdem alles in Einem sein will, wirklich?(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Die Verpackung und Ausstattung sind Apple-typisch schlicht, aber hübsch. Installationssoftware sucht man vergebens, zum Einrichten dient Apples iTunes. Als Zubehör legt der Hersteller lediglich ein Ladegerät und ein USB-Kabel bei.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Kopfhörer sucht man allerdings vergebens. Die darf man sich separat zulegen. Da man das iPad wohl eher nicht als tragbaren MP3-Player mit sich schleppt, können auch die eingebauten Lautsprecher verwendet werden. Dabei vibriert die Rückseite des Geräts gelegentlich mit.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Die Rückseite besteht aus gebürstetem Aluminium mit einem schwarzen Apple-Logo. Für die Bedienung bietet das iPad (abseits von seinem großflächigen Touchscreen) lediglich einen Knopf für die Bildschirmsperre, Lautstärkeregler und einen Schieber, um die Bildschirmrotation abzustellen.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Im Test blieb die Verriegelung recht oft eingeschaltet, da das iPad schon auf geringe Lageänderungen reagiert und das Bild auch ungewollt hin und her dreht. In der Praxis erwies sich die Hochformat-Ansicht eher brauchbar als das Querformat.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Wie das iPhone, funktioniert das iPad nur in Verbindung mit iTunes. Hat man noch keine Apple-ID, wird man nun zur Registrierung gebeten. Bereits in iTunes vorhandene Musik, Bilder und iPhone Apps werden auf das iPad übertragen.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

iPhone Apps können auch am iPad verwendet werden - das Betriebssystem ist schließlich dasselbe. Sie werden jedoch zunächst nur in der Größe des Smartphone-Displays angezeigt und lassen sich zwar aufblasen, sehen dann in der Regel aber verpixelt aus.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Das iPad scheint wie geschaffen für Ausflüge ins Internet. Die Displaygröße ist ausreichend, um Webseiten ohne viel zu scrollen zu überblicken. Kippt man das Gerät ins Querformat, wird die Webseite automatisch angepasst. Der Spaß ist jedoch enden wollend: Nur allzu rasch trifft man im WWW auf Flash-Inhalte, etwa Web-Videos - eine Technologie, die das iPad nicht anzeigen kann.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Da auch die beliebte Video-Seite YouTube auf Flash basiert, hat Apple dem Sturm der Entrüstung mit einem eigenen Programm vorgebeugt. Inzwischen hat YouTube auf das iPad-freundliche Format HTML5 gesattelt. Mit der vorinstallierten YouTube-Anwendung können alle Videos auch im Querformat betrachtet werden - schwarze Balken bleiben meistens trotzdem: Das iPad hat ein Seitenverhältnis von 4:3.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Google Maps fühlen sich auf dem "Riesen-iPhone" besonders angenehm an: Ohne Ruckeln lassen sich Kartenausschnitte mit der gewohnten Mehr-Fingerbewegung heranholen und beliebig verschieben. Auf Wunsch zeigt das iPad in Sekundenschnelle den eigenen Standort an.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Die intuitive und spielerische Bedienung gleichzeitig mit mehreren Fingern hat aber auch seine Schattenseite: Das Display ist innerhalb kürzester Zeit mit Fingertapsern übersäht. Weil das iPad wesentlich größer ist als das iPhone, fällt das noch früher unangenehm auf.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

iPhone-Besitzer kennen die Bewegung: Das Fingerabdruck-anfällige Display wird zärtlich über den Ärmel gestrichen, um den Bildschirm wieder zum Strahlen zu bringen. Beim iPad wird das zu einer wenig effektiven Übung: Es ist schlicht zu groß.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Zudem spiegelt das Display so stark, dass das Betrachten von Videos gelegentlich beinahe unmöglich wird.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

