Apple-Zulieferer Foxconn schreckt seine Aktionäre

27.04.2012 | 19:13 |  Von unserem Korrespondenten FELIX LEE (Die Presse)

Der weltgrößte Auftragshersteller von Smartphones und Konsumelektronik, der taiwanesische Apple-Zulieferer Foxconn International, schickt mit einer Gewinnwarnung seine Aktie in die Tiefe.

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Peking. Die US-Kultmarke Apple meldet Rekordgewinne. Der eigentliche Hersteller von iPads, iPhones und Macs muss hingegen eine Gewinnwarnung herausgeben. Foxconn, der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen, Flachbildschirmen und Spielkonsolen, hat am Freitag seinen Aktionären mitgeteilt, dass angesichts einer geringeren Nachfrage bei wichtigen Kunden der Verlust in der ersten Jahreshälfte deutlich größer ausfallen werde als erwartet.

Prompt rauschte die Aktie des taiwanesischen Unternehmens an der Hongkonger Börse um mehr als 13 Prozent in den Keller.

Foxconn fertigt Konsumelektronik für so gut wie alle großen Elektronikkonzerne dieser Welt an, unter anderem für Motorola, Sony, Nokia und Apple. Mit mehr als 1,2 Millionen Mitarbeitern vor allem in China gehört Foxconn zu den größten Unternehmen der Welt. Doch während Apple zuletzt eine Gewinnmarge von fast 30 Prozent verkünden konnte, lag die Marge bei Foxconn 2011 bei fünf Prozent.

Die Schere hat Gründe. Während die Kultmarke aus dem kalifornischen Cupertino für Branding und Image beim Konsumenten ordentlich abstaubt, lässt sich Apple die eigentliche Produktion bei Foxconn nur einen Bruchteil kosten. Dies sieht das Konzept Foxconn auch vor. Firmengründer Hon Hai hat bereits in den Achtzigerjahren für Atari die Spielkonsolen hergestellt. Schon damals waren die niedrigen Produktionspreise der Grund für Atari, Foxconn zu beauftragen, statt selbst Fabriken zu errichten. Von Beginn an setzte Foxconn bei sich selbst auf geringe Gewinnmargen und bei den Mitarbeitern auf geringe Löhne. Nur das erklärt Foxconns Größe.

 

Löhne steigen in China stark

Doch was die Mitarbeiter betrifft, laufen Foxconn nun die Kosten davon. Denn in China steigen seit einiger Zeit die Löhne. Ausschlaggebend war vor zwei Jahren die Serie an Selbstmorden unter den Mitarbeitern. Sie lösten auch in der Volksrepublik eine Debatte über die miserablen Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhne aus. Hon Hai musste mit ordentlichen Lohnerhöhungen reagieren. Inzwischen verlangen das auch die Behörden: Im Vorjahr sind in 21 chinesischen Provinzen die Löhne durchschnittlich um 22Prozent gestiegen. In der südchinesischen Stadt Shenzhen, wo mit über 200.000 Mitarbeitern die größte Foxconn-Fabrik steht, schlugen die Behörden noch einmal 15 Prozent auf den Mindestlohn auf. Foxconn ist es bislang nicht gelungen, diese gestiegenen Arbeitskosten an seinen Großkunden Apple weiterzureichen. Auch leidet das Unternehmen unter der Schwäche seiner anderen Unternehmenskunden Sony und Nokia.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2012)

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9 Kommentare
Gast: Halbwissen
01.05.2012 20:14
0

Dann müssens halt mehr verlangen !

Apple ist doch abhängig, oder !?

Re: Dann müssens halt mehr verlangen !

Ja, Apple ist solange abhängig bis jemand auf die Idee kommt sie unter Druck zu setzen und dieser jemand dann von ihnen geschluckt wird. ;-)

Arbeitskosten

Foxconn gehoert wie ein Reihe anderer Unternehmen von Flextronics (auch in Oesterreich angesiedelt) bis Celestica zur Kategorie der EMS Unternehmen. Diese Unternehmen tragen einen extrem geringen Teil zur Wertschöpfung bei. Beim ipad oder iphone liegt der Arbeitskostenanteil bei weit unter 10%. Die Branche funktioniert seit Jahren so. Der klagende Unterton all dieser Artikel ist laecherlich. Ohne EMS waere die Produktion NIE nach China gekommen und die Leute wuerden dort unter noch miserableren Umstaenden Schuhe zusammenleimen. Ja Apple macht hohe Gewinne aber Samsung und andere Lieferanten hochwertiger Komponenten von Chips bis zu Bildschirmen eben auch...fuer minimale Wertschoepfung wie es der reine Zusammenbau von Elektronik nun einmal ist, wird und muss der Kuchenanteil gering bleiben....oder die Produktion wandert wieder in ein anderes Land. In Zukunft wird Die Arbeitskostenkomponente uebrigens weiter sinken (siehe vorletzten Economist)...

Re: Arbeitskosten

Vor allem würden die Leute schimpfen, wenn das ipad statt Eur 499,-- in der Einstiegsversion plötzlich 999,-- kosten würde, nur weil die Arbeit in Amerika, Deutschland oder Österreich gemacht würde. Nebeneffekt: niemand würde die Geräte kaufen weil sie zu teuer sind und niemand hätte das Gerät, niemand würde daran verdienen und es gäbe weniger Arbeitsplätze, egal ob im Transport-, Vertriebs- oder Produktionssektor.

Das alles gilt natürlich auch für die Produkte von Dell, Nintendo usw, die dort ebenso produzieren ...

Also wer ständig über apple, foxconn und dergleichen herzieht, sollte seine Geräte am besten selber bauen.

Re: Re: Arbeitskosten

Fazit ist also: Solange wir profitieren ist ausbeuten OK.


Re: Re: Re: Arbeitskosten

so funktioniert die welt nunmal. schade dass das nicht in die verträumte welt vieler schulmädchen passt, aber so sieht es aus.

es ist ja nicht so, dass nur eine seite profitieren würde ...

Re: Re: Re: Re: Arbeitskosten

Schade ist allerhöchstens wenn man das als gegeben hin nimmt anstatt seinen Möglichkeiten entsprechend versucht etwas daran zu ändern.

Idealismus ist ja nicht gleich Idiotismus, auch wenn das manche Menschen mit abgestorbenem Gewissen gerne andere glauben machen möchten.

Re: Re: Re: Re: Re: Arbeitskosten

Na dann her mit den umsetzbaren Lösungen. Wenn ich leere Floskeln hören will hör ich HC Strache zu ...

Antworten Antworten Antworten Gast: Halbwissen
01.05.2012 21:31
0

Re: Re: Re: Arbeitskosten

So funktionierts !

Fressen oder gefressen werden ( Gottes Evolutionssystem / hart und beschissen / aber was wissen wir kleinen Erdlinge schon vom großem Masterplan ).

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