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Abschied: Der letzte große Auftritt des Bill Gates

07.01.2008 | 18:11 |  VERONIKA SCHMIDT (Die Presse)

Bill Gates zieht sich aus dem von ihm gegründeten Computer-Konzern Microsoft zurück. Er will sich ganz für seine Stiftung engagieren – die mehr für die medizinische Forschung zahlt als die US-Gesundheitsbehörde.

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Der zweitreichste Mann der Welt zieht sich aus dem Unternehmen zurück, das ihn bis 2007 laut Forbes-Liste zum reichsten Mann der Welt gemacht hatte: Am Sonntag, den 6.Jänner, fand Bill Gates' letzter öffentlicher Microsoft-Auftritt statt. Und zwar dort, wo vor 25 Jahren sein Aufstieg begann: in Las Vegas. Dort konnten hartnäckige Besucher der Consumer Electronics Show (CES) nach stundenlangem Warten einen Platz bei Gates' „Pre-Show Keynote“ ergattern.

Erwartet hatten viele einen spektakulären Coup zum Abschied. Der blieb zwar aus, aber Gates zeigte eine solide Show mit einer Prise Humor. Solide war die Präsentation der Microsoft Produkte für Telefonie, mobile Unterhaltung in zukünftigen Automodellen und Tools des „intelligenten Tisches“ (ein Computer mit Display als Tischplatte). Humorig waren Videoeinspielungen, in denen Gates sich selbst und seinen frühen Studienabbruch ironisch betrachtete und mit Kommentaren seiner Microsoft-Kollegen, aber auch von U2-Sänger Bono und Schauspieler George Clooney aufpeppte.

Alpha und Omega in Las Vegas

Las Vegas ist für Gates das Alpha und Omega seiner Karriere: 1983 trat er hier erstmals vor großem Messepublikum auf und präsentierte die erste Windows-Version. Gegründet hatte er die Firma Microsoft schon 1975, doch mit Windows veränderte er die Welt (siehe Kasten). Aktuell geht der Marktanteil von Windows jedoch zurück. Die Betriebssysteme von Apple (Mac OS) und von Linux legen an Beliebtheit zu. Auch sonst verlieren Microsoft-Produkte gegen Mitanbieter (Suchmaschine live.com, Spielkonsolet Xbox, Internet Explorer). Nur bei der Beteiligung an der Internet-Plattform Facebook schaffte es Microsoft, den Mitanbieter Google auszustechen.

Doch um solche Streitigkeiten am IT-Markt will sich Bill Gates in Zukunft nicht mehr kümmern. Er widmet sich nun der wohltätigen Stiftung, mit der er und seine Frau für eine bessere Welt kämpfen.

Wenn sich die Wissenschaftswelt fragt, warum es noch keine Impfung gegen Malaria gibt, antworten Zyniker, dass Pharmakonzerne nicht in Forschung gegen Krankheiten investieren, die nur in armen Regionen Welt vorkommen. Bill Gates wollte kein Zyniker sein – und gründete 1994 die Stiftung, die 1999 zur „Bill and Melinda Gates Foundation“ wurde. Mitte 2007 war sie 38 Milliarden Dollar schwer, sie fördert weltweit medizinische Forschung, um Impfstoffe gegen Malaria, Aids, Tuberkulose und andere infektiöse Krankheiten zu entwickeln. Derzeit fließen mehr Mittel aus ihr in die Forschung als aus Amerikas wichtigster Behörde für biomedizinische Forschung (National Institute of Health, Jahresetat 28 Mrd. Dollar).

Nicht nur gegen Krankheiten, auch gegen die Armut kämpft die Stiftung. So werden im Global-Development-Programm Kleinkredite an Familien vergeben. Mehr reiche Menschen mögen ihrem Beispiel folgen und ihre Milliarden der globalen Gesellschaft „zurückgeben“, anstatt sie ihren eigenen Kindern zu vermachen, wünschten sich Melinda und Bill Gates in einem Interview. Ihre eigenen drei Kinder sollen jedenfalls „nur“ je zehn Millionen Dollar erben.

DER ERFOLG VON MICROSOFT

1983 präsentierte Bill Gates persönlich das „Windows“-System. Und damit war der Untergang der „Kommandozeile“ besiegelt, zumindest für den alltäglichen User. Anstatt MS-DOS-Befehle zu tippen, konnte man die Maus verwenden, um sich durch An-wendungen zu klicken. Bis das System allerdings so funktionierte, wie die ersten Ankündigungen es versprachen, brauchte Microsoft viele Windows-Versionen. Trotzdem eroberte das Microsoft-Betriebssystem die Welt. Marktforschungsstudien belegen, dass fast 95 Prozent der Privatkunden Windows nutzen. Ohne Windows wäre der Erfolg von Microsoft nicht vorstellbar.

2006/07 war Windows für den Großteil des Jahresumsatzes von Microsoft verantwortlich (Gesamtumsatz 51,1 Milliarden Dollar).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2008)

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