Las Vegas (ag./mac). Jahrelang versuchten Microsoft und seine Partner, dem Tablet-PC zum Durchbruch zu verhelfen. Ohne Erfolg. Noch verkauft sich die Mischung aus Smartphone und Laptop schlecht. Ihr Anteil an den gesamten PC-Verkäufen ist mit einem Prozent verschwindend gering. Zu teuer waren die Geräte, zu unhandlich in der Bedienung, zu langsam die Internetverbindung.
Mit dem Aufkommen des iPhones wurden Touchscreens aber zum technischen Standard, und der Markt für Tablet-PC kam wieder in Bewegung. Ende Jänner soll Apple ein eigenes Gerät vorstellen, die Technikwelt erwartet eine neuerliche Revolution, Microsoft fürchtet um die Früchte langjähriger Arbeit.
Doch nicht diesmal, dachte sich Microsoft-Chef Steve Ballmer und nutzte seine Eröffnungsrede auf der weltgrößten Elektronikmesse, der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, um einmal seinem Konkurrenten die Show zu stehlen. Nicht Steve Jobs, der Apple-Gründer, sondern er sollte den ersten Tablet-PC des Jahres aus der Tasche ziehen.
40 Tablet-PC gegen Apple
Gesagt, getan. Ob sich Steve Ballmer damit allerdings einen Gefallen getan hat, ist fraglich. Denn mehr als ein Prototyp war es nicht, was das Oberhaupt des weltgrößten Softwareherstellers auf der Bühne in den Händen hielt. Produziert von Hewlett Packard, streng genommen also kein Microsoft-Produkt, und nur eines von 40 vergleichbaren Geräten, die heuer auf den Markt kommen sollen. Sie alle arbeiten mit Windows7, erklärte Ballmer stolz und machte deutlich, womit der Konzern seine Brötchen verdient. Neun von zehn Computern weltweit laufen mit dem Windows-Betriebssystem.
Der neue Tablet-PC hingegen enttäuschte. Technische Details wurden ebenso wenig bekannt, wie ein Preis oder ein möglicher Verkaufsstart. Frühestens Mitte 2010 werde das Gerät im Handel sein, schätzen Beobachter. Bis dahin könnten die Vorteile des Microsoft-Frühstarts schon wieder dahin sein. Es wird allgemein erwartet, dass bereits Mitte März ein ausgereiftes Apple Tablet in den Geschäften stehen wird.
Ein kleiner Sieg bleibt dem Microsoft-General doch. Er taufte das HP-Gerät kurzerhand „Slate“. Apple muss sich damit wohl um einen neuen Namen umsehen. Denn angeblich hätte Apple sein Produkt gerne unter dem Namen „iSlate“ ins Rennen geschickt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2010)
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