In US-Testberichten wurde darauf hingewiesen, dass Amazons Kindle-App für das iPad weit brauchbarer ist als Apples eigenes iBooks. Mangels Verfügbarkeit von letzterem in Europa konnte das noch nicht überprüft werden. Amazons Software funktionierte aber reibungslos und erwies sich als brauchbarer Buchersatz.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Allerdings nur in Innenräumen. Will man mit dem iPad ein Buch oder eine Zeitung unter freiem Himmel oder gar im Sonnenlicht lesen, sieht man wortwörtlich schwarz. Das iPad ist damit maximal als Wohnzimmer-Gerät oder auf Zugfahrten brauchbar - vorzugsweise in Tunnels.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Im Unterschied zum iPhone, lässt es sich am iPad auch mit ungelenken Fingern recht einfach Tippen. Die virtuelle Tastatur ist ins Querformat gekippt etwa so groß wie bei gängigen Netbooks. Klar, tippen ohne hinsehen ist nach wie vor unmöglich, aber sehr schnelles Schreiben ist mit ein wenig Übung kein Problem.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Schwierig wird es, wenn man keine Möglichkeit hat, das iPad abzulegen. Im Hochformat kann dann nur noch mit zwei Daumen getippt werden - Tasten in der Mitte sind für "Kurzfingrige" dann schon schwer erreichbar.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Mit dem Bewegungssensor lassen sich etwa Autorenn-Spiele einfach durch Kippen und Drehen des ganzen Geräts steuern. Das hat das iPhone zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für tragbare Spielkonsolen gemacht. Das Display des iPads bietet zwar mehr Platz für Spielinhalte - die Steuerung über den Bewegungssensor wird aufgrund des höheren Gewichts aber bald anstrengend.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Marvel Comics wittert mit dem iPad Morgenluft. Der Anbieter hat sein Angebot von Spider-Man bis zum Hulk in einer App eingebunden. Die Seiten der Comics werden als Vollbild dargestellt und sind von der Qualität her hervorragend. Allerdings lässt sich Marvel das auch zwei Dollar pro Comic kosten.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Verlagshäuser preisen das iPad als Rettung für Tageszeitungen: Das iPad werde die Print-Ausgabe ersetzen und für den Komfort der digitalen Ausgabe seien die Leser - im Unterschied zu Webseiten-Angeboten - wieder bereit zu bezahlen. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich erst weisen. Die ersten Nachrichten-Apps können sich aber sehen lassen.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Der digitale Zeitungsleser ist jedoch auf eine Internetverbindung angewiesen. Das Standard-iPad ist mit WLAN ausgestattet - möchte man bereits am Arbeitsweg seine Zeitung genießen, muss man also beim Frühstück ans Nachladen denken. Alternativ bietet Apple eine 3G-Variante mit Mobilfunk-Internet an - dann muss allerdings gesondert ein Vertrag mit einem Mobilfunker abgeschlossen werden.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Die mitgelieferten Apps sind eher spärlich gesät, lassen sich aber über den App Store recht rasch aufrüsten. Mit einem US-Modell klappt das allerdings nicht direkt über das Gerät, hier meldet das iPad, dass der Store für Österreich noch nicht verfügbar sei.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Mit iTunes lassen sich aber bereits für das iPad optimierte Apps herunterladen und per USB-Kabel auf das iPad spielen. Dazu gehört auch eine Software für Sprachaufnahmen, die der auf dem iPhone 3GS stark ähnelt. Allerdings wirkt es etwas protzig, einem Interviewpartner das iPad vor die Nase zu halten.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Die große Frage lautet: welchen Mehrwert hat man, wenn man bereits ein iPhone besitzt? Dank des weit größeren Bildschirms surft es sich durchaus angenehmer und die Bildschirmtastatur ist auch leichter zu benutzen. Dafür lässt sich das iPad lange nicht so leicht mitnehmen. Als täglicher Begleiter taugt es daher nur eingeschränkt. Die rund 0,7 Kg Gewicht machen das iPad für Einhandbedienung auf Dauer sehr schwer.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Fazit

"Magisch" soll das iPad sein, proklamierte Steve Jobs. Allzu verzaubern kann das Tablet allerdings nicht. Das liegt auch daran, dass das Gerät sein Revier noch nicht genau abgesteckt hat. Ein wirklicher Bedarf dafür muss wohl erst gefunden werden. Als "Couch-Surfer" ist das iPad ideal, für mobilen Medienkonsum nicht so sehr. Daran sind vor allem das Gewicht, aber auch das Display schuld, dass je nach Anwendungsgebiet zu groß und zu klein zugleich ist.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)
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