Cebit 2011: 40 Tablets und eine große Wolke

Eine Flut an iPad-Rivalen schürt das Publikumsinteresse an der IT-Leistungsschau in Hannover, die seit Jahren mit Besucherschwund kämpft. Auch der Mobilfunk ist auf der Cebit weiterhin vertreten.

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(c) EPA (MONICA M. DAVEY)

Hannover. Das Internet ist schuld. War die Cebit einst die Frühjahrsmesse für IT und Unterhaltungselektronik schlechthin, so kennen Hightech-Interessierte heute viele Neuheiten bereits von der Consumer Electronics Show im Jänner oder dem Mobile World Congress im Februar. Die Cebit im März tut sich daher zunehmend schwerer, mit echten Neuigkeiten aufzuwarten, was sich in den letzten Jahren auch in sinkenden Besucherzahlen niederschlug.

Heuer waren es vor allem die Tablets, die das Publikum anziehen sollten. Auch wenn Apple mit dem am Mittwoch in San Francisco präsentierten iPad2 ein wenig die Show stahl, finden sich in Hannover doch einige Highlights. Allen voran Motorolas Xoom. Das für April angekündigte Zehn-Zoll-Tablet ist zwar bereits bekannt, zählt aber als eines der ersten Modelle mit Android 3.0 zu den derzeit ernsthaftesten Rivalen für iPad1 und 2.

Unter den auf der Cebit präsentierten Tablets – Cebit-Mitveranstalter Bitkom zählte 40 – sind wohl auch einige, die nie in europäischen Verkaufsregalen stehen werden, vor allem die Vielzahl an Geräten mit älteren Android-Versionen, die von wenig motiviertem Standpersonal mehr bewacht als präsentiert wurden. Auch Windows-7-Tablets ohne Besonderheiten gehen in der Masse unter.

 

Tablet schmückt sich mit Designer

Einige der Exoten sind dennoch erwähnenswert. Etwa die Pierre-Cardin–Tablets, die allerdings die Handschrift des Modeschöpfers mehr im Namen als im Design tragen. Technisch interessanter ist das wasserdichte und stoßfeste Sieben-Zoll-Outdoor-Tablet Ulmo des taiwanesischen Unternehmens Mitac. Noch weiter gehen etwa PaceBlade, die ultrarobuste Tablets für Baustellen, Militär und sogar den Einsatz auf der ISS herstellen.

Sicherheit in einem anderen Sinn verspricht das Stylistic Q550 von Fujitsu. Das zehn Zoll große Windows-7-Tablett schützt mit Fingerprint-Sensor und Verschlüsselung beziehungsweise Fern-Löschung sensible Daten selbst bei Verlust des Gerätes und ist – wie das kleinere Playbook von Blackberry – ganz auf Business ausgelegt.

Im Billigsegment fischen wollen Arnova, die Diskont-Marke von Archos, und AOC, die Tablets verschiedener Größen von 100 bis 200 Euro anbieten.

Beim 4,8 Zoll großen Magic W3 von AdvancTC verschwimmen die Grenzen zwischen Tablet und Smartphone. Der direkte Konkurrent des Dell Streak läuft mit Atom-Prozessor unter Windows7 und ist mit 32-GB-SSD und diversen Anschlüssen gut ausgestattet.

Das wohl interessanteste Konzept hat Motorola, dessen Dual-Core-Smartphone Atrix mittels Dockingstation zum Zwölf-Zoll-Netbook wird, wobei gleichzeitig Android und Linux laufen können.

Asus bringt neben vier bereits bekannten Tablet-Variationen, die teilweise mit Slider- oder Anstecktastatur ausgestattet sind, auch Innovationen abseits der Tablets. Ein Gerät, das an eine verkleinerte Kinect-Kamera erinnert, erlaubt es, einen PC mittels Gesten zu steuern. Als Anwendung wurden Spiele mit Körpereinsatz gezeigt. Mit einem zum 3-D-fähigen Blu-ray-Player aufgerüsteten Mediaplayer namens O!Play BDS-700 wagt sich Asus ab Sommer zudem in die klassische Unterhaltungselektronik.

Auch Mobilfunk ist auf der Cebit vertreten. Aktuell hier vor allem der nächste Entwicklungsschritt LTE. Die in Deutschland sehr verbreitete DSL-Routerfamilie Fritz! Box bekommt ein LTE-Version. Über die neue Netztechnik sollen unter anderem ländliche Gebiete ohne adäquates Festnetz mit Breitbandinternet versorgt werden. Auch die Mobilfunker zeigten LTE-Router und LTE-USB-Sticks. Neben (mobilem) Internet ist die Vernetzung zu Hause ein Thema. Devolo hat sein Powerline-Portfolio um einen Adapter erweitert, der Drucker und Festplatten ohne eigene Netzwerkfähigkeit via USB in auf Stromleitungen basierenden Heimnetzen integriert.

 

Fernsehen für das iPad

Geräte, die DVB-T-Fernsehen und teilweise auch Sat-Signale via WLAN auf PC, iPhone und iPad übertragen, haben etwa Elgato, Hauppauge oder Avermedia gezeigt. Die Firma PCTV Systems bringt zusätzlich Inhalte von DVD-Player oder anderen Quellen auf Tablets und Smartphones; via Internet sogar unterwegs. Im Haus zeigt ein zeppelingförmiges iPod-Dock von Bowers & Wilkins Musikstreaming mittels Apples AirPlay.

Während in der Consumerwelt alles auf Tablets fliegt, ist im Business die Cloud das Motto der Messe. Praktisch alle großen Namen der Branche wollen Dienstleistungen und Infrastruktur aus der „Wolke“, sprich dem Internet, anbieten. SAP will sein „Business by Design“ getauftes On-Demand-Service vor allem über Partnerunternehmen in den Mittelstand bringen. Am Stand von Microsoft – das mit Windows-Life–Services auch Private mit Cloud-Services beglückt – wird ebenfalls größter Wert auf die Partner gelegt. IBM setzt vor allem auf „Hybrid Cloud“, die Kombination aus externen und internen – nach Cloud-Muster – Diensten. Bei SAP ist man trotz allen Enthusiasmus überhaupt überzeugt, dass Cloud- und konventionelle Lösungen noch für längere Zeit parallel genutzt werden.

HP versendet über die Cloud unter anderem Druckaufträge per E-Mail. Eine Reihe namhafter Druckergrößen hat auf der Cebit einen diesbezüglichen Standard lanciert.

Auch das breite Publikum begeistern konnte IBM mit Watson, jenem Supercomputer, der, wie berichtet, Mitte Februar in der TV-Show „Jeopardy“ menschliche Quiz-Profis bezwang.

Spiele der actionreicheren Art finden sich im dezidiert für Private konzipierten Messebereich. Gamer konnten hier nicht nur die neuesten 3-D-Spiele testen, sondern fanden auch Hardware, um ihren PC innen wie außen aufzumöbeln. E-Sportler tragen am Samstag die Finalspiele der Electronic Sports League aus, bei denen es um insgesamt 400.000 (echte) Dollar geht.

Cebit 2011

Die Cebit in Hannover ist die weltgrößte IT-Messe, bei Unterhaltungselektronik und Mobilfunk hat sie an Bedeutung verloren. Die Cebit 2011 läuft noch bis Samstag und ist in die vier Bereiche Pro (Geschäftskunden), Gov (öffentliche Hand), Lab (Forschung) und Life (Privatnutzer) unterteilt.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.cebit.de

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2011)

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