iPad: Apples Luxusgut für die Massen

"Wofür könnte man dieses Gerät brauchen?", rätselten zahlreiche Tester von Apples iPad. Drei Monate nach dem Verkaufsstart und über drei Millionen verkaufte Geräte später gibt es darauf offenbar eine Antwort.

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(c) EPA (ANDY RAIN)

In einem Punkt sind sich beinahe alle Testberichte über Apples iPad einig: Es ist chic, aber der Bedarf an einem Gerät zwischen Smartphone und Laptop muss wohl erst geweckt werden. Hinzu kamen kritische Seitenhiebe wegen des Mangels an einer Kamera oder USB-Anschlüssen. Knapp drei Monate nach dem Verkaufsstart in den USA hat sich aber gezeigt, dass sich das iPad trotzdem verkauft wie warme Semmeln. 3,27 Millionen Stück hat Apple bereits abgesetzt – mittlerweile ist der tastenlose Computer in 19 Ländern erhältlich, und seit Freitag auch in Österreich.

„Coolness“ für die Großen.
Wer aber sind nun eigentlich die iPad-Besitzer, die über alle Kritikpunkte hinwegsehen? Apple gibt sich zu diesem Thema gewohnt verschwiegen, einige Nutzungsstatistiken und Studien zeichnen aber ein eher unerwartetes Bild: Das iPad ist keineswegs ein „hippes“ Teenie-Spielzeug. Die Suchmaschine Yahoo – an vierter Stelle der weltweit am häufigsten besuchten Websites – hat gemessen, welche Nutzer in den vergangenen Monaten mit einem iPad auf ihr Webangebot zugegriffen haben. Demnach ist das iPad das Spielzeug der über 35-Jährigen – ein Drittel der iPad-Nutzer von Yahoo ist sogar älter als 45, und 13 Prozent sind über 55 Jahre alt. Weniger überraschend ist die Geschlechterverteilung: Mehr als zwei Drittel sind männlich. 94 Prozent der Nutzer haben laut der Statistik außerdem ein überdurchschnittlich hohes Einkommen. Das iPad, ein Spielzeug der Reichen? Anfang Juli – also bereits fast drei Monate nach Marktstart – hat Resolve Market Research eine Studie durchgeführt, die ein ganz ähnliches Bild zeichnet. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, in dem iPad einen Luxusgegenstand zu sehen. „Coolness“ ist gleich nach „Unterhaltung“ der zweitwichtigste Kaufgrund, und fast die Hälfte der Befragten, die kein iPad besitzen, gab an, es sei zu teuer. Der Hauptgrund, sich kein iPad zuzulegen, war für mehr als die Hälfte der Befragten allerdings der mangelnde Bedarf. Wofür also wird das iPad gebraucht?

Lesen und Spielen.
Anscheinend als teurer, multifunktionaler Buchersatz. Fast die Hälfte der von Resolve befragten iPad-Besitzer gab an, keinen weiteren Bedarf an einem digitalen Lesegerät für Bücher zu sehen. E-Reader wie Amazons Kindle könnten also das erste Opfer des iPad-Hypes sein. Nur ein Viertel der Befragten glaubt hingegen, dass das iPad ein Netbook ersetzen könnte (Analysten gehen davon aus, dass sich schon in zwei Jahren mehr Tablets als Netbooks verkaufen). Rund 40 Prozent der befragten iPad-Besitzer sehen keinen Bedarf an einer weiteren portablen Spielkonsole. Spiele machen mit etwa 36 Prozent auch das Gros der beliebtesten iPad-Apps aus. Gleich an zweiter Stelle stehen Nachrichten-Apps, was besonders jene Verleger freuen wird, die in Tablets das digitale Heilmittel gegen Umsatzrückgänge und Leserschwund sehen. Das „Wall Street Journal“ hat mit Werbung in seiner iPad-Ausgabe angeblich sogar schon über zwei Millionen Dollar lukriert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2010)

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